Samstag, 21. November 2009

Das Richtige aus Eigenem finden?


"Nicht darauf kommt es an, dass ich etwas anderes meine als der andere, sondern darauf, dass der andere, das Richtige aus Eigenem finden wird, wenn ich etwas dazu beitrage."
Das Gefühl Recht zu haben und Recht behalten zu wollen, kennt jeder. Jemanden zu überzeugen oder mit "schlagenden" Argumenten zu bedenken, gibt eine gewisse Befriedigung. Unsere ganze Kultur, die gesamte politische Sphäre ist davon aufs Peinlichste geprägt. Sie hat einen Kampfcharakter. 
Mir ist der Gedanke - obgleich zuerst sehr ungewohnt - ausgesprochen sympatisch und angenehm, andere nicht überreden, überzeugen, in mein Boot zerren zu müssen. Diese Haltung kann Gespräche so herrlich entspannen und lockern. Es fördert die Gelassenheit, wenn man sich sagt: "Ich sollte meinen Gesprächspartner gar nicht ändern WOLLEN".
Den zweiten Teil des Steinerschen Satzes finde ich etwas brisant. Es kann doch wohl nicht gemeint sein, dass A sich strategisch Dinge überlegt, die er beitragen kann um B dazu zu bringen etwas "Richtiges aus Eigenem" zu finden, das A schon kennt und nur herauskitzeln möchte !? Das geht vielleicht bei Kindern. Aber im Bezug auf Erwachsene wäre diese Haltung doch  pädagogisch und damit unstatthaft!? Welche Art des eigenen Beitragens kann gemeint sein? Doch wohl nur die, dass ich durch mein ehrliches, authentisches Sein in irgendeiner Schicht auf den anderen wirke?! 

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Montag, 16. November 2009

Das einzig zuverlässige Mittel für Wellenberuhigung!

Unter dem Label "Was man in Büchern alles so findet" heute eine ausnehmend skurile Erfindung aus dem Jahre 1894. Oder war es vielleicht schon damals ein verspäteter Aprilscherz? Der Text:

"Werther Herr!
Beifolgend überreichen wir Ihnen einen Auszug aus der kürzlich erschienen Schrift
"DIE LEHRE VON DER WELLENBERUHIGUNG"
von Dr. M.M. RICHTER,
indem wir voraussetzen, dass der Inhalt Sie in hohem Grade interessiren wird.
Dem genannten Chemiker ist es nach vielen Versuchen und eingehendem Studium gelungen, das Princip der Wellenberuhigung aufzufinden. Durch die Entdeckung dieses Naturgeheimnisses ist er dann zu der Erfindung des Wellenöls gelangt, die seinem verdienstvollen Wirken erst die grosse praktische Bedeutung verleiht.
Das von Dr. M.M. Richter erfundene Wellenöl wird von uns genau nach seiner Vorschrift hergestellt und entspricht demnach allen Erfordernissen eines unbedingt zuverlässigen, jederzeit und überall sofort wirksamen Rettungsmittels für Schiffe gegen Sturzwellen und Brechseen.
Wir sind in der Lage
DR. RICHTERS PATENT-WELLENOEL
ab hier netto zu Mark 1,50 p. Kilo in Kannen á 10 Kilo zu liefern und fordern Sie auf, sich durch Versuch und Vergleich davon zu überzeugen, dass es
das einzige zuverlässige Mittel für Wellenberuhigung
ist, dass es daher zum Schutze von Schiff, Mannschaft und Ladung fortan nicht zu entbehren ist."
Rückseitig die genaue Handlungsanweisung:
"Die Anwendung des Wellenöls geschieht entweder 1) unter Benutzung der bisherigen Oelbeutel aus Segelleinen, gefüllt mit Twist, Werg etc.
oder 2) mittelst des bewährten Dr. Richter´schen Zuckerverfahrens; man lässt faustgrosse Zuckerstücke, die mit Wellenöl durchtränkt sind, in einem Netz von etwas 1/2 cm Maschenweite schifflängs an einem Tau im Wasser mitschleifen. Hat das Schiff schwere See von vorne, so werden die mit Wellenöl durchtränkten Zuckerstücke mit Hülfe eines Katapults voraufgeschossen.
Besonders zu erwähnen ist noch, dass Dr. Richters Patent-Wellenöl wegen seiner blitzschnellen Ausbreitung auf dem Wasser schon bei Verwendung ganz geringer Quanitäten vollauf seinen Zweck erfüllt; es stellt sich infolge dieses sparsamen Verbrauchs auch

bedeutend billiger, als das billigste sonst existirende Oel.
Wir erwarten Ihre Nachrichten gern und zeichnen
Mit Hochachtung..."

Mittwoch, 11. November 2009

Hamburger Arbeitstag zum Thema "Anthroposophie, Pseudospiritualität und Nationalsozialismus" mit Arfst Wagner, Andreas Bracher und Peter Tradowsky

Im Steiner Haus Hamburg fand am 7.11.09 eine Tagung zum Thema Anthroposophie und Nationalsozialismus statt. Hier seien kurz nur einige Gedanken der Vorträge wiedergegeben:

Die zwei Beiträge von Arfst Wagner zeigten anschaulich und bestürzend eine unglaublich umfangreiche Liste von „Anthroposophen“, die teilweise in den Nationalsozialismus verstrickt waren oder sich sogar tief mit ihm verbunden hatten.
Angeführt seien hier nur Heinz Pfeiffer, der Verfasser des immer noch viel gelesenen Buches „Brüder des Schattens“, der - so Wagner - Verbindungen zu geheimen SS-Netzwerken pflegte, oder auch Werner Georg Haverbeck. Haverbeck wage in seinem Buch „Rudolf Steiner – Anwalt für Deutschland“ die unglaubliche These, dass Steiner und Hitler zwei historische Gestalten EINER Bewegung gewesen seien, der eine esoterisch wirkend, der andere exoterisch.
Wagner berichtete aber auch von merkwürdigen „zufälligen“ Parallelen. So gibt es ein Buch des anthroposophischen Autors Roman Bos und eines von Josef Goebbels mit dem gleich lautenden Titel  „Michael“. Berichtet wurde beispielsweise auch von kruden verzerrten Reinkarnationsideen Himmlers, der offenbar der Ansicht war, die leibliche Grundlage des Judentums müsse vernichtet werden, da sie für weitere Reinkarnationsfolgen nicht tauge.
Die Forschungen Wagners ergaben ihm als ein Ergebnis, der Nazismus sei eine Art negatives Spiegelbild, ein diabolisches Schattengebilde der Anthroposophie.
Sehr einleuchtend erscheint mir auch seine Aufforderung an die Menschen, die mit Forschungen zu diesem Thema befasst sind, verstärkt zusammenzuarbeiten, auch wenn sie aus verschiedenen Richtungen kämen. Das Thema sei so komplex und differenziert, dass Einzelbemühungen heute einfach keine befriedigenden Ergebnisse erzielen können.
Auf der Seite des Lohengrin-Verlages von Arfst Wagner findet man Ausführlicheres zu diesem Thema:
http://www.lohengrin-verlag.de/artikel/nsinterview.htm
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Andreas Bracher charakterisiert Steiners Verhältnis zum Judentum in drei Schritten:
Erstens war Steiner grundsätzlich gegen nationalistische Ausgrenzungsprinzipien und damit gegen die Separation des Judentums. Am besten seien viele Eheschließungen zwischen Juden und Nicht-Juden, um das nicht mehr zeitgemäße Blutprinzip der Generationenfolge einer Ethnie als Grundlage für geschlossene Gemeinschaften oder Nationen auszuhebeln. (Übrigens spielt ja auch in Steiners Dreigliederung die ethnische Zugehörigkeit der Menschen keine Rolle bei der politischen Gestaltung der Sozialordnung – ganz anders als bei den Nazis.)
Was Steiner zweitens am Judentum stark würdigte, war seine historische Bedeutung als Volk, das die leibliche Grundlage für die Inkarnation des Christus über Jahrtausende vorbereitete und zur Verfügung stellte und das außerdem das ichhafte hirngebundene Denken als Bedingung der Freiheit ermöglichte. Ohne all dies hätte die Anthroposophie heute keine Grundlage.
Drittens pflegte Steiner viele intensive und freundschaftliche Beziehungen zu Juden (hier sei nur erinnert an: Carl Unger, Walter Johannes Stein, Adolf Arenson, Ludwig Thieben...)
Kein Wunder also, dass die Nazis Steiner sofort als Feind ausmachten und die Anthroposophie auszumerzen versuchten. Dies äußerte sich beispielsweise in dem bekannten Anschlag auf Rudolf Steiner 1922.
Bracher las einiges aus einem Arikel des Völkischen Beobachter vor, das ich hier nur in Teilen (und zwar in den moderateren Teilen) wiedergeben möchte: "Herr Steiner will mit seiner Lehre praktisch das Gleiche, was alle Feinde unserer staatlichen und völkischen Selbständigkeit anstreben. Nur nennt er es anders. Unter dem Namen "Anthroposophie" und "Dreigliederung" geht er seinen dunklen Geschäften nach, Millionen stehen ihm zur Verfügung, unser Volk mit seinen Lehren zu verseuchen, und durch seinen Einfluss auf weiteste Kreise ist er zu einer Gefahr für unsere Gegenwart und Zukunft geworden. Herr Steiner mag seine Giftdrüse im Ausland verspritzen, von mir aus in Dornach bei Basel, wo er sich einen Tempel hinsetzte, mit dem er den Namen unseres Goethe schändete..." (Zitiert nach "Johannes Tautz: Der Eingriff des Widersachers")
Aber auch die militärischen Eliten der Weimarer Republik unterwanderten Steiners Bemühungen und Impulse. Beispielsweise sollte mit Hilfe der Veröffentlichung der Memoiren Helmuth von Moltkes durch Steiner gezeigt werden, dass bei Ausbruch des ersten Weltkrieges die militärische Führung völlig kopflos und ohne Strategie agierte und von Welteroberungs-Ideen weit entfernt war. Es sollte gezeigt werden, dass der Versailler Kriegsschuldparagraph nicht gerechtfertigt sei, um die schweren Reparationen und die Ächtung und Isolierung Deutschland zu mildern. Diese Veröffentlichung wurde von der Obersten Heeresleitung unterlaufen, um ihr eigenes Ansehen nicht zu gefährden. Und die Ächtung und Isolierung Deutschlands wurde von den Nazis gern politisch-propagandistisch genutzt und mündete in die uns bekannten Katastrophen.
Es tobte ein Kampf um „die Seele Deutschlands“: Auf der einen Seite der Dreigliederungsimpuls, also der Versuch das Geistesleben aus der Umklammerung von Politik und Wirtschaft zu befreien, um eine zukunftsfähige Sozialordnung zu errichten. Auf der anderen Seite Hitlers totalitärer Einheitsstaat. Die Nazis siegten. Ab 1922 konnte Rudolf Steiner keine öffentlichen Vorträge mehr in Deutschland halten. Die Anthroposophie war verdrängt und konnte – so Bracher – bis heute nicht mehr wirklich auf eine  wünschenswerte Weise in Deutschland Fuß fassen.
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Peter Tradowsky spannte auf der Tagung den historischen Bogen am weitesten.
Er zeigte beispielsweise auf, dass man Kaspar Hauser sehen könne als einen guten Geist des deutschen Volkes, mit seinen merkurial-ausgleichenden Kräften, seiner unschuldigen Seele und seinem herzlichen Wesen. Um ein Gefühl zu bekommen, für das, was Rudolf Steiner „deutscher Volksgeist“ nennt, müsse man des weiteren natürlich die deutsche Klassik hinzuziehen. Während der wilhelminischen Zeit habe sich nun aber gerade eine fundamentale Abkehr der Deutschen von ihrem Volksgeist vollzogen. Erst diese Abkehr machte den Nationalsozialismus und seine Gräuel möglich. Schon im Hinblick auf den 1. Weltkrieg wäre es nötig gewesen, dass die militärisch Verantwortlichen – in Übereinstimmung mit dem Volksgeist und unter vernünftiger Berücksichtigung der technischen Gegebenheiten -  eine militärische Auseinandersetzung unter allen Umständen vermieden hätten. In der Idee der sozialen Dreigliederung habe sich das trinitarische Prinzip des Michaelischen gespiegelt und verwirklichen wollen. Eine solche „soziale Trinität“ die im Einklang mit dem Volksgeist steht, war der größte Gegenspieler des Nationalsozialismus und dies hatte Hitler erkannt. Steiner wird 1925 vom physischen Plan verdrängt und stirbt einen Monat nach der Neugründung der NSDAP.
Von Seiten des Rudolf Steiner Hauses ist geplant dies Thema weiter zu bearbeiten, vielleicht wird schon in einem halben Jahr diese Tagungsarbeit fortgesetzt - eine sehr gute Idee.

