Samstag, 18. Juli 2009

Philosophie der Freiheit 1

In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
Ich möchte hier regelmäßig einige Gedanken dazu wiedergeben. Meine Beiträge sollen jedoch KEIN strukturiertes Protokoll sein. Ich möchte hier Gedanken äußern, die in der Runde ausgesprochen oder auch NICHT ausgesprochen wurden. Es handelt sich also um eine subjektiv-protokollähnliche Gedankensammlung ohne jeden Vollständigkeitsanspruch. Man möge also, die Sätze, in denen ich Rudolf Steiner referiere (und natürlich alle anderen), gern kommentieren und korrigieren!
Zur Vorrede
Rudolf Steiner stellt in seiner Vorrede zur Neuausgabe 1918 zwei Fragen, als Zentralfragen seines Buches dar. Die erste ist die nach einer Anschauung vom Menschen, die sich als eine Stütze erweist für alles, was ihm aus der Welt und von innen entgegenkommt. Die zweite Frage ist die Frage nach der Freiheit im Wollen.
Auf den ersten Blick erscheint die Frage nach der Stütze schwieriger zu verstehen, als die nach der Freiheit. Welche Qualität oder Substanz kann solch eine Stütze haben? Es geht um eine Anschauung vom Menschen, also um ein Bild, eine Erkenntnis vom Menschen. Ein „Menschenbild“? „Der Versuch wird gemacht, nachzuweisen, dass es eine Anschauung über die menschliche Wesenheit gibt, welche die übrige Erkenntnis stützen kann“ (S.7) Es geht also um Erkenntnis-Sicherheit.
Steiner nennt diese beiden Fragen „Wurzelfragen“ – ein merkwürdiges Wort, das erstens darauf hinweisen könnte, dass es dabei um Grundlegendes und Ursächliches geht. Man könnte assoziieren, dass…

…eine persönliche Verwurzelung in diesem Frage/Antwort-Komplex möglich und gut sei. Es geht um etwas, das in einem festen Grund wurzelt. Des Weiteren verbindet sich mit dem Begriff „Wurzel“ die Idee von Ernährung und Leben. So wird auch betont, dass das Auftauchen der zweiten Frage, bei einer bestimmten Seelenverfassung „naturgemäß“ sei. Die Frage nach der Freiheit, ist also eine, die einer gesunden und modernen Seele kommen MUSS?
Wie verhalten sich die beiden Fragen zueinander? Die Seelenerlebnisse, die durch die Frage nach der Freiheit entstehen, sind abhängig von meinem „Bild des Menschen“, von meiner „Erkenntnis des Menschen“, bzw. davon, was für ein Verhältnis ich zur „Stütze“ habe, also zur ersten Frage. Vereinfacht gesagt: Meine Freiheitsfähigkeit ist abhängig von meiner Erkenntnisfähigkeit !??
Auf den folgenden Seiten verweist Steiner mehrfach auf ein „Seelengebiet“, ein „Gebiet“ das zur Behandlung der Fragen aufgefunden werden soll. Er nennt es „Erlebnisgebiet“ und auch „Geistgebiet“. „Nicht eine solch fertige, abgeschlossene Antwort wird gegeben, sondern auf ein Erlebnisgebiet der Seele wird verwiesen, auf dem sich durch die innere Seelentätigkeit selbst in jedem Augenblicke, in dem der Mensch dessen bedarf, die Frage erneut beantwortet.“ (S.8)
In diesem Satz sind zahlreiche existentielle Themen angeschnitten: Es geht sozusagen um eine geistige VerORTung, Verräumlichung, des Themas: WO findet der Frage-und-Antwort-Prozess statt – ein Gebiet. Dann geht es um „jeden Augenblick“, also um eine zeitliche Dimension. Die Frage kann sich in jedem Augenblick NEU beantworten. Es gibt also im Grunde nicht die eine Antwort im umgangssprachlichen Sinne, sondern einen „Antwort-Prozess“, der in ständiger Wandlung begriffen ist?! Außerdem ist noch eine menschlich-seelische Bedürftigkeit angesprochen.
Interessant ist, dass hier plötzlich nur noch von einer Frage die Rede ist, obgleich gerade zwei formuliert wurden. Vielleicht ist dies eine Art „Hindeutung“ darauf, dass in einer bestimmten Schicht beide Fragen zu einer einzigen werden?
Man muss feststellen, dass Rudolf Steiner mit seiner Philosophie der Freiheit einen recht weitgehenden Anspruch verbindet: Sie zielt auf Erkenntnissicherheit, die der Mensch „nicht entbehren“ kann, wenn er auch in Fragen der Naturwissenschaft und der geistigen Forschung Sicherheit erlangen möchte (S.9).
Am kommenden Dienstag, den 16.6.: Erstes Kapitel „Das bewusste menschliche Handeln“

2 Antworten zu “Philosophie der Freiheit 1” aus Kommentararchiv:


  1. Liebe Frau Jäger,

    danke für diese Idee, hier einen “Blog” einzurichten.
    Ich werde versuchen mich zu beteiligen.
    Konstantin Eulenburg (bin auch Dienstags dabei)


    • Ruth Jäger sagte


      Schön, freut mich!
      Dann werden wir uns ja heut abend kennenlernen!
      Viele Grüße
      Ruth Jäger


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