Sonntag, 19. Juli 2009

GA komplett online

Neulich beim Surfen entdeckte ich diese Seite:
 http://fvn-rs.net/
Dort sind offenbar alle Schriften und Vorträge Rudolf Steiners öffentlich gemacht. Mir war diese Seite neu, und ich weiß nicht seit wann sie in der Form existiert.
Eingeleitet wird sie mit folgenden Worten: “Die Initiative zur freien Verwaltung des literarischen und künstlerischen Nachlasses des Begründers der Anthroposophie, Rudolf Steiner, lädt Sie ein, die Früchte der Anthroposophie zu genießen.
Es ist der Wunsch entstanden, den gewaltigen Schatz, den der Menschheit von Rudolf Steiner übergeben wurde, auch tatsächlich – über das Weltnetz – zugänglich zu machen.
Da die Bände der Gesamtausgabe mit den Jahren in verschiedenen Ausgaben herausgegeben wurden, halten wir es für nützlich, möglichst alle vollständig zur Verfügung zu haben, um Vergleiche selbst vornehmen zu können.”

Philosophie der Freiheit 3

Im fünften Abschnitt des Kapitels „Das bewusste menschliche Handeln“ betont Steiner erstmals, dass es ein tief greifender Unterschied sei, ob ich weiß warum ich etwas tue oder nicht. Er fragt, ob ein erkannter Beweggrund denn in gleichem Sinne einen Zwang bedeute, wie beispielsweise der organische Prozess eines Kindes, das nach Milch verlangt.
Noch weiter gesteigert formuliert er, dass man Beweggründe, die man mit Bewusstsein durchdrungen hat, auf sich wirken lassen kann. In dieser Formulierung liegt für mich die Vorstellung, dass ich bewusst und aktiv Motivbildung betreiben kann. Die gebildeten Motive können danach so etwas wie ein Eigenleben bekommen, eine Subjektwerdung durchmachen…

…Sie wirken (aktiv) auf mich zurück. Man denke hier z.B. auch an nächtliche Seelen- und Verarbeitungsprozesse.
Die Freiheitsfrage muss nach Steiner neu gestellt werden. Eine isolierte Bearbeitung der Freiheitsfrage ohne die Möglichkeit, die Erkenntnis von Motiven mit einzubeziehen, sei einseitig. Man hat die Frage bislang sozusagen nur halb gestellt und daher auch noch nie eine voll befriedigende Antwort erarbeitet.
Man habe den Menschen, der aus Erkennen und Handeln bestehe immer nur als allein Handelnden vorausgesetzt und damit in zwei Teile gerissen, was eigentlich eins sei, nämlich der aus Erkenntnis Handelnde.
Unbeantwortet bleibt bis hier jedoch immer noch wie tief greifend der besagte Unterschied nun eigentlich ist und woran man dies festmachen kann. Ist es nicht nur ein gradueller, ein quantitativer Unterschied, ob ich meine Motive erkenne oder nicht? Glaubt nicht auch Spinozas Stein/Mensch durchaus erkenntnisfähig zu sein – und ist aber trotzdem nur von außen angestoßen?
Steiner wendet sich im 12. Abschnitt noch einem zeitgenössischen Denker zu:
Robert Hamerling habe sich mit der Redewendung „Freisein heißt nicht wollen können, was man will, sondern tun können, was man will“ auseinandergesetzt. Er (Hamerling) gesteht eine Wahlfreiheit zu und entlarvt dann die Aussage: „Der Mensch kann nicht wollen, was er will“, als absurd: Was hinter einem Wollen stehe, könne ja nie ein weiteres Wollen sein, sondern immer nur ein Motiv. Ein Wollen ohne Motiv sei ein leeres Vermögen und damit nichts, was in eine Tat münden könnte. Eine Tat käme nur zustande, wenn sich ein Motiv als stärkstes durchsetzt. Soweit Hamerling.
Hier fragt Steiner nun, ob es „nur solche Motive gibt, die mit zwingender Notwendigkeit wirken“ (S. 23) Wenn man etwas wollen muss, kann man nicht von Freiheit sprechen.
Also:
„Nicht darauf kommt es an, ob ich einen gefassten Entschluss zur Ausführung bringen kann, sondern wie der Entschluss in mir entsteht.“ (S. 23)
Diesen Satz – der gleichzeitig ein ganzer Absatz ist! – empfanden wir in der Runde als Aufforderung zur Selbstbeobachtung.
Eine Frage, die sich mir aufdrängte, war die nach den Begriffen: Zwang, Herrschaft, Notwendigkeit des Handelns. Gibt es überhaupt absolute Zwänge? Kann nicht sogar beispielsweise der Verzicht auf Nahrungsaufnahme, der zum Tod führt, eine freie Handlung sein? Sind wir vielleicht ununterbrochen damit beschäftigt Unfreiheit aufzubauen, zu konstruieren? (Ich bin grad noch etwas inspiriert von Eckart Tolles Buch: „Jetzt“ – vielleicht daher diese Fragen.)
Und noch einmal:
In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
Ich möchte hier regelmäßig einige Gedanken dazu wiedergeben. Meine Beiträge sollen jedoch KEIN strukturiertes Protokoll sein. Ich möchte hier Gedanken äußern, die in der Runde ausgesprochen oder auch NICHT ausgesprochen wurden. Es handelt sich also um eine subjektiv-protokollähnliche Gedankensammlung ohne jeden Vollständigkeitsanspruch. Man möge also, die Sätze, in denen ich Rudolf Steiner referiere (und natürlich alle anderen), gern kommentieren und korrigieren!

3 Antworten zu “Philosophie der Freiheit 3”



  1. Rainer H sagte

    Liebe Ruth,

    hier ein paar Anmerkungen zu dem Text. “Gibt es überhaupt absolute Zwänge?” Ein dehnbarer Begriff, wie überhaupt fast die gesamte Begrifflichkeit zu dieser Thematik. Ich würde nicht von “absoluten Zwängen” sprechen, eher von einer Zwanghaftigkeit des Denkens; ein Zwang, denken zu müssen. Das ist bei fast allen Menschen, mehr oder weniger, der Fall; eine Erkrankung liegt vor, wenn nicht nur die Form der Gedanken (das sich unaufhörliche wiederholen des Gedankenstromes) sondern auch die Inhalte der Gedanken nicht mehr vom Denkenden kontrolliert werden können.
    “Kann nicht sogar beispielsweise der Verzicht auf Nahrungsaufnahme, der zum Tod führt, eine freie Handlung sein”? Wie kommst Du auf dieses extreme Beispiel? Ich muß da eher an den Hungerstreik der RAF Leute denken; das Urbild einer freien Handlung ist das sicher nicht.
    Grüße


    • Ruth Jäger sagte

      Mit dem Beispiel meinte ich keine RAF-Leute und auch keine Suizidbereitschaft, sondern eher einen Verzicht im Sinne eines Opfers. (Jemand verzichtet auf den letzten Tropfen Wasser für ein Kind, oder ähnliches – so im Sinne von Frankls “Trotzdem ja zum Leben sagen”)

      Ich habe ein so extremes Beispiel gewählt, weil da eben unter Umständen trotz des Extems eine Handlungsfreiheit möglich bleibt. Unsere Gebundenheit an die Physis wird doch immer als “zwingendster Zwang” ins Feld geführt. Bei weniger radikalen Beispielen ist eine Entscheidungsfreiheit ja evident.
      Der Gedanke anders formuliert könnte lauten: Ein Mensch, der sich schon sehr viel Freiheitsraum erobert hat ist doch wohl weniger Zwängen ausgesetzt als ein anderer. Dies deutet darauf hin, das die Zwänge, die uns täglich bestimmen und die wir als absolut beherrschend empfinden, im Prinzip überhaupt nicht so absolut sind – sondern das wir deren Absolutheit sozusagen produzieren. Wir sind für unsere Zwänge selbst verantwortlich?!




  2. Rainer H sagte

    Ja, das obige Beispiel mit Victor Frankl klingt schon etwas anders.

    “Wir sind für unsere Zwänge selbst verantwortlich?!” Da stimme ich Dir ebenfalls zu: Das gilt zweifellos für den größten Teil der Bevölkerung. Neulich fand ich im “SPIEGEL” eine schöne Aussage über die heutige, junge Generation: Man verzweifelt nicht mehr, aber man zweifelt.
    Wir leben in solch einer für uns selbstverständlichen Freiheit, in solch einem materiellen und kulturellem Reichtum, dass wir es uns “leisten können” gewisse Zwänge und Neurosen ausbilden zu können. Man kann sich an sie gewöhnen und sie halten wie Haustiere.