Montag, 2. November 2009

Artikel 8 zur "Philosophie der Freiheit"

Das 3. Kapitel "Das Denken im Dienste der Weltauffassung" beginnt mit dem berühmten Billard-Beispiel: Im Vorhinein kann über die Bewegungen der Billardkugeln nach erfolgtem Stoß nur etwas ausgesagt werden, wenn ich mir dazu Begriffe bilde, beispielsweise über die Mechanik, die Geschwindigkeit usw. Der Vorgang selbst vollzieht sich ohne mein Zutun und allein die Beobachtung des Vorgangs bringt noch keine Erkenntnis. Das denkende Durchdringen des Vorgangs wird von mir dem Beobachtungsinhalt als ein Zweites hinzugefügt. Es ist vollständig von mir abhängig. Theoretisch kann ich aber auch auf alles Begriffesuchen verzichten, wenn ich kein Bedürfnis danach habe.
Aber: Trotzdem fühlen wir uns geradezu gezwungen, den gegebenen Gegenständen in unserem Bewusstsein Begriffe und Begriffsverbindungen hinzuzufügen. Wir können feststellen, dass uns mit den Gegenständen nicht zugleich deren Begriffe mitgegeben werden - beide Bereiche sind zunächst strikt getrennt. Was bringt uns also das Denken?
Was wir durch den Denkvorgang erhalten ist der Zusammenhang des Beobachteten mit anderen Vorgängen und Gegenständen.
Die substanziellen Grundsäulen unseres Geistes sind demnach Beobachtung und Denken. Sie sind Basis jeder geistigen Bemühung, sei sie alltäglich oder anspruchsvoll-philosophisch.
Jeder Philosoph muss daher zugeben, dass die Beschäftigung mit seinen Urprinzipien, beispielsweise Idee und Wille, die Betätigung des Denkens bereits voraussetzt, dies also als "noch ursprünglicher" angesehen werden muss.
Beobachtungsgegenstände sind nicht nur Sinneswahrnehmungen, sondern auch Empfindungen, Anschauungen, Gefühle, Willensakte, Traum- und Phantasiegebilde, Vorstellungen, Begriffe und Ideen, sämtliche Illusionen und Halluzinationen. Wohlgemerkt, auch Begriffe und Ideen tauchen für uns auf dem Beobachtungsfeld auf! Die Beobachtung geht dem Denken voraus. Das Denken kann also zum Beobachtungsobjekt werden.

Und noch einmal:
In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
"Die Philosophie der Freiheit" und natürlich jedes lieferbare Buch kann in der Rudolf Steiner Buchhandlung Hamburg unkompliziert bestellt werden und wird zugeschickt!


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Montag, 12. Oktober 2009

(K)ein Bericht zur Rosenkreuzer-Tagung in Hamburg


Eigentlich hatte ich vor, von den Vorträgen der Tagung zu berichten. So ein wichtiges Thema, so viele interessante Vortragende, so viele Gäste!
Einen längeren Beitrag wollte ich beispielsweise schreiben über Peter Selg, dessen Vortragstitel "Christian Rosenkreuz und Rudolf Steiner" lautete. Er versuchte eine werkbiografische Annäherung des Verhältnisses beider Individualitäten und er begann seine Ausführungen mit dem Hinweis wie ungeheuer anspruchsvoll das ganze Tagungsthema sei und wie über alle Maßen sensibel man mit Äußerungen über Christian Rosenkreuz umgehen müsse - als Sprecher wie als Hörer. Das leuchtete mir unmittelbar ein und dies ist auch der Grund, warum ich nicht tiefer ins Thema einsteigen möchte, schon gar nicht auf diese digitale Weise. Über eine Tagung zum Grundeinkommen ausführlich zu berichten, wäre sicher einfacher, jedoch ein Thema, das so unmittelbar alle Gesichtspunkte und die ganze geistige Historie der Anthroposophie berührt und auch die Individualität Rudolf Steiner so zentral betrifft, möchte ich es nicht.
Nur kurz erwähnt seien beispielsweise Dr. Heuschkel, ein Chemiker aus Hamburg, der ausgewählte Passagen der "Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz" liebevoll erzählte und parallel dazu kleine Experimente zum Thema "Alchemie der Metalle" zeigte. Es ging ihm darum, sich der spirituellen Qualität der Metalle durch Beobachtung im Experiment zu nähern.
Oder auch Birrethe Arden Hansen - zum Thema "Eurythmie - ein Rosenkreuzerimpuls". Die Eurythmie sei nichts weniger - sagte sie -  als der Ausdruck des Rosenkreuzertums in der menschlichen Bewegung.
Jean-Sebastian Catalan
, sprach zum Thema "Rosenkreuzer und Michaelit". Er näherte sich dem "Grundsteinspruch" und dem "Morgenruf des Michael" und betonte die Qualität des Hörens und Hören-Wollens.

Hier doch noch einiges zum Rahmen:
Vor jedem Abendvortrag wurde Musik des Grafen Saint Germain für Klavier und Cello gespielt (MenschMusik). An allen Tagen wurde der Grundsteinspruch von der Arbeitsbühne Hamburg - Kassel eurythmisch dargestellt. In der Bibliothek wurde eine Ausstellung zum Leben und Werk des Grafen Saint Germain durch Peter Schrad, Eckernförde eröffnet. Sie konnte in allen Pausen besichtigt werden. Auch eine Ausstellung "Unbekannte Lehrtafeln und  Handschriften der Rosenkreuzer" war zu sehen. Die "Dramengruppe im Rudolf Steiner Haus" brachte extra hierfür umgearbeitete Seelenbilder aus der "Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz" von 1459 an zwei Terminen zur Aufführung.


Die lieben Kollegen der Rudolf Steiner Buchhandlung Hamburg hatten an ihrem Büchertisch viel zu tun.
 

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Artikel 7 zur "Philosophie der Freiheit"

Die andere Spielart des Monismus ist der "Spiritualismus", der die Materie als eigene Seinsform vollständig leugnet, bzw. sie als Produkt des Geistes auffasst. Steiner zufolge kann der Spiritualist keinen wirklichen Weltbezug erlangen, er muss ja auch jede Sinneswahrnehmung als Idee betrachten. Der Spiritualist kommt, ganz ähnlich wie der Materialist gar nicht an die Ausgangsfragen heran: Wie ist das Verhältnis von Subjekt-Objekt, Ich-Welt befriedigend zu bearbeiten? Was für eine Spaltung liegt da vor und wie können wir sie überwinden? Er sieht dies Problem einfach nicht, bzw. er leugnet den Gegensatz von Geist und Materie, den Steiner wohl als dem menschlichen Bewußtsein "objektiv gegeben" hinstellt.

Nun macht Steiner erstmals eine Andeutung worauf seine eigenen Ideen hinauslaufen könnten. "So wahr es ist, daß wir uns der Natur entfremdet haben, so wahr ist es, daß wir fühlen: wir sind in ihr und gehören zu ihr. Es kann nur ihr eigenes Wirken sein, das auch in uns lebt." (S. 33) Wir haben uns zwar von der Natur losgerissen, aber wir haben etwas von ihr mit herübergenommen. "Dieses Naturwesen in uns müssen wir aufsuchen, dann werden wir den Zusammenhang auch wieder finden." (S. 34)
Kleine "Hausaufgabe" fürs nächste Treffen: Wie kann dies "Naturwesen" gefasst werden?

Und noch einmal:
In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
Ich möchte hier regelmäßig einige Gedanken dazu wiedergeben. Meine Beiträge sollen jedoch KEIN strukturiertes Protokoll sein. Ich möchte hier Gedanken äußern, die in der Runde ausgesprochen oder auch NICHT ausgesprochen wurden. Es handelt sich also um eine subjektiv-protokollähnliche Gedankensammlung ohne jeden Vollständigkeitsanspruch. Man möge also, die Sätze, in denen ich Rudolf Steiner referiere (und natürlich alle anderen), gern kommentieren und korrigieren!

"Die Philosophie der Freiheit" und natürlich jedes lieferbare Buch kann in der Rudolf Steiner Buchhandlung Hamburg unkompliziert bestellt werden und wird zugeschickt!


Sonntag, 4. Oktober 2009

Artikel 6 zur "Philosophie der Freiheit"

Steiner beschreibt im vierten Abschnitt des zweiten Kapitels, wie philosophiegeschichtlich mit der „Ich-Welt-Thematik“ umgegangen wurde. Er bezeichnet die verschiedenen Herangehensweisen als "Monismus" und "Dualismus". Der Dualismus richtet den Blick nur auf die Trennung von Ich und Welt. Er strebt eine „Wiedervereinigung“ zwar an, er kann die Brücke zwischen beiden jedoch nicht finden. Dies liegt daran, dass er in Geist und Materie oder auch Subjekt und Objekt zwei grundverschiedene Wesenheiten sieht, die sich gegenseitig vollständig fremd sind. Im Geist ist nichts, was auch in der Natur wäre, in der Natur ist nichts, was auch im Geist wäre. So haben beide auch keine Wirkungsmöglichkeit aufeinander, es besteht überhaupt keine Beziehung. Insofern ist auch eine Versöhnung nicht denkbar.
Der Monismus tritt in drei verschiedenen Spielarten auf. Erstens als Materialismus. Der Materialismus leugnet den Geist vollständig. Es existiert nur Materielles. Steiner widerlegt dies auf eine denkbar einfache Weise: In dem Moment, in dem ich anfange über Materie zu denken, denke ich bereits. Ich betätige also Geist, den es daher auch geben muss. Der Materialist könnte nun entgegnen, dass der Denkprozess über die Materie eben auch ein materieller Prozess sei. "Er glaubt, dass das Denken im Gehirne etwa so zustande kommt, wie die Verdauung in den animalischen Organen." Damit ist die Fähigkeit des Denkens aber nur an einen anderen Ort verlegt. Der Materialist dreht sich somit im Kreis, denn er ist wieder an der Ausgangsfrage angelangt. "Wie kommt die Materie dazu über ihr eigenes Wesen nachzudenken? Warum ist sie nicht einfach mit sich zufrieden und nimmt ihr Dasein hin?"
Mir bleibt bei dieser simplen Widerlegung die Frage, ob der Materialist nicht trotzdem logisch weiterargumentieren könnte: Gedanken seien eben sehr sehr feine materielle Vorgänge, die irgendwann wissenschaftlich noch vollständiger analysiert werden können als jetzt schon. Es sei daher kein qualitativer oder substantieller Unterschied zwischen Geist und Materie anzunehmen. Die Sinnfragen der Menschen seien eben ein Spiel der Natur, die das Leben vielleicht einwenig interessanter machen, aber eigentlich doch sinnlos sind und natürlich nicht auf irgendeine grundsätzlich andere Seinsform verweisen??!!

