Donnerstag, 24. September 2009

Philosophie der Freiheit 5

Die Saison beginnt wieder, auch die Arbeit an der "Philosophie der Freiheit" in der Rudolf Steiner Buchhandlung Hamburg wird seit letzter Woche fortgesetzt.

Die äußere Welt stellt sich dem Menschen so dar, dass sie fortwährend sein Begehren, seine Sehnsucht weckt. Der Mensch sucht permanent nach einem MEHR, in der Welt, die ihm gegenüber steht. Der Überschuss, den wir in den Dingen suchen, spaltet unser Wesen in zwei Teile. Soweit die ersten Gedanken des zweiten Kapitels.
Auffällig ist nun, dass Steiner im folgenden Abschnitt die Perspektive umdreht: WIR sind es, die eine Wand zwischen uns und der Welt aufrichten, sobald unser Bewußtsein erwacht. Hilfreich finde ich in diesem Zusammenhang das Wörtchen "indem". Es deutet auf eine GleichZEITIGKEIT und auf eine gewissen Identität hin: Indem sich die Welt mir gegenüber einfindet, ist mein Bewußtsein in Tätigkeit und eine Spaltung geschehen. Andersherum: Ich spalte die Welt durch mein Bewußtsein, sobald es aufleuchtet, indem es aufleuchtet. Man muss aushalten, dass nicht eindeutig zu klären ist, auf welcher Seite die Ursache liegt.
Das Streben nach der Überbrückung des Gegensatzes entspringt aus dem GEFÜHL, dass wir doch zur Welt gehören und lebt sich in Kunst, Religion und Wissenschaft aus. Auch im dritten Abschnitt findet sich wieder ein Perspektivenwechsel. Das MEHR, der Überschuss, zu dem wir nicht ohne weiteres Zugang haben, findet sich hier plötzlich nicht in der Welt, sondern im ICH! Auch hier hat man einen paradoxen Gedanken auszuhalten, nämlich den, dass das Mehr der Erscheinungswelt und das ICH in einer gewissen Sphäre eins sind.
Diese Einheit ist nach Steiner herzustellen, indem der "Weltinhalt zum Gedankeninhalt" gemacht wird. Für mich ein sehr rätselhafter Vorgang, wenn ich den Satz wirklich wörtlich nehme: Kann ich die Erscheinungswelt, also die materiellen Gegebenheiten in meinen Geist hinein verwandeln? Verändere ich dann nicht ihre Substanz? Ist dies ein alchimistischer Vorgang?

Steiner beschreibt dann, wie philosophiegeschichtlich mit diesem Thema umgegangen wurde. Er bezeichnet die verschiedenen Herangehensweisen als "Monismus" und "Dualismus".
Dazu später mehr!