Philosophie der Freiheit 2

Den ersten Teil seines Buches betitelt Steiner mit WISSENSCHAFT DER FREIHEIT. Und sein erstes Kapitel lautet „Das bewusste menschliche Handeln“.
Eingangs betont Steiner, wie sehr sich bezüglich der Freiheitsfrage die Geister scheiden. Für viele seiner Zeitgenossen ist die Freiheit das höchste Gut, für andere die größte Wahnidee. Trotzdem stellt Steiner dann fest, dass es wohl Konsens sei, dass die Freiheit nicht in einer reinen Wahlfreiheit bestehen könne. Denn, so behaupte man, es sei „immer ein ganz bestimmter Grund vorhanden, warum man von mehreren möglichen Handlungen gerade eine bestimmte zur Ausführung bringt.“ (S. 16) Und etwas, das einen Grund, eine Ursache hat, sei eben nicht frei…

…Obwohl man daher den Freiheitsbegriff nicht auf die Wahlfreiheit reduzieren könne, werde merkwürdigerweise von den Freiheitsgegnern immer nur die Wahlfreiheit angegriffen.
Im Prinzip sei der Kerngedanke schon von Spinoza 1674 formuliert worden. Alle anderen Freiheitsgegner würden Spinoza nur variieren: „Ich nenne nämlich die Sache frei, die aus der bloßen Notwendigkeit ihrer Natur besteht und handelt, und gezwungen nenne ich die, welche von etwas anderem zum Dasein und Wirken in genauer und fester Weise bestimmt wird.“ (S. 17) Daher ist – folgt man Spinoza – nur Gott frei. Alles andere, Dinge wie Menschen, seien von äußeren Ursachen bestimmt. Der Mensch unterscheide sich vom Stein nur dadurch, dass er ein Bewusstsein habe, das ihn zu dem Vorurteil befähigt, zu glauben, er hätte dies und das selbst beschlossen. Der Mensch durchschaue eben, die Verursachungen seines Handelns nicht.
Steiner entdeckt in diesem Gedanken einen Irrtum: „Spinoza und alle, die denken wie er, übersehen, dass der Mensch nicht nur ein Bewusstsein von seiner Handlung hat, sondern es auch von den Ursachen haben kann, von denen er geleitet wird… Ein tiefgreifender Unterschied ist es doch, ob ich weiß, warum ich etwas tue, oder ob das nicht der Fall ist.“ (S. 19). Die Frage sei also, ob der Beweggrund meines Handelns, den ich durchschaue, eine andere Qualität habe, als ein undurchschauter und nicht in gleichem Sinne einen Zwang ausübe.

In der Runde am Dienstag wurde die Frage bewegt, ob Spinoza aus seiner Logik heraus, den Menschen, der ein Bewusstsein seiner Gründe besitzt, nicht trotzdem als von außen bestimmt ansehen müsse. Der Stein, der sich bewegt, weil er von außen angestoßen wurde, kann soviel Bewusstsein entwickeln wie er will, über sein Handeln sowie auch über die Beweggründe des Handelns. Die Bewusstseins-Fähigkeit des Menschen ist doch für Spinoza eher eine Vorurteils-Fähigkeit. Der wirkliche Anstoß bleibt daher doch immer außerhalb des Menschen.
Eine weitere Frage, die sich für mich anschließt: Ist es wirklich möglich die Beweggründe des eigenen Handelns VOLLSTÄNDIG bewusst zu machen? Bleibt nicht immer ein Rest Unbewußtheit?
Auffällig ist bis hierhin, dass Steiner seine Ausführungen mit der Freiheitsfrage beginnt, denn er hatte ja in seiner Vorrede die erste Wurzelfrage nach der „Stützfähigkeit“ der menschlichen Erkenntnis zur Voraussetzung für alle anderen erklärt. Daher sollte man meinen, systematisch hätte die Bearbeitung der ersten Frage der Erkenntnisfähigkeit Vorrang vor der Freiheitsfrage. Vielleicht wird sich im Folgenden klären, warum er so vorgeht.
Und noch einmal:
In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
Ich möchte hier regelmäßig einige Gedanken dazu wiedergeben. Meine Beiträge sollen jedoch KEIN strukturiertes Protokoll sein. Ich möchte hier Gedanken äußern, die in der Runde ausgesprochen oder auch NICHT ausgesprochen wurden. Es handelt sich also um eine subjektiv-protokollähnliche Gedankensammlung ohne jeden Vollständigkeitsanspruch. Man möge also, die Sätze, in denen ich Rudolf Steiner referiere (und natürlich alle anderen), gern kommentieren und korrigieren!

3 Antworten zu “Philosophie der Freiheit 2” aus dem alten Blog



  1. Rainer H sagte


    “Ist es wirklich möglich die Beweggründe des eigenen Handelns VOLLSTÄNDIG bewusst zu machen…?”
    Liebe Ruth, gute Frage. Die meisten Menschen würden hier wohl eher Nein sagen; wenn man einen spirituellen Schulungsweg geht, anthroposophisch oder eine andere Richtung, hat man natürlich einen gewissen Anspruch an sich selbst die eigene Bewusstheit zu steigern, bzw. diese in die unbewussten Bereiche hineinzutragen.
    Ich halte es allerdings für entscheidend, dass man auch lernt, seiner Unbewusstheit, seinen Instinkten mehr und mehr zu trauen (Wir sprachen neulich darüber, sich auch als Leib, als Körper zu erleben und sich mit diesem so zu verbinden, dass dieser nicht nur als “Anhängsel des Kopfes” gesehen wird, usw.) Wenn dieses der Fall ist, kann es zu einem harmonischen Zusammenwirken zwischen Bewusstheit und Unbewusstheit, zwischen Denken und Instinkt kommen – die “Beweggründe des Handelns” müssen dann auch vielleicht nicht mehr 100% durchschaut werden.
    Ein ewig-leuchtendes Vorbild in dieser Hinsicht ist natürlich Goethe, der ein durch und durch sinnlicher und genußfreudiger Mensch war und der eine solch seltene und einmalige Harmonie zwischen Geist und Natur verkörpert und gelebt hat, dass die ganz großen Denker seiner Zeit, Fichte, Hegel, Schelling, seine Nähe und Freundschaft gesucht haben. Fichte hat diesen Aspekt erkannt und es auf den Punkt gebracht: “An Sie wendet mit Recht sich die Philosophie: Ihr Gefühl ist deselben Probierstein.” Schön, dass einer wie Goethe am Anfang der Anthroposophie steht und solchen breiten Raum einnimmt.
    Grüße



  2. Ruth Jäger sagte

    Lieber Rainer,
    interessant, dass Du beim Thema Unbewußtheit gleich an Instinkte, also an Leibliches denkst. Meine Frage bezieht sich erstmal eher auf Seelisches. Wieviel Verdrängtes, Undurchschautes tragen wir seelisch auf der Gefühlsebene mit uns herum, das unser Handeln mitbeeiflusst? Ich denke Sympathie und Antipathie sind da nur die Spitze des Eisbergs. Und wieviele sogenannte “Gaubenssätze” auf der Denkebene, die uns unbewußt steuern und von deren Existenz wir nur ganz nebulös wissen?
    Und dann kommt natürlich noch das Leibliche.
    Den Instinkten trauen? Interessantes Thema!
    Grüße



  3. Rainer H sagte

    Liebe Ruth,
    Instinkte sind nur eine leibliche Form des Unbewussten, wobei solche Aussagen natürlich immer äußerst ergänzungsbedürftig sind, denn die Instinkte sind ebenso zur unendlichen kosmischen Weisheit des Körpers zugehörig. Meistens denke ich beim Thema “Unbewusstes” auch eher an das “Verdrängte, Undurchschaute,… Sympathie und Antipathie” (das ist ja auch seit Freud eine fundamentale und nicht mehr wegzudenkende Prämisse unserer Kultur) – interessant ist m.E. vor allem das Zusammenwirken, bzw. das Spannungsverhältnis des leiblichen und seelischen Unbewussten: Das kann etwas sehr gesundes haben, wie bei Goethe (oder z.B. auch bei Sportlern, oder Menschen, die viel in der Natur leben) oder natürlich auch etwas krankhaftes (deswegen gibt es zu Recht in der Medizin den Begriff psychosomatisch). Ein endloses Thema. Grüße