"Die Philosophie der Freiheit" und natürlich jedes lieferbare Buch kann in der Rudolf Steiner Buchhandlung Hamburg unkompliziert bestellt werden und wird zugeschickt!

Foto: Linzenzfreies Bild von Wikipedia
 

Freitag, 2. Oktober 2009

Kürzlich gelesen: "Die Rettung der Seele" von Bernhard Lievegoed

Heute möchte ich in der Rubrik "Kürzlich gelesen" das Buch "Die Rettung der Seele" vorstellen, das ich mir in Vorbereitung auf die Rosenkreuzer-Tagung in Hamburg vornahm.
In dem Buch wird versucht, grundlegende geistige Stömungen, die im Zusammenhang mit der anthroposophischen Bewegung stehen, zu erhellen.
Sehr anrührend sind die Umstände der Entstehung dieses Buches: Jelle von der Meulen hat es als Lievegoeds letztes Werk an seinem Krankenbett "empfangen" und zu Papier gebracht. Das Buch ist schön, einfach und klar geschrieben.
Es werden drei Geistesströmungen aufgefunden: die Anthroposophie Rudolf Steiners, das Rosenkreuzertum des Christian Rosenkreuz und die Strömung des Manu. Zu jeder dieser Individualitäten werden die Inkarnationsfolgen dargestellt und die jeweiligen Umstände der Biografien so skizziert, das man Lust bekommt, sich tiefer einzuarbeiten, beispielsweise in die Gralsthematik.
Das Kapitel über die Gegenmächte, die durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch, versuchen die Arbeit dieser Strömungen zu negieren, war für mich in dieser geballten Zusammenfassung sehr bereichernd und neu.

Stutzig gemacht hat mich allerdings die Aussage des Buches, man habe diese drei Strömungen als getrennte zu sehen.
1. Die Anthroposophie stünde für die Erkenntnisbemühung, das Ringen um Weisheit, also das Denken.
2. Das Rosenkreuzertum stünde für das Handeln, die tätige Umwandlung der Erde, das kaiinitische Erbauen des Tempels, also das Wollen.
3. Der Manichäismus habe die Hingabe, die Milde, die Opferbereitschaft zur Handlungsmaxime erhoben, also das liebende Gefühl. 

Ich empfinde diese Dreiteilung als schief. Für mich ist gerade das Begeisternde an der Anthroposophie, dass sie all diese unterschiedlichen Herangehensweisen als Akzente eben EINER Strömung vereinigt!
Was wäre Weisheit ohne Liebe, und was wäre beides zusammen ohne Handlungsimpuls - lauter halbe Sachen. Die Art der Einweihung von Christian Rosenkreuz im 13. Jh. - eine Einweihung in der alle 12 historischen Weisheitsströmungen auf ihn einwirkten - deutet auf eine große Vereinigung aller Religionen und esoterischen Richtungen hin, die einen geistigen "Separatismus" ja gerade überwinden wollte. Insofern empfinde ich das Rosenkreuzertum als eine Art Vorläufer der Anthroposopie. Die Aufforderung Lievegoeds allerdings, dass "Vertreter" dieser verschiedenen Richtungen doch verstärkt und unvoreingenommen zusammenarbeiten mögen, ist natürlich über alle Maßen gerechtfertigt. Jelle van der Meulen hat 1998 eine Art Folgebuch geschrieben, das ich gestern begonnen habe zu lesen - ich werde berichten!
Hier ein Link zum Buch bei Amazon, ich habs momentan leider nicht selbst im Angebot!

8.10.09 / Hier noch ein Nachtrag zu obigem Artikel aus "Jelle van der Meulen : Und so weiter"
"In Über die Rettung der Seele ist ein entscheidender Irrtum enthalten, dem zwar eine außerordentlich treffsichere Intuition zugrunde liegt, der aber dennoch auf einen Irrweg führen kann. Lievegoed meinte nämlich, dass Mani, der Stifter des historischen Manichäismus, der im 4. Jahrhundert n. Chr. seine Hochbüte erlebte, eine Inkarnation von Manu sei, dem großen Eingeweihten der alten Atlantis. Nun, wie man es auch betrachtet, es ist jedenfalls unwahrscheinlcih, dass dies so zutrifft. Es besteht allerdings eine sehr enge Verbindung zwischen den Beiden, und gerade im Verständnis dieser Verbindung liegt der Schlüssel zur Botschaft des geistigen Testaments von Bernard Lievegoed..." (Zitat S. 10)

Bücher von Lievegood bei uns HIER

Freitag, 25. September 2009

Anthro-Link-Tipp: "Philosophie der Freiheit" HÖREN



Auf dieser Seite gibt´s Steiner im Hörbuchformat. Die Philosophie der Freiheit kann neuerdings bis zum 8. Kapitel gehört werden! Für den kostenlosen Download  wird dort um eine Spende gebeten.
Auch einige Einzelvorträge sind dort bereits als Hörbücher zu erwerben.
Tolles Projekt!

Donnerstag, 24. September 2009

Philosophie der Freiheit 5

Die Saison beginnt wieder, auch die Arbeit an der "Philosophie der Freiheit" in der Rudolf Steiner Buchhandlung Hamburg wird seit letzter Woche fortgesetzt.

Die äußere Welt stellt sich dem Menschen so dar, dass sie fortwährend sein Begehren, seine Sehnsucht weckt. Der Mensch sucht permanent nach einem MEHR, in der Welt, die ihm gegenüber steht. Der Überschuss, den wir in den Dingen suchen, spaltet unser Wesen in zwei Teile. Soweit die ersten Gedanken des zweiten Kapitels.
Auffällig ist nun, dass Steiner im folgenden Abschnitt die Perspektive umdreht: WIR sind es, die eine Wand zwischen uns und der Welt aufrichten, sobald unser Bewußtsein erwacht. Hilfreich finde ich in diesem Zusammenhang das Wörtchen "indem". Es deutet auf eine GleichZEITIGKEIT und auf eine gewissen Identität hin: Indem sich die Welt mir gegenüber einfindet, ist mein Bewußtsein in Tätigkeit und eine Spaltung geschehen. Andersherum: Ich spalte die Welt durch mein Bewußtsein, sobald es aufleuchtet, indem es aufleuchtet. Man muss aushalten, dass nicht eindeutig zu klären ist, auf welcher Seite die Ursache liegt.
Das Streben nach der Überbrückung des Gegensatzes entspringt aus dem GEFÜHL, dass wir doch zur Welt gehören und lebt sich in Kunst, Religion und Wissenschaft aus. Auch im dritten Abschnitt findet sich wieder ein Perspektivenwechsel. Das MEHR, der Überschuss, zu dem wir nicht ohne weiteres Zugang haben, findet sich hier plötzlich nicht in der Welt, sondern im ICH! Auch hier hat man einen paradoxen Gedanken auszuhalten, nämlich den, dass das Mehr der Erscheinungswelt und das ICH in einer gewissen Sphäre eins sind.
Diese Einheit ist nach Steiner herzustellen, indem der "Weltinhalt zum Gedankeninhalt" gemacht wird. Für mich ein sehr rätselhafter Vorgang, wenn ich den Satz wirklich wörtlich nehme: Kann ich die Erscheinungswelt, also die materiellen Gegebenheiten in meinen Geist hinein verwandeln? Verändere ich dann nicht ihre Substanz? Ist dies ein alchimistischer Vorgang?

Steiner beschreibt dann, wie philosophiegeschichtlich mit diesem Thema umgegangen wurde. Er bezeichnet die verschiedenen Herangehensweisen als "Monismus" und "Dualismus".
Dazu später mehr!

Dienstag, 22. September 2009

"Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreuz" von J.V. Andreae

In der Rubrik "Kürzlich gelesen" möchte ich heute das Buch "Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreuz" vorstellen. Es handelt von einem, der sich am Schluss des Buches Christian Rosenkreuz nennen darf und beschreibt auf höchst ungewöhnliche Weise dessen Einweihungsweg. Das Buch wurde 1603 verfasst und überrascht durch eine wilde Mischung aus skurrilen Begebenheiten, sehr blutrünstigen Ereignissen, einem seltsamen Humor und einer hochheiligen Symbolik.
Das Geschehen ist in sieben Tage gegliedert. Der Einzuweihende wird am ersten Tag durch ein Engelwesen zu einer königlichen Hochzeit eingeladen und begibt sich unverzüglich auf eine surreal anmutende Reise.
Alles kommt komplett anders als man erwartet, man wird mit einer bestürzend handgreiflichen Brutalität konfrontiert - es werden Exekutionen durchgeführt, Hände werden von Körpern gerissen, statt einer herkömmlichen Hochzeit, werden Braut und Bräutigam geköpft, Blut fließt in Strömen. Auf den ersten Blick hält man es kaum für möglich, dass es sich hier um ein Werk christlicher Einweihung handelt.
Dann gibt es noch Knaben und holde Jungfrauen, die den Leser und auch den Einzuweihenden ungerührt durchs Geschehen geleiten. Logisches wird ganz selbstverständlich mit Unlogischem vermischt. Manche "Nebensache" wird detailliert beschrieben und manches Wichtige wird nur kurz angerissen.
Alles läuft darauf hinaus, dass in alchimistischen Laboratorien mit den Bestandteilen der königlichen Leichname geheimnisvolle Verrichtungen vollführt werden, mit dem Ziel das Königspaar verwandelt wiederzubeleben. Der ganze Prozess kann wohl - wie ja jedes Märchen auch - verstanden werden als innerseelisches Geschehen. Beinahe jeder Satz enthält tiefste Geheimnisse. Die Wiederbelebung gelingt, die Geschichte bleibt am Ende jedoch trotzdem offen.
Das Buch ist ausgesprochen kurzweilig. Beim ersten Lesen hat mich die Fülle der unglaublichen Ereignisse wirklich überfordert, man kommt aus dem Staunen kaum heraus. Entweder legt man es irritiert zur Seite oder man beginnt sich mit dem Rosenkreuzertum intensiver zu beschäftigen.

Letzteres tut ein Arbeitskreis, der sich im Rudolf Steiner Haus Hamburg seit 6 Jahren mit diesem Werk befasst. Trotz der langen Zeit ist der Kreis offen, man kann jederzeit einsteigen.

Samstag, 19. September 2009

Linktipp: Tauschticket - große Tauschbörse


Auf der Seite Tauschticket kann man Bücher, Filme und vieles mehr mit Anderen tauschen. Tauschtickets sind die "Währung", die für einen Tauschvorgang benötigt werden. Damit man Artikel anfordern kann, muss man über entsprechende Tauschtickets verfügen.
Grundsätzlich erhält man für jeden Artikel, den man in sein Regal einstellt und das von einem anderen Mitglied angefordert wird, ein oder mehrere Tauschtickets, sobald man den Artikel versendet. Die Übertragung der Tauschtickets wird automatisch geregelt. Man kann Bücher einfach über isbn oder auch per Handeingabe einstellen. Ich hab dort schon viele Bücher "weggetauscht" und hab von dort auch schon einige interessante bekommen. Es sind immerhin über 1.2 Mio im Angebot, so dass für den einen oder anderen etwas dabei sein sollte. Dann und wann wird man etwas mit Werbung genervt, aber gut, die klickt man weg! 

