Sonntag, 4. Oktober 2009

Artikel 6 zur "Philosophie der Freiheit"


Steiner beschreibt im vierten Abschnitt des zweiten Kapitels, wie philosophiegeschichtlich mit der „Ich-Welt-Thematik“ umgegangen wurde. Er bezeichnet die verschiedenen Herangehensweisen als "Monismus" und "Dualismus". Der Dualismus richtet den Blick nur auf die Trennung von Ich und Welt. Er strebt eine „Wiedervereinigung“ zwar an, er kann die Brücke zwischen beiden jedoch nicht finden. Dies liegt daran, dass er in Geist und Materie oder auch Subjekt und Objekt zwei grundverschiedene Wesenheiten sieht, die sich gegenseitig vollständig fremd sind. Im Geist ist nichts, was auch in der Natur wäre, in der Natur ist nichts, was auch im Geist wäre. So haben beide auch keine Wirkungsmöglichkeit aufeinander, es besteht überhaupt keine Beziehung. Insofern ist auch eine Versöhnung nicht denkbar.
Der Monismus tritt in drei verschiedenen Spielarten auf. Erstens als Materialismus. Der Materialismus leugnet den Geist vollständig. Es existiert nur Materielles. Steiner widerlegt dies auf eine denkbar einfache Weise: In dem Moment, in dem ich anfange über Materie zu denken, denke ich bereits. Ich betätige also Geist, den es daher auch geben muss. Der Materialist könnte nun entgegnen, dass der Denkprozess über die Materie eben auch ein materieller Prozess sei. "Er glaubt, dass das Denken im Gehirne etwa so zustande kommt, wie die Verdauung in den animalischen Organen." Damit ist die Fähigkeit des Denkens aber nur an einen anderen Ort verlegt. Der Materialist dreht sich somit im Kreis, denn er ist wieder an der Ausgangsfrage angelangt. "Wie kommt die Materie dazu über ihr eigenes Wesen nachzudenken? Warum ist sie nicht einfach mit sich zufrieden und nimmt ihr Dasein hin?"
Mir bleibt bei dieser simplen Widerlegung die Frage, ob der Materialist nicht trotzdem logisch weiterargumentieren könnte: Gedanken seien eben sehr sehr feine materielle Vorgänge, die irgendwann wissenschaftlich noch vollständiger analysiert werden können als jetzt schon. Es sei daher kein qualitativer oder substantieller Unterschied zwischen Geist und Materie anzunehmen. Die Sinnfragen der Menschen seien eben ein Spiel der Natur, die das Leben vielleicht einwenig interessanter machen, aber eigentlich doch sinnlos sind und natürlich nicht auf irgendeine grundsätzlich andere Seinsform verweisen??!!

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Foto: Linzenzfreies Bild von Wikipedia