Zukunft der Anthroposophie

Unter dem Titel „Weitergehen! Anthroposophie im 21. Jahrhundert“ fand im Rudolf Steiner Haus Hamburg ein „Tag für Menschen und Anthroposophie“ statt. Veranstalter war das Arbeitszentrum Nord. Impulsreferate kamen von Matthias Bölts, Steffen Hartmann, Wolf-Ulrich Klünker, Roland Wiese und Seija Zimmermann .
Hier eine subjektive Auswahl einiger Gedanken des gestrigen Tages:
Anthroposophie wurde früher – und wird auch heute noch – als ein Lehrgebäude verstanden, aus dem man fertige Inhalte schöpft. Dies ist eine Art Vergangenheitsblick. Heute stehen wir an einer Schwelle, an der es immer wichtiger wird, den Abbildcharakter des eigenen Denkens und Verständnisses überzuführen in einen Seinsbereich, in einen Bereich der Kraft. Es gibt durchaus eine Berechtigung deskriptiver Begriffe, aber sie wollen aus der Erstarrung ins Leben hinein erlöst werden.
Die Anthroposophie entwickelt sich heute immer mehr von einer explizierten in eine implizite. Dies kann heißen: Dort wo vermeintlich anthroposophisch gesprochen wird ist die Anthroposophie unter Umständen gar nicht wirklich vorhanden. Und dort wo Anthroposophie nicht auf der Fahne steht, ist sie unter Umständen lebendig.
Eine Problematik, die daraus entsteht ist die Frage: Woran erkenne ich sie denn? Wie ist sie indentifizierbar, wenn ich sie nicht definiere und inhaltlich festklopfe. Gibt es ein spezifisches Sensorium, das ich entwickeln und pflegen muss, um sie auffinden zu können? Diese zu entwickelnde und zu pflegende Unterströmung des Alltagsbewusstseins hat dann aber einen Charakter, der nicht bloß beschreibt, sondern der selbst konstituierend ist. Es geht um eine Zeugenschaft, die nicht nur Zeugnis von Aufgefundenem ablegt, sondern selbst zeugt, die der Substanz zur Erscheinung verhilft.
Man schöpft dann in der Gegenwärtigkeit aus der Zukunft. Und indem man dies tut, kann auch die Vergangenheit neu verständlich werden.
Es gibt eine Offenheit, wenn der Mensch auf den Menschen trifft. Man kann mit Geistesgegenwart in solch eine Situation gehen, und die Ergebnisse nicht antizipieren. Insofern ist jede authentische Menschenbegegnung eine Schwellensituation, man weiß nicht, was dahinter liegt, was nachher kommt und muss sich eben auf ein Risiko einlassen.
Die Menschheitsentwicklung vollzog sich in der Vergangenheit „zum Menschen hin“ und muss jetzt übergehen in eine Entwicklung „vom Menschen her“. So ist auch die Frage nach der Zukunft der Anthroposophie eine Frage danach, was vom Menschen, vom Ich kommt. Die Anthroposophie wird das, was ich in ihr sehe.
Als Frage stand im Raum: Wird der Geist heute noch irgendwo außerhalb der Anthroposophie als ursächliche Kraft angesehen? Gibt es andere Strömungen, die Geistiges als initiierend und schöpferisch erkennen?
Abschließend möchte ich noch kurz erwähnen, dass dieser Tag von den Veranstaltern – wie mehrfach erwähnt wurde – nicht vorbereitet war. Es gab keine oder kaum Absprachen im Vorfeld oder eine feste Tagesordnung. Dies bestimmte natürlich stark den offenen Charakter dieser gemeinsamen Stunden.
Weiter so – mehr davon !

19 Antworten zu “Zukunft der Anthroposophie” aus dem alten Blog






  1. Rainer H sagte

    Danke Ruth, für diese gelungene Zusammenfassung. Eine solche Offenheit hätte ich Klüncker nicht zugetraut, ich habe ihn öfter im Steiner-Haus und Dornach als jemanden erlebt, der doch sehr an der gängigen anthroposophischen Terminologie festhielt. Um so erfreulicher die “Wandlung” von der Du berichtest. Man darf gespannt sein, ob sich diese Ideen in der HH-Anthroszene in irgendeiner (möglichst konkreten) Form fortsetzen werden.liebe Grüße








    • Ruth Jäger sagte

      Moin Rainer,

      eigentlich wollte ich nicht nur Klünker referieren, sondern alle möglichen Gedanken des Tages, die mir noch in Erinnerung waren und die ich bemerkenswert fand rausgreifen. Zugegenbenermaßen find ich Klünkers Formulierungen oft sehr inspirierend, daher ist vieles von ihm dabei.
      Ich find nicht, das bei ihm da eine “Wandlung” stattgefunden hat. Er hat schon immer völlig unabhängig und frei gedacht! Grade er klebt nicht an der “Anthro-Terminologie” – um so erfreulicher, dass so jemand in der Gesellschaft eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt.
      Liebe Grüße








      • Rolf Speckner sagte

        Liebe Ruth,

        dein Bericht gibt persönliche Eindrücke wieder. Das ist gut so, setzt ihm aber auch Grenzen. – Ob sich dieser oder jener Verantwortliche geändert hat, etc.. dazu kann ich nichts sagen. – In Deinem Bericht sind aber Gedanken die in Frageform geäußert wurden, in die Form einer konstatierten Tatsache verwandelt worden. Das wird dem Erkenntnisstand der Autoren nicht gerecht. Sie formulieren zwar oft konstatierend, z.B. in “Ich brauche die Anthroposophie, aber die Anthroposophie braucht auch mich.” Damit ist im Grunde gar kein Gedanke gemeint, sondern eine Willensrichtung versucht sich zu formulieren. Nimmt man solche Sätze als Erkenntnisversuche läuft man an den Verfassern vorbei.
        Was heißt denn: “Die Anthroposophie braucht mich!”? In welchem Sinne hat die Anthroposophie Bedürfnisse? Wer hat da die Bedürfnisse? Wovon reden wir? Der Begriffsgehalt dieser Aussagen ist furchtbar dünn. Aber der Willensgehalt ist wahrnehmbar – und um den ging es gestern.
        Ums “weitergehen” ging es.
        Man sagte, die Ideenkomplexe vom Anfang des 20. Jahrhunderts kehrten heute als Willensimpulse oder als gelebt werden wollendes, als Drang zurück. Meine Nachfrage, ob man eine solche Kategorie der menschlichen Individualentwicklung auf die Gruppe anwenden kann, quittierte Herr Klüncker mit der Bemerkung: “Da müßte man die Gesetze der Zweigentwicklung untersuchen…”. Das geschah aber nicht. – Es war auch nicht nötig, weil auch dieser Gedanke nur ein Versuch war, das was man in sich erlebte zu verstehen.
        Dein Rolf

















  2. Ruth Jäger sagte

    Lieber Rolf,

    Du schreibst: “In Deinem Bericht sind aber Gedanken die in Frageform geäußert wurden, in die Form einer konstatierten Tatsache verwandelt worden. Das wird dem Erkenntnisstand der Autoren nicht gerecht.”
    Sag doch mal konkret, wo hab ich aus Fragen Tatsachen gemacht? Das war nicht meine Absicht! Wenn mir das passiert wäre fänd ichs peinlich!
    Liebe Grüße








  3. Ruth Jäger sagte

    PS: Mit meiner Äüßerung über die “Wandlung” wollte ich natürlich nichts Grundsätzliches über den persönlichen Entwicklungsstand von Herrn Klünker sagen. Das wäre vermessen. Ich hab nur sagen wollen, dass ich noch nie den Eindruck hatte, dass er an “gängiger anthroposophischer Terminologie festhält”, wie weiter oben geäußert.







  4. Rainer H sagte

    Liebe Ruth, Deine Aussage ist keinesfalls “vermessen”, sondern entspricht meiner Antwort und damit meiner, wie ich zugeben muß, sehr subjektiven Wahrnehmung. Ich erinnerte mich an die Kurse von Klüncker und Stockmar im Steiner-Haus vor einigen Jahren; einige Teilnehmer haben mir damals mitgeteilt, wie sehr in dem Seminar eine gewisse “Aufbruchstimmung” leben würde. Das hat mich nicht überzeugen können, ich habe das nicht “erlebt”, bzw. hatte wohl auch nicht mehr die nötige Offenheit mitgebracht, die man für so ein Seminar braucht (Vielleicht habe ich mich auch einfach nur geärgert, dass die beiden, mehr oder weniger, über Kühlewind “abgelästert” haben, wer weiß, ist irgendwie auch schon lange her…)







  5. Rainer H sagte

    Mir fiel noch etwas ein: Die obige, sehr freilassende “Deutung” oder Standortbestimmung der Anthroposophie in Deinem Bericht könnte, mit etwas anderen Worten, im Grunde auch auf Gronbachs Website stehen.