Dienstag, 15. September 2009

Dienstag, 8. September 2009

Anthro-Link-Tipp: Rudolf Steiner Archive - www.rsarchive.org

Der heutige Link-Tipp stellt eine englischsprachige Archiv-Seite vor. Auszug:

Welcome Everyone!

The Rudolf Steiner Archive is our gift to Anthroposophy, the world-wide Anthroposophical Movement in general, and to the Spiritual Community of Man. Here, we offer summaries of Rudolf Steiner's books translated from the original German to English, a catalogue of Steiner's holdings, a chronological listing of Steiner's lectures (over 6000), and most of his books, in German and English, and hundreds of lectures, articles and essays for interested readers to contemplate. If nothing else, the topics covered should make you think — and that is good. This is an on-going project — there will always be new information presented here. An adventure in Spiritual Science.

Samstag, 5. September 2009

Werner-Christian Simonis: Im Schutze der Meister, die Meister des Ostens und des Westens

Diese kleine Schrift von Simonis, die einem recht selten antiquarisch über den Weg läuft, stellt sehr kompakt auf nur 59 Seiten dar, welche "Meister" im Osten und im Westen in der Vergangenheit und heute weisheitsvoll auf die Menschen zu wirken versuchten - und auch wie sie es taten.
Als Meister des Westens finden der Meister Jesus und Christian Rosenkreuz Erwähnung, deren christlicher Impuls im Wandel der Geschichte dargestellt wird. Mit Meister Jesus "zusammen wirkte und wirkt jene hohe Individualität, die sich hinter dem Namen "Christian Rosenkreuz" verbirgt." S. 19.
Im Anhang findet man interessante mündliche Äußerungen von Marie Steiner.
Biografisches über Simonis gibt´s hier!

Das Inhaltsverzeichnis:
Die Meister
Über die Meister des Ostens
Von den Meistern des Westens
Meister Jesus
Meister und Bodhisattva
Anhang

Dienstag, 1. September 2009

Christian Rosenkreuz im Rudolf Steiner Haus Hamburg

Der Sommer neigt sich dem Ende, die Saison beginnt wieder! Das Programm des Rudolf Steiner Hauses Hamburg bietet in diesem Herbst viel Interessantes zum Thema "Christian Rosenkreuz". Mit Spannung erwarte ich die große internationale Tagung im Oktober zu diesem Thema! Hier geht´s zum Programm.

Als Vorbereitung darauf lese ich gerade das Büchlein von Karl Heyer "Geschichtsimpulse des Rosenkreuzertums" aus den 30er Jahren (das leider bei mir im Antiquariat nicht zu haben ist, da ich mein Exemplar behalten möchte. Man bekommt es aber bei Eurobuch. Es gibt auch eine Neuauflage vom Perseus Verlag!)

Karl Heyer leistet auf diesen gut 100 Seiten Beträchtliches. Er berichtet über die Quellen des Rosenkreuzertums aus der Tradition der Gralsströmung und der Templer, die um das esoterische Christentum bemüht sind. Er skizziert die Entstehung dessen, was man heute landläufig als Rosenkreuzertum bezeichnet, das jedoch bereits im Mittelalter wurzelt. Und er zeichnet die historische Entwicklung Europas vor dem Hintergrund der rosenkreuzerischen Impulse nach, die Wichtigstes veranlagen wollten und in Vielem gescheitert sind.

Ein Anliegen der Rosenkreuzer war eine andere Art der Naturerkenntnis und Naturwissenschaft zu ermöglichen als die, die sich dann durchsetzte. Eine Naturbetrachtung war gewollt, die nicht so vollständig alle spirituellen Bezüge verneint, wie die heut-etablierte.
Ein anderer Impuls richtete sich immer auch auf die Sozialgestaltung europäischer Gesellschaften. Interessant ist bei Heyer zu lesen, wie solche sozial-politischen Ideen im Laufe der Geschichte Verzerrungen und Verdrehungen erfuhren.

Der Geschichtsstrom wird verfolgt über die Französische Revolution bis hin zu Goethe und Lessing, bei denen Rosenkreuzerisches auf künstlerische Weise wiedererschien.
Aber Heyer betreibt auch Quellenstudien der rosenkreuzerischen Werke, die Anfang des 17. Jahrhunderts öffentlich wurden und schreibt Interessantes über Johann Valentin Andreae und den Grafen Saint-Germain.
Eine wirklich lohnende Lektüre, die man sicher nicht nur einmal zu sich nimmt.
Biografisches über Karl Heyer findet sich übrigens hier.


Zum Foto: © boeboe / PIXELIO

Samstag, 29. August 2009

Anthro-Link-Tipp: Biografien bekannten und unbekannter Anthroposophen



Auszug aus der Seite: “Ca. 1250 biografische Porträts. Die hier zugänglichen biografischen Porträts wurden von den Autorinnen und Autoren als Originalbeiträge für das Biografien-Projekt der Forschungsstelle Kulturimpuls geschrieben. Diese ca. 1250 Biographien wurden von Bodo von Plato redaktionell bearbeitet. Bei fremdsprachigen Originaltexten werden die Übersetzer nur in Ausnahmefällen genannt. Zahlreiche Übersetzungen besorgten Jan Pohl und Christel von Grumbkow. Darüber hinaus wurden zu ca. 800 Personen biographische Archiv-Notizen von Jan Pohl erstellt, die einige Kerndaten aus Nachrufen zusammenstellen. Darüber hinaus hat die Forschungsstelle Kulturimpuls eine Datenbank mit derzeit ca. 26.000 Personeneinträgen, mit bio-bibliographischen Angaben…”Auf der Seite "Das Projekt" erfährt man wie bei der Personenrecherche vorgegangen wurde. Auch ein Buchprojekt mit 600 Porträts ist 2003 daraus entstanden.

Donnerstag, 27. August 2009

Anthro-Link-Tipp: Schenken und geschenkt bekommen!

www.freecycle.de

Auszug aus der Seite: "Das weltweite Freecycle-Netzwerk organisiert in regionalen Gruppen den Austausch kostenlos abzugebender Gegenstände. Was für den einen wertlos geworden ist, kann ein anderer vielleicht noch gut gebrauchen. Mit Freecycle kannst du zu verschenkende Sachen anbieten oder suchen.
Freecycle wird ehrenamtlich betrieben und vertritt keine kommerziellen Interessen. Ziel der Freecycle-Idee ist es, unnütz gewordenen Dingen wieder einen Sinn zu geben, anderen zu helfen und eine Freude zu bereiten und auch selbst Spaß daran zu haben. Und wenn die eigene Wohnung (Keller, Garage, Dachboden) dabei entrümpelt sowie Müll vermieden wird: auch nicht schlecht!
Unter "Wo?" im Menü links findest du eine Übersicht aller deutschen Gruppen. In diesen kannst du dann nach einer kostenlosen Anmeldung stöbern und eigene Dinge zum Verschenken anbieten.
Infos über das weltweite Freecycle-Netzwerk findest du unter www.freecycle.org."

Samstag, 22. August 2009

Starke Worte von Rudolf Steiner...

...eingelegt in ein Buch:

"Wir müssen mit der Wurzel aus der Seele ausrotten Furcht und Grauen vor dem, was aus der Zukunft herandrängt an den Menschen. Gelassenheit in Bezug auf alle Gefühle und Empfindungen gegenüber der Zukunft muß sich der Mensch aneignen. Mit absolutem Gleichmut entgegensehen allem, was da kommen mag, und nur denken, daß, was auch kommen mag, durch die weisheitsvolle Weltenführung uns zukommt.
Wir haben jeden Augenblick das Rechte zu tun und alles andere der Zukunft zu überlassen.
Es gehört zu dem, was wir in dieser Zeit lernen müssen, aus reinem Vertrauen zu leben, ohne jede Daseins-Sicherheit, aus dem Vertrauen in die immer gegenwärtige Hilfe aus der geistigen Welt. Wahrhaftig, anders geht es heute nicht, wenn der Mut nicht sinken soll. Nehmen wir unseren Willen in Zucht und suchen die Erweckung von innen, jeden Morgen und jeden Abend."

Rudolf Steiner, 27.11.1910, Bremen, Sprüche, Dichtungen Mantren, GA 40a. 


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Liebe Newsletter-EmpfängerInnen,

Vielen Dank für die zahlreichen Bestellungen und die netten Kontakte! So macht diese Arbeit Spaß!
Der nächste Newsletter wird nicht so lange auf sich warten lassen. Schon bald - im Herbst - wird wieder einer veröffentlicht, denn ich habe im Moment ein ziemlich gefülltes Lager.
Herzliche Grüße bis dahin.
Ruth Jäger



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Mittwoch, 12. August 2009

Dies Blatt fand ich in einem Buch


Manichäerlegende
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Ursprünglich stehen sich zwei Reiche gegenüber: das Lichtreich und das Finsternisreich. Das Gleichgewicht wird gestört durch einen Angriff, den die Wesen der Finsternis-Reiches auf das Lichtreich unternehmen. Die Wesen des Lichtreiches weisen den Angriff ab. Wie aber sollen sie nun antworten? Es kann nicht alles beleiben wie vorher, der Gegensatz von Licht und Finsternis ist zu dem Gegensatz von Gut und Böse geworden.

Eine Strafe zu verhängen ist unmöglich, weil es im Lichtreich nur Gutes gibt. Eine Strafe wäre bereits durch das Böse bestimmt, das im Lichtreich gänzlich fehlt.

So können die Wesen des Lichtreiches nur dadurch antworten auf den Angriff, dass sie einen Teil ihres Wesens opfern und in das Finstere sich mischen lassen. Sie entlassen einen aus ihren Reichen. Licht mischt sich der Finsternis ein. Wo es wirkt, zieht es Finsteres verwandelnd an sich. Dafür werden andere Bestandteile des Finsternisreiches nur umso finsterer gegen das Licht.

So naht einmal der große Weltbrand im Finsternisreiche, der die Scheidung herbeiführt. Auf den Flammen steigt empor, was durch den ins Finstere opfernd gemischten Lichtkeim in Licht verwandelt ist. Was finster bleibt, stürzt als Schlacke in den Abgrund. Und nun herrscht das Lichtreich, das Reich des Guten allen, vermehrt durch das, was der Lichtkeim dem Tode der Materie hat entreißen können.

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Ohne Quelle.

Weiß jemand von wem das überliefert ist? Von Rudolf Steiner?
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Samstag, 8. August 2009

Buchsuche im Netz - Eurobuch


powered by eurobuch.com
Autor:
Titel:
Volltext:
ISBN:

Bei der Suche nach vergriffenen oder gebrauchten Büchern scheitert man oft bei Amazon oder Ebay. 