    P.S. Klüncker und Stockmar haben damals natürlich nicht “abgelästert” über Kühlewind, das war mehr eine besondere Form von Kritik, die mich halt nur ziemlich geärgert hatte.








    • Ruth Jäger sagte

      Ich weiß nicht ganz genau wofür Sebastian Gronbach eigentlich steht.

      Aber z.B. ein Fazit (von sehr vielen) des gestrigen Tages war auch, dass ein konsequentes und kontinuierliches Studium der Anthroposophie absolut unabdingbar ist, um ihr auch zukünftig gerecht zu werden. (Ist ja auch klar, wie soll Anthroposphie Mensch werden, wenn sie nicht von Menschen aufgenommen wird.) Ein zweites ist die Schwellensituation, die ja immer auch bedeutet durch – gelinde gesagt – unangenehme Situationen zu gehen (Stichwort: Todespunkt, Abgrund, Krise).
      Auch das Bestreben die Begriffe wiederbeleben zu wollen, setzt voraus, dass man ihr Totsein erlebt. Keine Ahnung, ob man das so bei Gronbach findet?!











  6. Rainer H sagte

    “dass ein konsequentes und kontinuierliches Studium der Anthroposophie absolut unabdingbar ist…” Also doch wieder viele, viele Steiner Bücher lesen und sich darüber in Zweigabenden austauschen oder wie ist das gemeint?? Und wie ist es mit anderen “Strömungen”, modernen spirituellen Autoren der Gegenwart; Tolle, Wilber, Krishnamurti: Kann es mit Vertretern aus dieser Richtung einen wirklichen Dialog geben, wo man vielleicht auch von dem Anderen lernen will, anstatt die eigene anthroposophische Anschauung schon im Vorfeld als überlegenere Weltanschauung hinzustellen?
    Ich kann mit dem meisten, was Gronbach sagt, auch nichts anfangen und erlebe ihn als allzu exaltiert, aber er steht sicherlich für eine neue, moderne, in gewisser Weise unorthodoxe Form der Anthroposophie. Insofern dachte ich, dass der obige Text auf einen wie ihn zutreffen könnte.








    • Ruth Jäger sagte

      Es ist doch völlig jedem selbst überlassen, ob er viele oder wenig Bücher liest, ob er sich in Zweigabenden oder woanders oder gar nicht darüber austauscht. Wichtig ist nur, dass die Anthroposophie irgendwie an und in die Menschen kommt! Nochmal: Wie soll Anthroposophie Mensch werden, wenn die Menschen sie nicht aufnehmen? Das Studium kann auch über einen kommunikativen Austausch geschehen, wenn einem das Lesen nicht behagt. (Mir kommt grad in den Sinn: Er ist in der Welt, aber sie haben ihn nicht aufgenommen! Frei nach dem Johannes-Evangelium)

      Die Frage nach Tolle, Wilber, Krishnamurti hättest Du gestern stellen können, wenn Du da gewesen wärst. Ich kann dazu jetzt nur sagen, was ich denke, das ist jetzt also kein Bericht mehr von der Tagung. Obwohl eigentlich doch: Die konkrete Menschenbegegnung ist es doch, die bei dieser Frage eine Rolle spielt (und die kam wie oben beschrieben auf der Tagung zur Sprache). Es ging eben gestern gerade nicht darum jemandem eine “überlegene Weltanschauung” überzustülpen, sondern in echter Begegnung geistesgegenwärtig zu lernen und auch zu geben. Gerade das ist ja gemeint, mit der Überwindung altertümelnder lehrerhafter Anthroposophie, die rückwärtsgewand ist und nur aus Erinnerungen schöpft, statt aus lebendiger Authentizität. Und meines Erachtens liegt darin erst die eigentliche Anthroposophie. Man kann eben nur aus dem Inneren schöpfen, wenn man das Innere qualifiziert hat. (Ich weiß schon, jetzt kommst Du mit Tolle!)
      Dass es schwer ist die Anthroposophie zu identifizieren heißt aber nicht, dass sie nicht identifizierbar wäre, als etwas, das sich durchaus abgrenzt von anderen Strömungen. Ich würde mich wehren wollen gegen einen Begriff von Anthroposophie, der sie fasst als eine wabernde, weiche, sich an alles anpassende Wolke.
      Ob der obige Text auf Gronbach zutreffen könnte mußt Du ihn selber fragen.











  7. Rainer H sagte

    “In echter Begegnung geistesgegenwärtig zu lernen und auch zu geben…”, ja, da stimme ich Dir zu, darauf kommt es letztendlich an, bei der Anthroposophie oder auch bei einer anderen spirituellen Strömung.
    Aber der andere Punkt, das “konsequente Studium”, nun, das wäre schön, wenn das so freilassend behandelt werden würde, wie von Dir beschrieben. Ich habe da aber meine sehr persönlichen, eher negativen Erfahrungen gemacht, mit unserem gemeinsamen Bekannten HP und auch mit anderen Anthroposophen immer mal wieder die letzten 23 Jahre und leider lief das immer meistens auf eines hinaus: Das belehrende, das zitierende, die fehlende Erfahrung, das bekannte anthroposophische Wort, die Gewusstseinsseele statt Bewusstseinsseele, immer der Hinweis auf das “Studium” – für mich der Grund, mich von diesen Dingen radikal zu verabschieden.
    Vielleicht suche ich weiter die Anthroposophie, vielleicht will sie in einer anderen Form in mir Mensch werden, aber, sorry, wenn die Anthroposophie in mir Form nimmt, dann außerhalb eines anthroposophischen Buches.








    • Ruth Jäger sagte

      Ich finde es falsch die Probleme, die man mit einzelnen Anthroposophen hat, auf die Anthroposophie abzuwälzen. Sie kann doch nichts dafür.

      Dass die Anthroposophie außerhalb eines Buches in Dir Form nimmt finde ich auch sehr wünschenswert : )
      Liebe Grüße und gute Nacht











  8. Rainer H sagte

    Da magst Du recht haben, “Sie kann doch nichts dafür”, aber bei einer gewissen Dauer und Intensität von sich wiederholenden negativen Erfahrungen und Enttäuschungen mit einzelnen Menschen kann es halt zu solch einer Wahrnehmung, solch einem Urteil kommen. Dass dieses Urteil nicht unbedingt “objektiv” ist, ist mir bewusst. Ebenso liebe Grüße und gute Nacht!







  9. Ruth Jäger sagte

    Guten Morgen Rainer, dies dachte ich noch heut Nacht:

    Du sagst “Anthroposophie in moderner Form”
    Hauptsache bei der ganzen Modernisierung bleibt die Substanz erhalten! Die Anthroposophie ist das Modernste was es gibt. Man stelle sich vor einen “modernisierten Geist” oder einen “modernisierten Christus” – was soll das sein ?
    Grüße








  10. Rainer H sagte

    Hallo Ruth, meine Aussage wollte ich nicht an dem einen austauschbaren Wort “modern” festmachen, das war eher ein Hinweis auf das Tagungsthema “Anthroposophie im 21 Jahrhundert”, also eine Anthroposophie, welche die gegenwärtige kulturelle, spirituelle und politisch veränderte Zeitlage berücksichtigt. Das kann dann natürlich so weit gehen, dass man sich intensiv mit neueren spirituellen Strömungen verbindet, wie Gronbach und die Info 3 Leute es mit Ken Wilber und Andrew Cohen tun, oder wie ich es mit Tolle und Zen versuche.