Möchte man einen umfassenderen Überblick über das aktuelle Gebraucht-Buchmarktangebot bekommen, sollte man daher immer bei Eurobuch.com schauen. Dies ist keine Plattform, auf der einzelne Antiquare und Gebrauchtbuchhändler ihre Bücher direkt anbieten, sondern eine METASUCHMASCHINE für Bücher. Diese Suchmaschine sucht FAST alle wichtigen Plattformen ab (z.B. Booklooker, Antikbuch24, Antbo, Antiquario. Biblioman... und auch Amazon und Ebay) und listet die Treffer sortiert auf. Die Sortierkriterien, kann man selbst eingeben, sei es Preis, Erscheinungsjahr etc.
Ein Nachteil ist hier aber die Tatsache, dass Eurobuch leider das ZVAB nicht mit absucht. Und dies ist ja bekanntermaßen die renommierteste deutschsprachige Plattform am Markt. Mein Tipp: Man sollte also immer zwei Recherchen machen, eine unter ZVAB und eine andere unter Eurobuch, dann kann man ziemlich sicher sein, sich einen guten Überblick verschafft zu haben. Nur ein Beispiel: Bei der Suche nach "Scaligero, Massimo" bei Eurobuch bekommt man 112 Treffer (natürlich mit vielen Doppelungen), im ZVAB bekommt man 24 Treffer (Stand 8.8.09). An den Einträgen sieht man, dass viele ZVAB-Anbieter auch auf anderen Plattformen anbieten und daher über Eurobuch zu finden sind. Aber es gibt eben auch viele, die sich - wegen hoher Gebühren - das ZVAB sparen und daher nur über die Metasuchmaschine gefunden werden können.
Übrigens auch Neubücher werden bei der Eurobuch-Suche aufgelistet

Mittwoch, 5. August 2009

Anthro-Link-Tipps: 1. Sentovision


Die Reihe "Anthro-Link-Tipps" möchte interessante Seiten vorstellen, die sich unter Umständen noch keiner großen Bekanntheit erfreuen.
Als ersten Beitrag möchte ich auf Sentovision hinweisen, meines Wissens die einzige Seite, die CDs und Filme anbietet, die sonst nicht so leicht erhältlich sind! Man kann das Gesamtprogramm auch als pdf-Datei herunterladen!

Auszug aus der Seite: "Sentovision führt in seinem Programm Hörbücher und Vortragsaufzeichnungen aus den Bereichen Medizin, Gesundheit, Kulturgeschichte, Aktuelles, Kunst, Anthroposophie und Naturwissenschaft. Die Themen werden auf aktuelle und moderne Art und Weise vermittelt. Interessenten erhalten eine Repetitionsmöglichkeit, Gehörtes und Gesehenes zu vertiefen, oder Informationen zu erhalten, die sonst nur lokal und zeitlich begrenzt angeboten werden. Durch die Aufnahme wird den Hörern das gesprochene Wort des Hörbuchs /Vortrags authentisch vermittelt."

Sonntag, 19. Juli 2009

GA komplett online

Neulich beim Surfen entdeckte ich diese Seite:
 http://fvn-rs.net/
Dort sind offenbar alle Schriften und Vorträge Rudolf Steiners öffentlich gemacht. Mir war diese Seite neu, und ich weiß nicht seit wann sie in der Form existiert.
Eingeleitet wird sie mit folgenden Worten: “Die Initiative zur freien Verwaltung des literarischen und künstlerischen Nachlasses des Begründers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, lädt Sie ein, die Früchte der Anthroposophie zu genießen.
Es ist der Wunsch entstanden, den gewaltigen Schatz, den der Menschheit von Rudolf Steiner übergeben wurde, auch tatsächlich – über das Weltnetz – zugänglich zu machen.
Da die Bände der Gesamtausgabe mit den Jahren in verschiedenen Ausgaben herausgegeben wurden, halten wir es für nützlich, möglichst alle vollständig zur Verfügung zu haben, um Vergleiche selbst vornehmen zu können.”

Philosophie der Freiheit 3

Im fünften Abschnitt des Kapitels „Das bewusste menschliche Handeln“ betont Steiner erstmals, dass es ein tief greifender Unterschied sei, ob ich weiß warum ich etwas tue oder nicht. Er fragt, ob ein erkannter Beweggrund denn in gleichem Sinne einen Zwang bedeute, wie beispielsweise der organische Prozess eines Kindes, das nach Milch verlangt.
Noch weiter gesteigert formuliert er, dass man Beweggründe, die man mit Bewusstsein durchdrungen hat, auf sich wirken lassen kann. In dieser Formulierung liegt für mich die Vorstellung, dass ich bewusst und aktiv Motivbildung betreiben kann. Die gebildeten Motive können danach so etwas wie ein Eigenleben bekommen, eine Subjektwerdung durchmachen…

…Sie wirken (aktiv) auf mich zurück. Man denke hier z.B. auch an nächtliche Seelen- und Verarbeitungsprozesse.
Die Freiheitsfrage muss nach Steiner neu gestellt werden. Eine isolierte Bearbeitung der Freiheitsfrage ohne die Möglichkeit, die Erkenntnis von Motiven mit einzubeziehen, sei einseitig. Man hat die Frage bislang sozusagen nur halb gestellt und daher auch noch nie eine voll befriedigende Antwort erarbeitet.
Man habe den Menschen, der aus Erkennen und Handeln bestehe immer nur als allein Handelnden vorausgesetzt und damit in zwei Teile gerissen, was eigentlich eins sei, nämlich der aus Erkenntnis Handelnde.
Unbeantwortet bleibt bis hier jedoch immer noch wie tief greifend der besagte Unterschied nun eigentlich ist und woran man dies festmachen kann. Ist es nicht nur ein gradueller, ein quantitativer Unterschied, ob ich meine Motive erkenne oder nicht? Glaubt nicht auch Spinozas Stein/Mensch durchaus erkenntnisfähig zu sein – und ist aber trotzdem nur von außen angestoßen?
Steiner wendet sich im 12. Abschnitt noch einem zeitgenössischen Denker zu:
Robert Hamerling habe sich mit der Redewendung „Freisein heißt nicht wollen können, was man will, sondern tun können, was man will“ auseinandergesetzt. Er (Hamerling) gesteht eine Wahlfreiheit zu und entlarvt dann die Aussage: „Der Mensch kann nicht wollen, was er will“, als absurd: Was hinter einem Wollen stehe, könne ja nie ein weiteres Wollen sein, sondern immer nur ein Motiv. Ein Wollen ohne Motiv sei ein leeres Vermögen und damit nichts, was in eine Tat münden könnte. Eine Tat käme nur zustande, wenn sich ein Motiv als stärkstes durchsetzt. Soweit Hamerling.
Hier fragt Steiner nun, ob es „nur solche Motive gibt, die mit zwingender Notwendigkeit wirken“ (S. 23) Wenn man etwas wollen muss, kann man nicht von Freiheit sprechen.
Also:
„Nicht darauf kommt es an, ob ich einen gefassten Entschluss zur Ausführung bringen kann, sondern wie der Entschluss in mir entsteht.“ (S. 23)
Diesen Satz – der gleichzeitig ein ganzer Absatz ist! – empfanden wir in der Runde als Aufforderung zur Selbstbeobachtung.
Eine Frage, die sich mir aufdrängte, war die nach den Begriffen: Zwang, Herrschaft, Notwendigkeit des Handelns. Gibt es überhaupt absolute Zwänge? Kann nicht sogar beispielsweise der Verzicht auf Nahrungsaufnahme, der zum Tod führt, eine freie Handlung sein? Sind wir vielleicht ununterbrochen damit beschäftigt Unfreiheit aufzubauen, zu konstruieren? (Ich bin grad noch etwas inspiriert von Eckart Tolles Buch: „Jetzt“ – vielleicht daher diese Fragen.)
Und noch einmal:
In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
Ich möchte hier regelmäßig einige Gedanken dazu wiedergeben. Meine Beiträge sollen jedoch KEIN strukturiertes Protokoll sein. Ich möchte hier Gedanken äußern, die in der Runde ausgesprochen oder auch NICHT ausgesprochen wurden. Es handelt sich also um eine subjektiv-protokollähnliche Gedankensammlung ohne jeden Vollständigkeitsanspruch. Man möge also, die Sätze, in denen ich Rudolf Steiner referiere (und natürlich alle anderen), gern kommentieren und korrigieren!

3 Antworten zu “Philosophie der Freiheit 3”



  1. Rainer H sagte

    Liebe Ruth,

    hier ein paar Anmerkungen zu dem Text. “Gibt es überhaupt absolute Zwänge?” Ein dehnbarer Begriff, wie überhaupt fast die gesamte Begrifflichkeit zu dieser Thematik. Ich würde nicht von “absoluten Zwängen” sprechen, eher von einer Zwanghaftigkeit des Denkens; ein Zwang, denken zu müssen. Das ist bei fast allen Menschen, mehr oder weniger, der Fall; eine Erkrankung liegt vor, wenn nicht nur die Form der Gedanken (das sich unaufhörliche wiederholen des Gedankenstromes) sondern auch die Inhalte der Gedanken nicht mehr vom Denkenden kontrolliert werden können.
    “Kann nicht sogar beispielsweise der Verzicht auf Nahrungsaufnahme, der zum Tod führt, eine freie Handlung sein”? Wie kommst Du auf dieses extreme Beispiel? Ich muß da eher an den Hungerstreik der RAF Leute denken; das Urbild einer freien Handlung ist das sicher nicht.
    Grüße


    • Ruth Jäger sagte

      Mit dem Beispiel meinte ich keine RAF-Leute und auch keine Suizidbereitschaft, sondern eher einen Verzicht im Sinne eines Opfers. (Jemand verzichtet auf den letzten Tropfen Wasser für ein Kind, oder ähnliches – so im Sinne von Frankls “Trotzdem ja zum Leben sagen”)

      Ich habe ein so extremes Beispiel gewählt, weil da eben unter Umständen trotz des Extems eine Handlungsfreiheit möglich bleibt. Unsere Gebundenheit an die Physis wird doch immer als “zwingendster Zwang” ins Feld geführt. Bei weniger radikalen Beispielen ist eine Entscheidungsfreiheit ja evident.
      Der Gedanke anders formuliert könnte lauten: Ein Mensch, der sich schon sehr viel Freiheitsraum erobert hat ist doch wohl weniger Zwängen ausgesetzt als ein anderer. Dies deutet darauf hin, das die Zwänge, die uns täglich bestimmen und die wir als absolut beherrschend empfinden, im Prinzip überhaupt nicht so absolut sind – sondern das wir deren Absolutheit sozusagen produzieren. Wir sind für unsere Zwänge selbst verantwortlich?!




  2. Rainer H sagte

    Ja, das obige Beispiel mit Victor Frankl klingt schon etwas anders.

    “Wir sind für unsere Zwänge selbst verantwortlich?!” Da stimme ich Dir ebenfalls zu: Das gilt zweifellos für den größten Teil der Bevölkerung. Neulich fand ich im “SPIEGEL” eine schöne Aussage über die heutige, junge Generation: Man verzweifelt nicht mehr, aber man zweifelt.
    Wir leben in solch einer für uns selbstverständlichen Freiheit, in solch einem materiellen und kulturellem Reichtum, dass wir es uns “leisten können” gewisse Zwänge und Neurosen ausbilden zu können. Man kann sich an sie gewöhnen und sie halten wie Haustiere.