    “Modernisierter Christus” klingt natürlich etwas dumm, ich meine eher “Christus in der Gegenwart” (möglicherweise ohne christlich-kirchlichem und anthroposophisch festgelegtem Begriffssystemen).
    Ein ausuferndes Thema, vielleicht lieber mehr bei einem Treffen demnächst, liebe Grüße








  11. Roland Wiese sagte

    Die Anthroposophie hat das Bedürfnis ‘bestimmter’ zu werden. Wie kann ich dieses Bedürfnis bemerken? Dazu müsste ich tatsächlich mit ihr umgehen, und in dieser Beziehung Entwicklungsmöglichkeiten der Anthroposophie erleben können. Dies ist in jedem Fall eine individuelle menschliche Beziehung; aber es ist eben eine Beziehung zur Anthroposophie. Die Anthroposophie wird mich nicht zu einer solchen Entwicklung zwingen, aber ich kann ein solches Entwicklungsbedürfnis erleben. Es in mir zu erleben bedeutet nicht, dass es nur in mir ist. Dass die meisten Menschen nur in eine Richtung denken und erleben, was die Anthroposphie für ihre Entwicklung bedeutet, bedeutet ja nicht, dass man auch in die andere Richtung denken und erleben kann. Man müsste für sich folgenden Unterschied erleben können: Die Aussage: Ich und der Vater sind eins, ist nicht das Gleiche wie: Ich bin der Vater. An dieser Schwelle zeigt sich wer Inhalt und Ich zu sehr voneinander trennt, oder zuwenig gegeneinander differenziert. “Dünn” ist es wirklich, aber nicht begrifflich, sondern die Zusammenhänge wollen willensmäßig gehalten und empfunden werden – ob sie sich gegenseitig tragen und beleuchten…Roland Wiese







  12. Rolf Speckner sagte

    Lieber Herr Wiese,

    ich habe das Wort von Ita Wegmann etwas anders in Erinnerung: “Ich bin für fortschreiten!”.
    Ich bin auch für Fortschreiten, trotzdem gehe ich jetzt erst mal weiter. Sie schreiben: “Die Anthroposophie hat das Bedürfnis ‘bestimmter’ zu werden. Wie kann ich dieses Bedürfnis bemerken? Dazu müsste ich tatsächlich mit ihr umgehen, und in dieser Beziehung Entwicklungsmöglichkeiten der Anthroposophie erleben können.” Warum sprechen Sie im Konjunktiv? Dazu müßte ich tatsächlich mit ihr umgehen…? Tun Sie das nicht? Ich bin sicher, Sie tun es. Warum dann der Konjunktiv? Tun’s die andern nicht? Sie legen diesen Gedanken nahe …
    Es ist bei der Allgemeinheit ihrer Aussagen, die ich als Mangel an Konkretheit, an Realitätsgesättigtheit erlebe, ganz unklar, wer gemeint ist. Das meine ich auch mit dem Wort “dünn”. Damit meine ich nicht etwa falsch.
    Und was heißt “umgehen”? Heißt das Lesen? Oder Denken? Meditieren? Wesensbegegnung? Ich will das nicht weiter verfolgen, sonst wird es bloß als “Kritisieren” aufgefasst. -
    Mit Ihren Schlußworten beschreiben Sie in etwa das, was ich so charakterisiert habe, indem ich sagte: Es geht nicht um einen Gedanken, sondern um einem Willensimpuls. Sie schreiben: “… sondern die Zusammenhänge wollen willensmäßig gehalten und empfunden werden – ob sie sich gegenseitig tragen und beleuchten.”
    Ich klopfe an Ihre Formulierung: Wer will willensmäßg gehalten werden? Die Inhalte? Wirklich die Zusammenhänge? Sie wollen gehalten werden – und empfunden, ob sie sich gegenseitig halten.
    Das meinte ich mit dünn.
    Ihr Rolf Speckner








    • Roland Wiese sagte

      Lieber Herr Speckner,

      Was ist der Inhalt einer freien Imagination im Verhältnis zu ihrem Zusammenhang? Und was ist ihr Realitätsgehalt? Sie ist tatsächlich ungesättigt, hungrig nach Wirklichkeit – das wäre ihr Drang nach der Seinsseite hin; sie ist aber auch flüchtig dünn – ihre Tendenz zum Lichtartigen des Scheins. Sie vermittelt insofern tatsächlich erst einmal das Gefühl des Schwebens. Die Konkretheit des Einzelbegriffes (und damit seine Konfiguriertheit) kann sich im besten Fall mit der Lichtseite verbinden, wenn die freie Gedankenbildung zusammenhält (und nicht auseinanderfällt). Interessant ist das für unsere Fragen deshalb, weil dadurch deutlich wird, dass die Sprache der Gegenwart (je nach Sprecher) offener für Imaginationen ist, als die Sprache noch zu Steiners Zeiten.
      Zur historischen Frage nach Ita Wegman. Wolf-Ulrich Klünker hat mich auch gefragt, ob ich mich in meinem Titel auf ihre (von Selg ja verbreitete)Aussage bezogen habe. Ehrlich gesagt: nein. Und ehrlich gesagt, selbst wenn da unbewusste Kräfte am Werk gewesen sein mögen, bin ich froh, dass ich das nicht bewusst rückwärts aufgeladen habe (es ja auch nicht erwähnt habe). Und ich bin froh, dass unbewusst Kontinuität besteht, die nachträglich bewusst wird.Mir kommt das unschuldiger vor.
      Ihr Roland Wiese








      • Rolf Speckner sagte

        Lieber Herr Wiese,

        mir wird zwar mit jeder Äußerung deutlicher, was Sie wohl meinen mögen, aber mir wird aus ihren Worten nicht deutlich, “dass die Sprache der Gegenwart (je nach Sprecher) offener für Imaginationen ist, als die Sprache noch zu Steiners Zeiten.” Wenn ich Sie recht verstehe, wollen Sie sagen, es sei heute leichter als zu Steiners Lebzeiten eine Imagination (oder das was in ihr sich bildet) ins Wort zu bringen? Wie kann man das gewahr werden?
        Ich erlebe die deutsche Umgangssprache als hochgradig verdichtet und verhärtet. Feine Differenzierungen, das Hindurchlauschen auf das Ungesagte haben viele Menschen im wissenschaftlichen Raum verlernt. Und sie sprechen dem entsprechend.
        Der Blick nach Innen läßt mich zunächst ganz in meinem Tun und in dem was sich dem zuwendet. Ich kann gewahr werden wie mühsam es ist, den Raum frei und lebendig zu halten, in dem ein Bild wachsen kann. Das gelingt mir nicht oft. Wenn ein Bild da ist, weiß ich noch lange nicht, was es sagen will.
        Das mag bei Ihnen anders sein. Da spielet der Zeitpunkt der Inkarnation und natürlich auch die individuell persönliche Entwicklung eine große Rolle. Wenn Sie mir versichern würden, daß es Ihnen leicht fällt, Bilder zu bekommen und zu verstehen, bin ich durchaus bereit, Ihnen das zuzugestehen. Warum denn nicht?
        Wie aber vergleichen Sie die Art der Offenheit der Sprache einst und jetzt? Wie der Übergang von der lebendigen Bildlichkeit zu den Worten bzw. Gedankeninhalten zu bewerkstelligen ist, das kann man bei sich einigermaßen beobachten. Wie soll man das aber bei den Worten Steiners – denn er ist es doch wohl, an den Sie denken?
        Ob es die mächtigen Bilder der Hochschule sind, ob es die Bilder der Leitsätze sind, ob es die Bilder des Grundsteinspruches sind: Rudolf Steiners Sprache ist weist auf Imaginationen hin. Gewiß kann man soetwas wie den Sprachfluß gewahr werden. Und der ist bei Rudolf Steiner im Laufe seines Lebens immer leichter geworden.
        Ich würde daraus niemals eine derart allgemeine Aussage treffen mögen wie: “dass die Sprache der Gegenwart (je nach Sprecher) offener für Imaginationen ist, als die Sprache noch zu Steiners Zeiten.”
        Mein Eindruck ist, daß Sie solche Sätze deshalb glauben prägen zu dürfen, weil Sie sie als Experimente, zu formulieren ansehen. Wenn Ihr Erlebnis mit Ihren Worten übereinstimmt, dann halten Sie sie für real. Real nicht im Sinne des äußerlich existenten, sondern der Wesensgesättigtheit durch das Angebundensein an innere Erfahrung.
        Ob das viele Menschen so auffassen werden? Ich empfinde manche Ihrer Formulierungen nicht als imaginativ sondern als schwebend – wie Sie es auch charakterisiert haben. Ich lasse offen, wie es zu einem solchen unterschiedlichen Erleben kommen kann.
        Mir wäre aber wichtig, zu wissen, ob ich Sie halbwegs verstanden habe; denn formulierte Ideen, wie “Die Esoterik der Inhalte ist vorbei – die Zukunft gehört einer Esoterik des Ichs!” empfinde ich wie Schlagworte. Der Inhalt ist nicht neu. Es kam nie (nur!) auf den Inhalt an, sondern immer ebenso darauf, daß der Inhalt in einer ichhaften Weise ergriffen und getragen wurde. Bei moralischen Intuitionen, daß der Inhalt selbst geboren wurde. Das zu betonen, ist aller Ehren wert. Mit der Schwebe-Idee “Die Zukunft gehört einer Esoterik des Ichs! Die Esoterik der Inhalte ist passe!” wird gerade die Differenzierung vermieden. Gibt es denn ein Ich ohne Inhalt? Ich hoffe, daß die Zukunft nicht inhaltlosen Ichen gehört? Es gibt keine Form ohne Inhalt und keinen Inhalt ohne Form. (Da meldet sich wohl der alte Aristoteliker in mir?)
        Gewiss, im Augenblick des Imaginierens mache ich mich zu luftigen Sphaere, die selbst nichts will. Aber diese Einschränkung bleibt auf der Strecke. Sie haben – man merkt es – Freude daran, Ihr Selbsterlebnis als geistig-seelisches Wesen in einer geistig-seelischen Umwelt wahrzunehmen und auszusprechen. Das habe ich auch! Aber ich würde solche “Entdeckungen” nicht drucken. Denn im Druck sind sie außerhalb Ihres Einflußbereichs.
        Hier beginnt die Sphaere “von Mund zu Ohr”. Damit meine ich keine Geheimniskrämerei sondern die Tatsache, daß das gesprochene Wort, wenn es verantwortlich geäußert wurde, mit seinem Begriff verbunden ist, das Gedruckte nicht.
        Vielleicht pflegen Sie ein mehr poetisches Verhältnis zur Sprache statt des bisherigen wissenschaftlichen. Gegen einen solchen poetischen Sprachgebrauch ist im menschlichen Umgang nichts einzuwenden.
        Wenn er sich aber zu programmatischen “Schlagworten” verdichtet, entsteht ein sozialer Konfliktstoff. Ich erinnere mich noch gut an die “Kampagne” der “neuen Anthroposophie”. Diese Wort haben sich inzwischen Missionare aller Arten angeeignet und ihre Wirkung ist den Händen derer, die Sie geprägt haben längst entglitten … .
        Ihr Rolf Speckner









Priesterweihen in Hamburg

Bei der Hochzeit zu Kana weist Maria darauf hin, dass der Wein ausgehe. Jesus reagiert darauf in zweifacher Weise. Erstens mit einer Frage, die auf das Verhältnis von ICH und Christus abzielt (Was webt zwischen mir und dir?). Zweitens mit einer Wandlungstat (Aus Wasser wird Wein).
Am Vorabend der zweiten Priesterweihe in der Johannes-Kirche der Christengemeinschaft in Hamburg hielt Peter van Breda (Pfarrer in London) gestern einen beeindruckenden einführenden Vortrag. Einer der vielen interessanten Gedanken war folgender: Die oben erwähnte Evangelienstelle sei – wenn ich ihn richtig verstanden habe – zu sehen als ein Hinweis auf priesterliches Wirken. Jemand, der die Priesterschaft anstrebt, trägt die oben erwähnte Frage immer in sich: In welches Verhältnis kann ich mich zur Christus-Kraft setzten? Wie kann ich Bedingungen für ihre dauernde Anwesenheit schaffen?
Die Christus-Tat, die dann in Kana folgt, ist eine Wandlung von Substanzen. Dies erscheint wie eine Art Hindeutung des Abendmahlgeschehens und Maria kommt dabei eine priesterliche Rolle zu, denn sie leitet es durch ihre Worte ein. Sie vermittelt gewissermaßen Erd- und Himmelsvorgänge.
Es gibt also im Johannes-Evangelium nicht nur die bekannte Stelle ganz am Schluß, die auf das Priestertum hinweist – das Gespräch mit Petrus und Johannes – sondern eben auch diese ganz am Anfang.
Spannend ist das Ganze auch dann, wenn man einmal “Christus-Kraft” durch “Ich-Kraft” ersetzt. (Und dies sollte man wenn´s um Christus geht doch immer tun?!) Die Frage nach meinem Verhältnis zur Christus-Kraft wird dann zur Frage nach meiner Geistesgegenwart, nach meiner Gegenwärtigkeit, nach meiner aktuellen freien individuellen Schöpferkraft. Das Thema der Wandlung wird dann zu einem Thema meiner eigenen Umbau-Potentiale, meiner eigenen Entwicklungsprozesse – und dies ist dann eben nicht nur für Priester interessant!
An Herrn Breda meinen Dank für den schönen Vortrag!
An die Neugeweihten meine allerbesten Wünsche für die Zukunft!
Bücher aus dem Antiquariat zum Thema Christengemeinschaft gibt´s HIER

Was sich in Büchern alles so findet II


Diese Karte fand ich als Lesezeichen in einem Buch.
Eine Christusdarstellung, die man auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennt.
Erst wenn man auf Hände und Füsse achtet, bemerkt man worum es geht. Bemerkenswert auch die Kreuzesform, die erst auf den zweiten Blick klar zu erkennen ist, da sie hinter der feder-flügelartigen Struktur der Gestalt zuerst etwas verschwindet und auch in sich selbst wieder gekreuzt ist.
Auf der Rückseite ist handschriftlich notiert:
Detail der Kanzel in S.Pietro / Scopina / Toscana.

Anthro-Dogmen


In dem Blog Schachtelhalm gibt´s momentan eine interessante Artikelserie von Christian Grauer unter dem Titel “Spirituelle Aufklärung”. Er schildert seinen ganz persönlichen Entwicklungsprozeß, ausgehend von einer verinnerlichten „anthroposophischen Dogmatik“ in Richtung auf eine existentielle Befreiung von aber auch zur Anthroposophie mithilfe des systematischen Zweifels.
Es geht um anthroposophisch habitualisierte Vorurteile und Denkgewohnheiten, die zwar nicht aus der Anthroposophie selbst entspringen, aber trotzdem aus der Beschäftigung mit ihr entstehen können, und zwar nicht nur gelegentlich! Also eine subjektiv – intersubjektive Thematik.
Ein Text-Beispiel:
“Es gab einen ungeschriebenen Katalog der Gos und Nogos, was anthroposophically correct und incorrect ist.
Gegen Homosexualität, gegen Amerikanismus, gegen Juden, gegen vermeintlich rückständige Kulturen, gegen Materialisten, gegen Wissenschaftler, gegen Fußball, gegen die nichtanthroposophischen Nachbarn, gegen Leistungssport, gegen Popkultur, gegen Rockmusik, im Grunde gegen jede Form von individueller Lebenslust und unprätentiösem Mainstream. Die Vorurteile wurden nicht als offene Diskriminierung formuliert, sondern immer als Diagnose einer Abweichung vom anthroposophischen Ideal und letztlich eines irgend karmischen Entwicklungsdefekts.“
Grauers Befreiungsweg führt den Leser über Nietzsche und Helge Schneider zu Jon Kabat-Zinn und durch einen Nullpunkt…
Die Lektüre ist sehr zu empfehlen – und auch die Kommentare sind nicht ganz uninteressant! Vielleicht kommen zu den bisherigen vier Teilen ja noch weitere hinzu?!

Neu: Handbuch zum Vortragswerk Rudolf Steiners

Das Handbuch von Christian Karl, das 1991/1993 in zwei Bänden im Novalis-Verlag erschienen war, ist neu aufgelegt worden. Es ist jetzt allerdings nur noch im Internet als pdf zu haben. Die korrigierte und wesentlich erweiterte Fassung umfasst jetzt u.a. auch mündliche Angaben Steiners und Referate zu den in der Zwischenzeit neu erschienen Bänden der Gesamtausgabe. Die letzte Aktualisierung des Handbuchs fand am 3.2.2009 statt.
In minutiöser Kleinarbeit werden Zusammenfassungen der Vorträge ganzer GAs erstellt und mit Verknüpfungen und Lesezeichen versehen. Es gibt Inhalts-, Abbildungs-, Stichwort- und Vortragsverzeichnisse und verschiedene Download-Möglichkeiten.
Hier der Link zum www.Rudolf-Steiner-Handbuch.de