Philosophie der Freiheit 2

Den ersten Teil seines Buches betitelt Steiner mit WISSENSCHAFT DER FREIHEIT. Und sein erstes Kapitel lautet „Das bewusste menschliche Handeln“.
Eingangs betont Steiner, wie sehr sich bezüglich der Freiheitsfrage die Geister scheiden. Für viele seiner Zeitgenossen ist die Freiheit das höchste Gut, für andere die größte Wahnidee. Trotzdem stellt Steiner dann fest, dass es wohl Konsens sei, dass die Freiheit nicht in einer reinen Wahlfreiheit bestehen könne. Denn, so behaupte man, es sei „immer ein ganz bestimmter Grund vorhanden, warum man von mehreren möglichen Handlungen gerade eine bestimmte zur Ausführung bringt.“ (S. 16) Und etwas, das einen Grund, eine Ursache hat, sei eben nicht frei…

…Obwohl man daher den Freiheitsbegriff nicht auf die Wahlfreiheit reduzieren könne, werde merkwürdigerweise von den Freiheitsgegnern immer nur die Wahlfreiheit angegriffen.
Im Prinzip sei der Kerngedanke schon von Spinoza 1674 formuliert worden. Alle anderen Freiheitsgegner würden Spinoza nur variieren: „Ich nenne nämlich die Sache frei, die aus der bloßen Notwendigkeit ihrer Natur besteht und handelt, und gezwungen nenne ich die, welche von etwas anderem zum Dasein und Wirken in genauer und fester Weise bestimmt wird.“ (S. 17) Daher ist – folgt man Spinoza – nur Gott frei. Alles andere, Dinge wie Menschen, seien von äußeren Ursachen bestimmt. Der Mensch unterscheide sich vom Stein nur dadurch, dass er ein Bewusstsein habe, das ihn zu dem Vorurteil befähigt, zu glauben, er hätte dies und das selbst beschlossen. Der Mensch durchschaue eben, die Verursachungen seines Handelns nicht.
Steiner entdeckt in diesem Gedanken einen Irrtum: „Spinoza und alle, die denken wie er, übersehen, dass der Mensch nicht nur ein Bewusstsein von seiner Handlung hat, sondern es auch von den Ursachen haben kann, von denen er geleitet wird… Ein tiefgreifender Unterschied ist es doch, ob ich weiß, warum ich etwas tue, oder ob das nicht der Fall ist.“ (S. 19). Die Frage sei also, ob der Beweggrund meines Handelns, den ich durchschaue, eine andere Qualität habe, als ein undurchschauter und nicht in gleichem Sinne einen Zwang ausübe.

In der Runde am Dienstag wurde die Frage bewegt, ob Spinoza aus seiner Logik heraus, den Menschen, der ein Bewusstsein seiner Gründe besitzt, nicht trotzdem als von außen bestimmt ansehen müsse. Der Stein, der sich bewegt, weil er von außen angestoßen wurde, kann soviel Bewusstsein entwickeln wie er will, über sein Handeln sowie auch über die Beweggründe des Handelns. Die Bewusstseins-Fähigkeit des Menschen ist doch für Spinoza eher eine Vorurteils-Fähigkeit. Der wirkliche Anstoß bleibt daher doch immer außerhalb des Menschen.
Eine weitere Frage, die sich für mich anschließt: Ist es wirklich möglich die Beweggründe des eigenen Handelns VOLLSTÄNDIG bewusst zu machen? Bleibt nicht immer ein Rest Unbewußtheit?
Auffällig ist bis hierhin, dass Steiner seine Ausführungen mit der Freiheitsfrage beginnt, denn er hatte ja in seiner Vorrede die erste Wurzelfrage nach der „Stützfähigkeit“ der menschlichen Erkenntnis zur Voraussetzung für alle anderen erklärt. Daher sollte man meinen, systematisch hätte die Bearbeitung der ersten Frage der Erkenntnisfähigkeit Vorrang vor der Freiheitsfrage. Vielleicht wird sich im Folgenden klären, warum er so vorgeht.
Und noch einmal:
In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
Ich möchte hier regelmäßig einige Gedanken dazu wiedergeben. Meine Beiträge sollen jedoch KEIN strukturiertes Protokoll sein. Ich möchte hier Gedanken äußern, die in der Runde ausgesprochen oder auch NICHT ausgesprochen wurden. Es handelt sich also um eine subjektiv-protokollähnliche Gedankensammlung ohne jeden Vollständigkeitsanspruch. Man möge also, die Sätze, in denen ich Rudolf Steiner referiere (und natürlich alle anderen), gern kommentieren und korrigieren!

3 Antworten zu “Philosophie der Freiheit 2” aus dem alten Blog



  1. Rainer H sagte


    “Ist es wirklich möglich die Beweggründe des eigenen Handelns VOLLSTÄNDIG bewusst zu machen…?”
    Liebe Ruth, gute Frage. Die meisten Menschen würden hier wohl eher Nein sagen; wenn man einen spirituellen Schulungsweg geht, anthroposophisch oder eine andere Richtung, hat man natürlich einen gewissen Anspruch an sich selbst die eigene Bewusstheit zu steigern, bzw. diese in die unbewussten Bereiche hineinzutragen.
    Ich halte es allerdings für entscheidend, dass man auch lernt, seiner Unbewusstheit, seinen Instinkten mehr und mehr zu trauen (Wir sprachen neulich darüber, sich auch als Leib, als Körper zu erleben und sich mit diesem so zu verbinden, dass dieser nicht nur als “Anhängsel des Kopfes” gesehen wird, usw.) Wenn dieses der Fall ist, kann es zu einem harmonischen Zusammenwirken zwischen Bewusstheit und Unbewusstheit, zwischen Denken und Instinkt kommen – die “Beweggründe des Handelns” müssen dann auch vielleicht nicht mehr 100% durchschaut werden.
    Ein ewig-leuchtendes Vorbild in dieser Hinsicht ist natürlich Goethe, der ein durch und durch sinnlicher und genußfreudiger Mensch war und der eine solch seltene und einmalige Harmonie zwischen Geist und Natur verkörpert und gelebt hat, dass die ganz großen Denker seiner Zeit, Fichte, Hegel, Schelling, seine Nähe und Freundschaft gesucht haben. Fichte hat diesen Aspekt erkannt und es auf den Punkt gebracht: “An Sie wendet mit Recht sich die Philosophie: Ihr Gefühl ist deselben Probierstein.” Schön, dass einer wie Goethe am Anfang der Anthroposophie steht und solchen breiten Raum einnimmt.
    Grüße



  2. Ruth Jäger sagte

    Lieber Rainer,
    interessant, dass Du beim Thema Unbewußtheit gleich an Instinkte, also an Leibliches denkst. Meine Frage bezieht sich erstmal eher auf Seelisches. Wieviel Verdrängtes, Undurchschautes tragen wir seelisch auf der Gefühlsebene mit uns herum, das unser Handeln mitbeeiflusst? Ich denke Sympathie und Antipathie sind da nur die Spitze des Eisbergs. Und wieviele sogenannte “Gaubenssätze” auf der Denkebene, die uns unbewußt steuern und von deren Existenz wir nur ganz nebulös wissen?
    Und dann kommt natürlich noch das Leibliche.
    Den Instinkten trauen? Interessantes Thema!
    Grüße



  3. Rainer H sagte

    Liebe Ruth,
    Instinkte sind nur eine leibliche Form des Unbewussten, wobei solche Aussagen natürlich immer äußerst ergänzungsbedürftig sind, denn die Instinkte sind ebenso zur unendlichen kosmischen Weisheit des Körpers zugehörig. Meistens denke ich beim Thema “Unbewusstes” auch eher an das “Verdrängte, Undurchschaute,… Sympathie und Antipathie” (das ist ja auch seit Freud eine fundamentale und nicht mehr wegzudenkende Prämisse unserer Kultur) – interessant ist m.E. vor allem das Zusammenwirken, bzw. das Spannungsverhältnis des leiblichen und seelischen Unbewussten: Das kann etwas sehr gesundes haben, wie bei Goethe (oder z.B. auch bei Sportlern, oder Menschen, die viel in der Natur leben) oder natürlich auch etwas krankhaftes (deswegen gibt es zu Recht in der Medizin den Begriff psychosomatisch). Ein endloses Thema. Grüße

Zukunft der Anthroposophie

Unter dem Titel „Weitergehen! Anthroposophie im 21. Jahrhundert“ fand im Rudolf Steiner Haus Hamburg ein „Tag für Menschen und Anthroposophie“ statt. Veranstalter war das Arbeitszentrum Nord. Impulsreferate kamen von Matthias Bölts, Steffen Hartmann, Wolf-Ulrich Klünker, Roland Wiese und Seija Zimmermann .
Hier eine subjektive Auswahl einiger Gedanken des gestrigen Tages:
Anthroposophie wurde früher – und wird auch heute noch – als ein Lehrgebäude verstanden, aus dem man fertige Inhalte schöpft. Dies ist eine Art Vergangenheitsblick. Heute stehen wir an einer Schwelle, an der es immer wichtiger wird, den Abbildcharakter des eigenen Denkens und Verständnisses überzuführen in einen Seinsbereich, in einen Bereich der Kraft. Es gibt durchaus eine Berechtigung deskriptiver Begriffe, aber sie wollen aus der Erstarrung ins Leben hinein erlöst werden.
Die Anthroposophie entwickelt sich heute immer mehr von einer explizierten in eine implizite. Dies kann heißen: Dort wo vermeintlich anthroposophisch gesprochen wird ist die Anthroposophie unter Umständen gar nicht wirklich vorhanden. Und dort wo Anthroposophie nicht auf der Fahne steht, ist sie unter Umständen lebendig.
Eine Problematik, die daraus entsteht ist die Frage: Woran erkenne ich sie denn? Wie ist sie indentifizierbar, wenn ich sie nicht definiere und inhaltlich festklopfe. Gibt es ein spezifisches Sensorium, das ich entwickeln und pflegen muss, um sie auffinden zu können? Diese zu entwickelnde und zu pflegende Unterströmung des Alltagsbewusstseins hat dann aber einen Charakter, der nicht bloß beschreibt, sondern der selbst konstituierend ist. Es geht um eine Zeugenschaft, die nicht nur Zeugnis von Aufgefundenem ablegt, sondern selbst zeugt, die der Substanz zur Erscheinung verhilft.
Man schöpft dann in der Gegenwärtigkeit aus der Zukunft. Und indem man dies tut, kann auch die Vergangenheit neu verständlich werden.
Es gibt eine Offenheit, wenn der Mensch auf den Menschen trifft. Man kann mit Geistesgegenwart in solch eine Situation gehen, und die Ergebnisse nicht antizipieren. Insofern ist jede authentische Menschenbegegnung eine Schwellensituation, man weiß nicht, was dahinter liegt, was nachher kommt und muss sich eben auf ein Risiko einlassen.
Die Menschheitsentwicklung vollzog sich in der Vergangenheit „zum Menschen hin“ und muss jetzt übergehen in eine Entwicklung „vom Menschen her“. So ist auch die Frage nach der Zukunft der Anthroposophie eine Frage danach, was vom Menschen, vom Ich kommt. Die Anthroposophie wird das, was ich in ihr sehe.
Als Frage stand im Raum: Wird der Geist heute noch irgendwo außerhalb der Anthroposophie als ursächliche Kraft angesehen? Gibt es andere Strömungen, die Geistiges als initiierend und schöpferisch erkennen?
Abschließend möchte ich noch kurz erwähnen, dass dieser Tag von den Veranstaltern – wie mehrfach erwähnt wurde – nicht vorbereitet war. Es gab keine oder kaum Absprachen im Vorfeld oder eine feste Tagesordnung. Dies bestimmte natürlich stark den offenen Charakter dieser gemeinsamen Stunden.
Weiter so – mehr davon !

19 Antworten zu “Zukunft der Anthroposophie” aus dem alten Blog






  1. Rainer H sagte

    Danke Ruth, für diese gelungene Zusammenfassung. Eine solche Offenheit hätte ich Klüncker nicht zugetraut, ich habe ihn öfter im Steiner-Haus und Dornach als jemanden erlebt, der doch sehr an der gängigen anthroposophischen Terminologie festhielt. Um so erfreulicher die “Wandlung” von der Du berichtest. Man darf gespannt sein, ob sich diese Ideen in der HH-Anthroszene in irgendeiner (möglichst konkreten) Form fortsetzen werden.liebe Grüße








    • Ruth Jäger sagte

      Moin Rainer,

      eigentlich wollte ich nicht nur Klünker referieren, sondern alle möglichen Gedanken des Tages, die mir noch in Erinnerung waren und die ich bemerkenswert fand rausgreifen. Zugegenbenermaßen find ich Klünkers Formulierungen oft sehr inspirierend, daher ist vieles von ihm dabei.
      Ich find nicht, das bei ihm da eine “Wandlung” stattgefunden hat. Er hat schon immer völlig unabhängig und frei gedacht! Grade er klebt nicht an der “Anthro-Terminologie” – um so erfreulicher, dass so jemand in der Gesellschaft eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt.
      Liebe Grüße








      • Rolf Speckner sagte

        Liebe Ruth,

        dein Bericht gibt persönliche Eindrücke wieder. Das ist gut so, setzt ihm aber auch Grenzen. – Ob sich dieser oder jener Verantwortliche geändert hat, etc.. dazu kann ich nichts sagen. – In Deinem Bericht sind aber Gedanken die in Frageform geäußert wurden, in die Form einer konstatierten Tatsache verwandelt worden. Das wird dem Erkenntnisstand der Autoren nicht gerecht. Sie formulieren zwar oft konstatierend, z.B. in “Ich brauche die Anthroposophie, aber die Anthroposophie braucht auch mich.” Damit ist im Grunde gar kein Gedanke gemeint, sondern eine Willensrichtung versucht sich zu formulieren. Nimmt man solche Sätze als Erkenntnisversuche läuft man an den Verfassern vorbei.
        Was heißt denn: “Die Anthroposophie braucht mich!”? In welchem Sinne hat die Anthroposophie Bedürfnisse? Wer hat da die Bedürfnisse? Wovon reden wir? Der Begriffsgehalt dieser Aussagen ist furchtbar dünn. Aber der Willensgehalt ist wahrnehmbar – und um den ging es gestern.
        Ums “weitergehen” ging es.
        Man sagte, die Ideenkomplexe vom Anfang des 20. Jahrhunderts kehrten heute als Willensimpulse oder als gelebt werden wollendes, als Drang zurück. Meine Nachfrage, ob man eine solche Kategorie der menschlichen Individualentwicklung auf die Gruppe anwenden kann, quittierte Herr Klüncker mit der Bemerkung: “Da müßte man die Gesetze der Zweigentwicklung untersuchen…”. Das geschah aber nicht. – Es war auch nicht nötig, weil auch dieser Gedanke nur ein Versuch war, das was man in sich erlebte zu verstehen.
        Dein Rolf

















  2. Ruth Jäger sagte

    Lieber Rolf,

    Du schreibst: “In Deinem Bericht sind aber Gedanken die in Frageform geäußert wurden, in die Form einer konstatierten Tatsache verwandelt worden. Das wird dem Erkenntnisstand der Autoren nicht gerecht.”
    Sag doch mal konkret, wo hab ich aus Fragen Tatsachen gemacht? Das war nicht meine Absicht! Wenn mir das passiert wäre fänd ichs peinlich!
    Liebe Grüße








  3. Ruth Jäger sagte

    PS: Mit meiner Äüßerung über die “Wandlung” wollte ich natürlich nichts Grundsätzliches über den persönlichen Entwicklungsstand von Herrn Klünker sagen. Das wäre vermessen. Ich hab nur sagen wollen, dass ich noch nie den Eindruck hatte, dass er an “gängiger anthroposophischer Terminologie festhält”, wie weiter oben geäußert.







  4. Rainer H sagte

    Liebe Ruth, Deine Aussage ist keinesfalls “vermessen”, sondern entspricht meiner Antwort und damit meiner, wie ich zugeben muß, sehr subjektiven Wahrnehmung. Ich erinnerte mich an die Kurse von Klüncker und Stockmar im Steiner-Haus vor einigen Jahren; einige Teilnehmer haben mir damals mitgeteilt, wie sehr in dem Seminar eine gewisse “Aufbruchstimmung” leben würde. Das hat mich nicht überzeugen können, ich habe das nicht “erlebt”, bzw. hatte wohl auch nicht mehr die nötige Offenheit mitgebracht, die man für so ein Seminar braucht (Vielleicht habe ich mich auch einfach nur geärgert, dass die beiden, mehr oder weniger, über Kühlewind “abgelästert” haben, wer weiß, ist irgendwie auch schon lange her…)







  5. Rainer H sagte

    Mir fiel noch etwas ein: Die obige, sehr freilassende “Deutung” oder Standortbestimmung der Anthroposophie in Deinem Bericht könnte, mit etwas anderen Worten, im Grunde auch auf Gronbachs Website stehen.

    P.S. Klüncker und Stockmar haben damals natürlich nicht “abgelästert” über Kühlewind, das war mehr eine besondere Form von Kritik, die mich halt nur ziemlich geärgert hatte.








    • Ruth Jäger sagte

      Ich weiß nicht ganz genau wofür Sebastian Gronbach eigentlich steht.

      Aber z.B. ein Fazit (von sehr vielen) des gestrigen Tages war auch, dass ein konsequentes und kontinuierliches Studium der Anthroposophie absolut unabdingbar ist, um ihr auch zukünftig gerecht zu werden. (Ist ja auch klar, wie soll Anthroposphie Mensch werden, wenn sie nicht von Menschen aufgenommen wird.) Ein zweites ist die Schwellensituation, die ja immer auch bedeutet durch – gelinde gesagt – unangenehme Situationen zu gehen (Stichwort: Todespunkt, Abgrund, Krise).
      Auch das Bestreben die Begriffe wiederbeleben zu wollen, setzt voraus, dass man ihr Totsein erlebt. Keine Ahnung, ob man das so bei Gronbach findet?!











  6. Rainer H sagte

    “dass ein konsequentes und kontinuierliches Studium der Anthroposophie absolut unabdingbar ist…” Also doch wieder viele, viele Steiner Bücher lesen und sich darüber in Zweigabenden austauschen oder wie ist das gemeint?? Und wie ist es mit anderen “Strömungen”, modernen spirituellen Autoren der Gegenwart; Tolle, Wilber, Krishnamurti: Kann es mit Vertretern aus dieser Richtung einen wirklichen Dialog geben, wo man vielleicht auch von dem Anderen lernen will, anstatt die eigene anthroposophische Anschauung schon im Vorfeld als überlegenere Weltanschauung hinzustellen?
    Ich kann mit dem meisten, was Gronbach sagt, auch nichts anfangen und erlebe ihn als allzu exaltiert, aber er steht sicherlich für eine neue, moderne, in gewisser Weise unorthodoxe Form der Anthroposophie. Insofern dachte ich, dass der obige Text auf einen wie ihn zutreffen könnte.








    • Ruth Jäger sagte

      Es ist doch völlig jedem selbst überlassen, ob er viele oder wenig Bücher liest, ob er sich in Zweigabenden oder woanders oder gar nicht darüber austauscht. Wichtig ist nur, dass die Anthroposophie irgendwie an und in die Menschen kommt! Nochmal: Wie soll Anthroposophie Mensch werden, wenn die Menschen sie nicht aufnehmen? Das Studium kann auch über einen kommunikativen Austausch geschehen, wenn einem das Lesen nicht behagt. (Mir kommt grad in den Sinn: Er ist in der Welt, aber sie haben ihn nicht aufgenommen! Frei nach dem Johannes-Evangelium)

      Die Frage nach Tolle, Wilber, Krishnamurti hättest Du gestern stellen können, wenn Du da gewesen wärst. Ich kann dazu jetzt nur sagen, was ich denke, das ist jetzt also kein Bericht mehr von der Tagung. Obwohl eigentlich doch: Die konkrete Menschenbegegnung ist es doch, die bei dieser Frage eine Rolle spielt (und die kam wie oben beschrieben auf der Tagung zur Sprache). Es ging eben gestern gerade nicht darum jemandem eine “überlegene Weltanschauung” überzustülpen, sondern in echter Begegnung geistesgegenwärtig zu lernen und auch zu geben. Gerade das ist ja gemeint, mit der Überwindung altertümelnder lehrerhafter Anthroposophie, die rückwärtsgewand ist und nur aus Erinnerungen schöpft, statt aus lebendiger Authentizität. Und meines Erachtens liegt darin erst die eigentliche Anthroposophie. Man kann eben nur aus dem Inneren schöpfen, wenn man das Innere qualifiziert hat. (Ich weiß schon, jetzt kommst Du mit Tolle!)
      Dass es schwer ist die Anthroposophie zu identifizieren heißt aber nicht, dass sie nicht identifizierbar wäre, als etwas, das sich durchaus abgrenzt von anderen Strömungen. Ich würde mich wehren wollen gegen einen Begriff von Anthroposophie, der sie fasst als eine wabernde, weiche, sich an alles anpassende Wolke.
      Ob der obige Text auf Gronbach zutreffen könnte mußt Du ihn selber fragen.











  7. Rainer H sagte

    “In echter Begegnung geistesgegenwärtig zu lernen und auch zu geben…”, ja, da stimme ich Dir zu, darauf kommt es letztendlich an, bei der Anthroposophie oder auch bei einer anderen spirituellen Strömung.
    Aber der andere Punkt, das “konsequente Studium”, nun, das wäre schön, wenn das so freilassend behandelt werden würde, wie von Dir beschrieben. Ich habe da aber meine sehr persönlichen, eher negativen Erfahrungen gemacht, mit unserem gemeinsamen Bekannten HP und auch mit anderen Anthroposophen immer mal wieder die letzten 23 Jahre und leider lief das immer meistens auf eines hinaus: Das belehrende, das zitierende, die fehlende Erfahrung, das bekannte anthroposophische Wort, die Gewusstseinsseele statt Bewusstseinsseele, immer der Hinweis auf das “Studium” – für mich der Grund, mich von diesen Dingen radikal zu verabschieden.
    Vielleicht suche ich weiter die Anthroposophie, vielleicht will sie in einer anderen Form in mir Mensch werden, aber, sorry, wenn die Anthroposophie in mir Form nimmt, dann außerhalb eines anthroposophischen Buches.








    • Ruth Jäger sagte

      Ich finde es falsch die Probleme, die man mit einzelnen Anthroposophen hat, auf die Anthroposophie abzuwälzen. Sie kann doch nichts dafür.

      Dass die Anthroposophie außerhalb eines Buches in Dir Form nimmt finde ich auch sehr wünschenswert : )
      Liebe Grüße und gute Nacht











  8. Rainer H sagte

    Da magst Du recht haben, “Sie kann doch nichts dafür”, aber bei einer gewissen Dauer und Intensität von sich wiederholenden negativen Erfahrungen und Enttäuschungen mit einzelnen Menschen kann es halt zu solch einer Wahrnehmung, solch einem Urteil kommen. Dass dieses Urteil nicht unbedingt “objektiv” ist, ist mir bewusst. Ebenso liebe Grüße und gute Nacht!







  9. Ruth Jäger sagte

    Guten Morgen Rainer, dies dachte ich noch heut Nacht:

    Du sagst “Anthroposophie in moderner Form”
    Hauptsache bei der ganzen Modernisierung bleibt die Substanz erhalten! Die Anthroposophie ist das Modernste was es gibt. Man stelle sich vor einen “modernisierten Geist” oder einen “modernisierten Christus” – was soll das sein ?
    Grüße








  10. Rainer H sagte

    Hallo Ruth, meine Aussage wollte ich nicht an dem einen austauschbaren Wort “modern” festmachen, das war eher ein Hinweis auf das Tagungsthema “Anthroposophie im 21 Jahrhundert”, also eine Anthroposophie, welche die gegenwärtige kulturelle, spirituelle und politisch veränderte Zeitlage berücksichtigt. Das kann dann natürlich so weit gehen, dass man sich intensiv mit neueren spirituellen Strömungen verbindet, wie Gronbach und die Info 3 Leute es mit Ken Wilber und Andrew Cohen tun, oder wie ich es mit Tolle und Zen versuche.