Samstag, 18. Juli 2009

So exorbitant “anthroposophisch”…

Die berühmten Epigramme des tiefreligiösen und erzkatholischen Mystikers Angelus Silesius sind in ihrer prägnanten Kürze immer wieder beeindruckend für mich.
Der radikale Gegenreformator – er betrachtete Luther als Luzifer – spricht in ihnen tiefe Wahrheiten auf den Punkt genau aus. Man kann den Eindruck bekommen, dass die beiden doch recht gegensätzlichen Stömungen Katholizismus und Anthroposophie in manchen Schichten aus ein und derselben Quelle schöpfen.
Das höhere Ich ist etwas, das sich aus sich selbst hervorbringt. In dem Augenblick dieser Geburt entsteht eine Einheit mit etwas, das man “objektiv Geistiges” nennen kann (mit Gott). Silesius findet noch Gott in sich. Heute gebiert man sich aus sich und damit auch Gott.
“Halt an, wo laufst du hin? Der Himmel ist in dir;
Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.”
“Nichts ist, das dich bewegt, du selber bist das Rad,
Das aus sich selbsten lauft und keine Ruhe hat.”
“Gott wohnt in einem Licht, zu dem die Bahn gebricht.
Wer es nicht selber wird, der sieht Ihn ewig nicht.”
“Wer lautern Herzens lebt und geht auf Christi Bahn,
Der betet wesentlich Gott in sich selber an.”
“Du darffst zu Gott nicht schreyn, der Brunnquell ist in dir:
Stopffsttu den Ausgang nicht, er flüsset für und für.”
“Gott ist so vil an mir, als mir an Ihm gelegen,
sein Wesen helff ich Ihm, wie Er das meine hegen.”
“Mensch, was du liebst, in das wirst du verwandelt werden,
Gott wirst du, liebst du Gott, und Erde, liebst du Erden.”
Den “Cherubinischen Wandersmann” gibt´s übrigens vollständig online im Projekt Gutenberg abgedruckt! Zwei Ausgaben sind auch bei Anthro-Antiquariat erhältlich!
Interessant zu diesem Thema auch folgende seltene Veröffentlichung:
Brie, Maria: Von Angelus Silesius über Fichte zu Steiner, 1922, auch bei Anthro-Antiquariat im Angebot!

Rezension von Gastautor Rainer H. über “Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart”

Bestseller-Autor Eckhart Tolle ist mit seinen Büchern "Jetzt" und "Eine neue Erde" immer noch ganz oben in den Charts. Seine spirituelle Aussage ist denkbar einfach: Vergangenheit und Zukunft können nur im JETZT erlebt werden - daher gibt es im Grunde keine Realität außerhalb vom JETZT. Zur Rezension von Rainer H.: 


Ein Lieblingsbuch von mir, welches ich kürzlich zum wiederholten Male gelesen habe: Eckhart Tolle: “Jetzt – Die Kraft der Gegenwart”. Für mich persönlich gehört dieses Buch nicht in erster Linie zu den “interessanten und anregenden” spirituellen Büchern, die ich auch kenne (und die es auch geben muss) – nein, Tolles Buch war und ist für mich lebensverändernd und existentiell wchtig.
Als ich das Buch vor einigen Jahren nach dem ersten Lesen aus der Hand lag, hatte ich ein Gefühl der Dankbarkeit: “Das ist es, darauf habe ich lange, lange gewartet…”
Er hat eigentlich keine “Lehre”, die man an dieser Stelle wiedergeben könnte; er schreibt in sowohl sehr einfachen als auch sehr tiefen Worten über die grundlegende, an keine Richtung gebundene spirituelle Übung überhaupt: Die Notwendigkeit, im jetzigen Moment zu leben, welche Erscheinung dieser Moment auch annehmen mag. Ein großer Teil des Buches handelt von den Schwierigkeiten im Jetzt zu leben, von unserem inneren subtilen Drang “mehr” haben zu wollen, oder irgendwo anders sein zu wollen, von unserem nie endenden Gedankenstrom, der fast unaufhörlich um Vergangenheit oder Zukunft kreist. So lautet ein Kapitel z.B. “Strategien des Verstandes, um die Gegenwart zu vermeiden”
An einigen Stellen erinnert Tolles Buch mich durchaus an G.Kühlewind: “Wenn du also einem Gedanken zuhörst, dann bist du dir des Gedankens bewusst, und zugleich auch deiner selbst als Zeuge dieses Gedankens. Eine neue Dimension von Bewusstheit ist entstanden. Während du dem Gedanken zuhörst, fühlst du eine bewusste Gegenwärtigkeit-dein tieferes Selbst-sozusagen hinter oder unter dem Gedanken.” (S.30)
Dies ist ein reines Übungsbuch, eine Art Gebrauchsanweisung für einen spirituellen Alltag; es ist m.E. sinnlos, in einen Diskurs über Tolle treten zu wollen “Du kannst über Gegenwärtigkeit nicht nachdenken und der Verstand kann sie nicht verstehen. Gegenwärtigkeit verstehen heißt gegenwärtig sein.” (S. 105)
Rainer H.

Antiquariats-Auswahl KARL HEYER


Bücher von Karl Heyer

NEU: Viele Einzelhefte des EUROPÄER

Kürzlich bekam ich eine Menge Exemplare der Zeitschrift
“Der EUROPÄER : Symptomatisches aus Politik, Kultur und Wirtschaft. – Monatszeitschrift auf Grundlage der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners” aus dem Perseus-Verlag in Basel.
Die Inhaltsverzeichnisse findet man jeweils unter “Kurzinfo”
Hier zum Link: Der EUROPÄER

Xristus aller Erde

ANKLICKEN - und schauen, ob noch verfügbar!

“Christus aller Erde” ist eine erste Schriftenreihe der Christengemeinschaft, die in 39 kleinen Bändchen (16 x 11 cm) erschien. Der Herausgeber Friedrich Doldinger stellt diese Reihe – mit viel Pathos – folgendermaßen vor:

“Diese Schriftenreihe, deren Verfasser in freier und selbstverantwortlicher Weise sprechen, will ebenso einem Weisheit suchenden Erkenntnisbedürfnis dienen wie einer weitgespannten Andachtsstimmung; zu letzterem kann sie im besonderen vielleicht auch die bildhafte Formung der Inhalte befähigen. Sie möchte dazu mithelfen, daß das langsam aufdämmernde neue Erdegefühl klare Gestalt und konkrete Erfüllung gewinne durch die Erschließung neuer geiststarker Weihequellen zu erneuernder Tat. Sie wendet sich an jedermann, der unbefangen und mutig Christus sucht in aller Erde und für alle Erde.”
Einige dieser Bücherlein habe ich im Angebot - hier zu besichtigen!
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Was man in Büchern alles so findet...

…ein winziges grasendes Schaf. Besonders beachtlich finde ich die extra eingebauten Ohren!



3 Antworten zu “Was man alles in Büchern findet…” aus dem alten Blog



  1. Schöön!! und auch schön fotographiert
    herzlichen Gruß!



  2. Bönhase sagte

    Agnus Libri.
    Wie groß ist denn das kleine?


    • Ruth Jäger sagte

      3,5 x 5 cm!

      Nächstes Mal werd ich nen Streichholz dazulegen!
      Liebe Grüße!


Philosophie der Freiheit 1

In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
Ich möchte hier regelmäßig einige Gedanken dazu wiedergeben. Meine Beiträge sollen jedoch KEIN strukturiertes Protokoll sein. Ich möchte hier Gedanken äußern, die in der Runde ausgesprochen oder auch NICHT ausgesprochen wurden. Es handelt sich also um eine subjektiv-protokollähnliche Gedankensammlung ohne jeden Vollständigkeitsanspruch. Man möge also, die Sätze, in denen ich Rudolf Steiner referiere (und natürlich alle anderen), gern kommentieren und korrigieren!
Zur Vorrede
Rudolf Steiner stellt in seiner Vorrede zur Neuausgabe 1918 zwei Fragen, als Zentralfragen seines Buches dar. Die erste ist die nach einer Anschauung vom Menschen, die sich als eine Stütze erweist für alles, was ihm aus der Welt und von innen entgegenkommt. Die zweite Frage ist die Frage nach der Freiheit im Wollen.
Auf den ersten Blick erscheint die Frage nach der Stütze schwieriger zu verstehen, als die nach der Freiheit. Welche Qualität oder Substanz kann solch eine Stütze haben? Es geht um eine Anschauung vom Menschen, also um ein Bild, eine Erkenntnis vom Menschen. Ein „Menschenbild“? „Der Versuch wird gemacht, nachzuweisen, dass es eine Anschauung über die menschliche Wesenheit gibt, welche die übrige Erkenntnis stützen kann“ (S.7) Es geht also um Erkenntnis-Sicherheit.
Steiner nennt diese beiden Fragen „Wurzelfragen“ – ein merkwürdiges Wort, das erstens darauf hinweisen könnte, dass es dabei um Grundlegendes und Ursächliches geht. Man könnte assoziieren, dass…