    “Modernisierter Christus” klingt natürlich etwas dumm, ich meine eher “Christus in der Gegenwart” (möglicherweise ohne christlich-kirchlichem und anthroposophisch festgelegtem Begriffssystemen).
    Ein ausuferndes Thema, vielleicht lieber mehr bei einem Treffen demnächst, liebe Grüße








  11. Roland Wiese sagte

    Die Anthroposophie hat das Bedürfnis ‘bestimmter’ zu werden. Wie kann ich dieses Bedürfnis bemerken? Dazu müsste ich tatsächlich mit ihr umgehen, und in dieser Beziehung Entwicklungsmöglichkeiten der Anthroposophie erleben können. Dies ist in jedem Fall eine individuelle menschliche Beziehung; aber es ist eben eine Beziehung zur Anthroposophie. Die Anthroposophie wird mich nicht zu einer solchen Entwicklung zwingen, aber ich kann ein solches Entwicklungsbedürfnis erleben. Es in mir zu erleben bedeutet nicht, dass es nur in mir ist. Dass die meisten Menschen nur in eine Richtung denken und erleben, was die Anthroposphie für ihre Entwicklung bedeutet, bedeutet ja nicht, dass man auch in die andere Richtung denken und erleben kann. Man müsste für sich folgenden Unterschied erleben können: Die Aussage: Ich und der Vater sind eins, ist nicht das Gleiche wie: Ich bin der Vater. An dieser Schwelle zeigt sich wer Inhalt und Ich zu sehr voneinander trennt, oder zuwenig gegeneinander differenziert. “Dünn” ist es wirklich, aber nicht begrifflich, sondern die Zusammenhänge wollen willensmäßig gehalten und empfunden werden – ob sie sich gegenseitig tragen und beleuchten…Roland Wiese







  12. Rolf Speckner sagte

    Lieber Herr Wiese,

    ich habe das Wort von Ita Wegmann etwas anders in Erinnerung: “Ich bin für fortschreiten!”.
    Ich bin auch für Fortschreiten, trotzdem gehe ich jetzt erst mal weiter. Sie schreiben: “Die Anthroposophie hat das Bedürfnis ‘bestimmter’ zu werden. Wie kann ich dieses Bedürfnis bemerken? Dazu müsste ich tatsächlich mit ihr umgehen, und in dieser Beziehung Entwicklungsmöglichkeiten der Anthroposophie erleben können.” Warum sprechen Sie im Konjunktiv? Dazu müßte ich tatsächlich mit ihr umgehen…? Tun Sie das nicht? Ich bin sicher, Sie tun es. Warum dann der Konjunktiv? Tun’s die andern nicht? Sie legen diesen Gedanken nahe …
    Es ist bei der Allgemeinheit ihrer Aussagen, die ich als Mangel an Konkretheit, an Realitätsgesättigtheit erlebe, ganz unklar, wer gemeint ist. Das meine ich auch mit dem Wort “dünn”. Damit meine ich nicht etwa falsch.
    Und was heißt “umgehen”? Heißt das Lesen? Oder Denken? Meditieren? Wesensbegegnung? Ich will das nicht weiter verfolgen, sonst wird es bloß als “Kritisieren” aufgefasst. -
    Mit Ihren Schlußworten beschreiben Sie in etwa das, was ich so charakterisiert habe, indem ich sagte: Es geht nicht um einen Gedanken, sondern um einem Willensimpuls. Sie schreiben: “… sondern die Zusammenhänge wollen willensmäßig gehalten und empfunden werden – ob sie sich gegenseitig tragen und beleuchten.”
    Ich klopfe an Ihre Formulierung: Wer will willensmäßg gehalten werden? Die Inhalte? Wirklich die Zusammenhänge? Sie wollen gehalten werden – und empfunden, ob sie sich gegenseitig halten.
    Das meinte ich mit dünn.
    Ihr Rolf Speckner








    • Roland Wiese sagte

      Lieber Herr Speckner,

      Was ist der Inhalt einer freien Imagination im Verhältnis zu ihrem Zusammenhang? Und was ist ihr Realitätsgehalt? Sie ist tatsächlich ungesättigt, hungrig nach Wirklichkeit – das wäre ihr Drang nach der Seinsseite hin; sie ist aber auch flüchtig dünn – ihre Tendenz zum Lichtartigen des Scheins. Sie vermittelt insofern tatsächlich erst einmal das Gefühl des Schwebens. Die Konkretheit des Einzelbegriffes (und damit seine Konfiguriertheit) kann sich im besten Fall mit der Lichtseite verbinden, wenn die freie Gedankenbildung zusammenhält (und nicht auseinanderfällt). Interessant ist das für unsere Fragen deshalb, weil dadurch deutlich wird, dass die Sprache der Gegenwart (je nach Sprecher) offener für Imaginationen ist, als die Sprache noch zu Steiners Zeiten.
      Zur historischen Frage nach Ita Wegman. Wolf-Ulrich Klünker hat mich auch gefragt, ob ich mich in meinem Titel auf ihre (von Selg ja verbreitete)Aussage bezogen habe. Ehrlich gesagt: nein. Und ehrlich gesagt, selbst wenn da unbewusste Kräfte am Werk gewesen sein mögen, bin ich froh, dass ich das nicht bewusst rückwärts aufgeladen habe (es ja auch nicht erwähnt habe). Und ich bin froh, dass unbewusst Kontinuität besteht, die nachträglich bewusst wird.Mir kommt das unschuldiger vor.
      Ihr Roland Wiese








      • Rolf Speckner sagte

        Lieber Herr Wiese,

        mir wird zwar mit jeder Äußerung deutlicher, was Sie wohl meinen mögen, aber mir wird aus ihren Worten nicht deutlich, “dass die Sprache der Gegenwart (je nach Sprecher) offener für Imaginationen ist, als die Sprache noch zu Steiners Zeiten.” Wenn ich Sie recht verstehe, wollen Sie sagen, es sei heute leichter als zu Steiners Lebzeiten eine Imagination (oder das was in ihr sich bildet) ins Wort zu bringen? Wie kann man das gewahr werden?
        Ich erlebe die deutsche Umgangssprache als hochgradig verdichtet und verhärtet. Feine Differenzierungen, das Hindurchlauschen auf das Ungesagte haben viele Menschen im wissenschaftlichen Raum verlernt. Und sie sprechen dem entsprechend.
        Der Blick nach Innen läßt mich zunächst ganz in meinem Tun und in dem was sich dem zuwendet. Ich kann gewahr werden wie mühsam es ist, den Raum frei und lebendig zu halten, in dem ein Bild wachsen kann. Das gelingt mir nicht oft. Wenn ein Bild da ist, weiß ich noch lange nicht, was es sagen will.
        Das mag bei Ihnen anders sein. Da spielet der Zeitpunkt der Inkarnation und natürlich auch die individuell persönliche Entwicklung eine große Rolle. Wenn Sie mir versichern würden, daß es Ihnen leicht fällt, Bilder zu bekommen und zu verstehen, bin ich durchaus bereit, Ihnen das zuzugestehen. Warum denn nicht?
        Wie aber vergleichen Sie die Art der Offenheit der Sprache einst und jetzt? Wie der Übergang von der lebendigen Bildlichkeit zu den Worten bzw. Gedankeninhalten zu bewerkstelligen ist, das kann man bei sich einigermaßen beobachten. Wie soll man das aber bei den Worten Steiners – denn er ist es doch wohl, an den Sie denken?
        Ob es die mächtigen Bilder der Hochschule sind, ob es die Bilder der Leitsätze sind, ob es die Bilder des Grundsteinspruches sind: Rudolf Steiners Sprache ist weist auf Imaginationen hin. Gewiß kann man soetwas wie den Sprachfluß gewahr werden. Und der ist bei Rudolf Steiner im Laufe seines Lebens immer leichter geworden.
        Ich würde daraus niemals eine derart allgemeine Aussage treffen mögen wie: “dass die Sprache der Gegenwart (je nach Sprecher) offener für Imaginationen ist, als die Sprache noch zu Steiners Zeiten.”
        Mein Eindruck ist, daß Sie solche Sätze deshalb glauben prägen zu dürfen, weil Sie sie als Experimente, zu formulieren ansehen. Wenn Ihr Erlebnis mit Ihren Worten übereinstimmt, dann halten Sie sie für real. Real nicht im Sinne des äußerlich existenten, sondern der Wesensgesättigtheit durch das Angebundensein an innere Erfahrung.
        Ob das viele Menschen so auffassen werden? Ich empfinde manche Ihrer Formulierungen nicht als imaginativ sondern als schwebend – wie Sie es auch charakterisiert haben. Ich lasse offen, wie es zu einem solchen unterschiedlichen Erleben kommen kann.
        Mir wäre aber wichtig, zu wissen, ob ich Sie halbwegs verstanden habe; denn formulierte Ideen, wie “Die Esoterik der Inhalte ist vorbei – die Zukunft gehört einer Esoterik des Ichs!” empfinde ich wie Schlagworte. Der Inhalt ist nicht neu. Es kam nie (nur!) auf den Inhalt an, sondern immer ebenso darauf, daß der Inhalt in einer ichhaften Weise ergriffen und getragen wurde. Bei moralischen Intuitionen, daß der Inhalt selbst geboren wurde. Das zu betonen, ist aller Ehren wert. Mit der Schwebe-Idee “Die Zukunft gehört einer Esoterik des Ichs! Die Esoterik der Inhalte ist passe!” wird gerade die Differenzierung vermieden. Gibt es denn ein Ich ohne Inhalt? Ich hoffe, daß die Zukunft nicht inhaltlosen Ichen gehört? Es gibt keine Form ohne Inhalt und keinen Inhalt ohne Form. (Da meldet sich wohl der alte Aristoteliker in mir?)
        Gewiss, im Augenblick des Imaginierens mache ich mich zu luftigen Sphaere, die selbst nichts will. Aber diese Einschränkung bleibt auf der Strecke. Sie haben – man merkt es – Freude daran, Ihr Selbsterlebnis als geistig-seelisches Wesen in einer geistig-seelischen Umwelt wahrzunehmen und auszusprechen. Das habe ich auch! Aber ich würde solche “Entdeckungen” nicht drucken. Denn im Druck sind sie außerhalb Ihres Einflußbereichs.
        Hier beginnt die Sphaere “von Mund zu Ohr”. Damit meine ich keine Geheimniskrämerei sondern die Tatsache, daß das gesprochene Wort, wenn es verantwortlich geäußert wurde, mit seinem Begriff verbunden ist, das Gedruckte nicht.
        Vielleicht pflegen Sie ein mehr poetisches Verhältnis zur Sprache statt des bisherigen wissenschaftlichen. Gegen einen solchen poetischen Sprachgebrauch ist im menschlichen Umgang nichts einzuwenden.
        Wenn er sich aber zu programmatischen “Schlagworten” verdichtet, entsteht ein sozialer Konfliktstoff. Ich erinnere mich noch gut an die “Kampagne” der “neuen Anthroposophie”. Diese Wort haben sich inzwischen Missionare aller Arten angeeignet und ihre Wirkung ist den Händen derer, die Sie geprägt haben längst entglitten … .
        Ihr Rolf Speckner