…eine persönliche Verwurzelung in diesem Frage/Antwort-Komplex möglich und gut sei. Es geht um etwas, das in einem festen Grund wurzelt. Des Weiteren verbindet sich mit dem Begriff „Wurzel“ die Idee von Ernährung und Leben. So wird auch betont, dass das Auftauchen der zweiten Frage, bei einer bestimmten Seelenverfassung „naturgemäß“ sei. Die Frage nach der Freiheit, ist also eine, die einer gesunden und modernen Seele kommen MUSS?
Wie verhalten sich die beiden Fragen zueinander? Die Seelenerlebnisse, die durch die Frage nach der Freiheit entstehen, sind abhängig von meinem „Bild des Menschen“, von meiner „Erkenntnis des Menschen“, bzw. davon, was für ein Verhältnis ich zur „Stütze“ habe, also zur ersten Frage. Vereinfacht gesagt: Meine Freiheitsfähigkeit ist abhängig von meiner Erkenntnisfähigkeit !??
Auf den folgenden Seiten verweist Steiner mehrfach auf ein „Seelengebiet“, ein „Gebiet“ das zur Behandlung der Fragen aufgefunden werden soll. Er nennt es „Erlebnisgebiet“ und auch „Geistgebiet“. „Nicht eine solch fertige, abgeschlossene Antwort wird gegeben, sondern auf ein Erlebnisgebiet der Seele wird verwiesen, auf dem sich durch die innere Seelentätigkeit selbst in jedem Augenblicke, in dem der Mensch dessen bedarf, die Frage erneut beantwortet.“ (S.8)
In diesem Satz sind zahlreiche existentielle Themen angeschnitten: Es geht sozusagen um eine geistige VerORTung, Verräumlichung, des Themas: WO findet der Frage-und-Antwort-Prozess statt – ein Gebiet. Dann geht es um „jeden Augenblick“, also um eine zeitliche Dimension. Die Frage kann sich in jedem Augenblick NEU beantworten. Es gibt also im Grunde nicht die eine Antwort im umgangssprachlichen Sinne, sondern einen „Antwort-Prozess“, der in ständiger Wandlung begriffen ist?! Außerdem ist noch eine menschlich-seelische Bedürftigkeit angesprochen.
Interessant ist, dass hier plötzlich nur noch von einer Frage die Rede ist, obgleich gerade zwei formuliert wurden. Vielleicht ist dies eine Art „Hindeutung“ darauf, dass in einer bestimmten Schicht beide Fragen zu einer einzigen werden?
Man muss feststellen, dass Rudolf Steiner mit seiner Philosophie der Freiheit einen recht weitgehenden Anspruch verbindet: Sie zielt auf Erkenntnissicherheit, die der Mensch „nicht entbehren“ kann, wenn er auch in Fragen der Naturwissenschaft und der geistigen Forschung Sicherheit erlangen möchte (S.9).
Am kommenden Dienstag, den 16.6.: Erstes Kapitel „Das bewusste menschliche Handeln“

2 Antworten zu “Philosophie der Freiheit 1” aus Kommentararchiv:


  1. Liebe Frau Jäger,

    danke für diese Idee, hier einen “Blog” einzurichten.
    Ich werde versuchen mich zu beteiligen.
    Konstantin Eulenburg (bin auch Dienstags dabei)


    • Ruth Jäger sagte


      Schön, freut mich!
      Dann werden wir uns ja heut abend kennenlernen!
      Viele Grüße
      Ruth Jäger


Exlibris Michael und der Drache


Dies schöne Exlibris stammt offenbar – wie die Bildunterschrift zu erkennen gibt – aus einem Buch von Rudolf Frieling.
“Exlibris (von lat. ex = aus und libris = Büchern) dienen zur Kennzeichnung von Büchern. Solche Bucheignerzeichen sind Ausdruck des Besitzanspruches und des Besitzerstolzes von Bücherfreunden.Vorläufer der gedruckten Exlibris waren handschriftliche Besitzvermerke, die schon in den frühmittelalterlichen Scriptorien der Klöster üblich waren. Mit der Erfindung des Buchdruckes durch Johannes Gutenberg um das Jahr 1440 gelangten Bücher preiswerter an einen weiteren Leserkreis. Die daraus resultierende Blüte der Bibliotheken ließ den Wunsch aufkommen, den eigenen Buchbesitz zu kennzeichnen. In den Einbänden klebten nun Exlibris; kleine gedruckte grafische Kunstwerke auf Papierbögen als Holzschnitt, Kupferstich, Stahlstich, Lithografie oder in einer der modernen Drucktechniken…” (Wikipedia-Eintrag)

Wilhelm Pelikan: Lebensbegegnung mit Leonardos "Abendmahl"

“Wenn ein Geist aus dem Mars herunterkäme auf die Erde und alles sehen würde, dann würde er vielleicht kein Stück der Erde begreifen, aber er würde die eigentliche Erdenmission verstehen, wenn er das “Abendmahl” von Leonardo da Vinci auf sich wirken lassen könnte. Da würde ein solcher Marsbewohner sehen können, wie das Sonnendasein hineingeheimnißt sein muß in das Erdendasein, und alles, wovon man ihm sagen würde, daß es die Erde bedeutet, würde ihm dadurch klar werden… Wenn ich die Mittelgestalt mit den umgebenden zusammenhalte – dann fühle ich, was die Geister der Weisheit empfunden haben auf der Sonne, was uns hier wieder entgegentönt in dem Wort “Dies tut zu meinem Andenken”.(Rudolf Steiner zitiert nach: Pelikan, Wilhelm: Lebensbegegnung mit Leonados “Abendmahl”.)
Aus dem Inhalt:
Eine Kopie des “Abendmahles” in Ponte Capriasca
Eine Begegnung mit dem Original
Leonardo als Mensch und Künstler
Leonardo beim Malen des “Abendmahles”
Licht und Finsternis
Zur Gestalt des Judas und ihrer Darstellung in Leonardos Bild
Rudolf Steiner über das “Abendmahl” und dessen “Unvollkommenheit”
Die Judas-Individualität im Lichte der Geistesforschung
Rudolf Steiner über die drei Magier und die drei Totenerweckungen im Evangelium
Das Wesen der künstlerischen Inspiration…
Hier geht´s zum Angebot:

Lebensbegegnung mit Leonardos Abendmahl : Erfahrenes und Erschautes an einer Pilgerstätte der Menschheit ; Betrachtungen auf der Grundlage geisteswissenschaftlicher Ideen. - Pelikan, Wilhelm VERKAUFT
1988, Verl. am Goetheanum, Einbandart: Hardcover.

In der Gegenwart für die Zukunft

Rudolf Steiner 1915: Gemeinsamkeit über uns - Christus in uns.
“Wir begründen Menschengemeinschaften, in denen gar nichts herrschen darf von irgendeinem Autoritätsglauben, von Anerkennung einer Lehre, nur weil sie von der einen oder anderen Persönlichkeit geliefert wird. Wir begründen Menschengemeinschaften, in denen alles, alles gebaut sein muß auf die freie Zustimmung der Seele zu den Lehren. Damit bereiten wir dasjenige vor, was die Geisteswissenschaft Gedankenfreiheit nennt. Und dadurch, daß wir uns zusammenschließen, uns in brüderlichen Vereinigungen verbinden, um unsere Geisteswissenschaft zu treiben, bereiten wir dasjenige vor, was als Kultur, als Zivilisation die sechste nachatlantische Kulturperiode durchdringen soll.
(…) Daher dürfen wir uns vorstellen, daß dadurch, daß wir uns in Arbeitsgruppen brüderlich vereinigen, unsichtbar über unserer Arbeit schwebt dasjenige, was von den Wesen der höheren Hierarchien gepflegt wird, damit es dann herunterströmen kann in unsere Seelen, wenn sie wieder da sein werden in der sechsten Kulturperiode.”

Impressum

IMPRESSUM / Gesetzliche Anbieterkennung:
ANTHROPOSOPHIE-Antiquariat Ruth Jäger
Einzelunternehmer Ruth Jäger
Moorkamp 16
20357 Hamburg
Deutschland
Telefon: +49 (0) 40 4146 8860
Telefax: +49 (0) 40 6558 4246
Email: Antiquariat-Jaeger@posteo.de
USt-ID-Nr.: DE261359816

Inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 55 RStV:
Ruth Jäger
Moorkamp 16
20357 Hamburg



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Informationen zur Online-Streitbeilegung: Die EU-Kommission wird im ersten Quartal 2016 eine Internetplattform zur Online-Beilegung von Streitigkeiten (sog. "OS-Plattform") bereitstellen. Die OS-Plattform soll als Anlaufstelle zur außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten betreffend vertragliche Verpflichtungen, die aus Online-Kaufverträgen erwachsen, dienen. Die OS-Plattform wird unter folgendem Link erreichbar sein: http://ec.europa.eu/consumers/odr 

Donnerstag, 16. Juli 2009

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