Montag, 8. März 2010

Artikel 10 zur "Philosophie der Freiheit"

Im weiteren Verlauf nimmt das 3. Kapitel dann eine Wendung: Die Beobachtung des Denkens ist doch möglich - und sie ist sogar die wichtigste Beobachtung, die wir überhaupt machen können: 
- Jeder normal organisierte Mensch hat die Fähigkeit das Denken zu beobachten.
- Dies ist die allerwichtigste Beobachtung, die er machen kann und damit ist ein fester Punkt gewonnen.
- Wir erkennen das Denken unmittelbarer und intimer als jeden anderen Prozess in der Welt, gerade weil wir es selbst hervorbringen
- In meinem Denken erfasse ich mich in meiner ureigensten Tätigkeit.
- „Wenn ich aber mein Denken betrachte, so ist kein solches unberücksichtigtes Element vorhanden. Denn was jetzt im Hintergrunde schwebt, ist selbst wieder nur das Denken. Der beobachtete Gegenstand ist qualitativ derselbe wie die Tätigkeit, die sich auf ihn richtet. Und das ist wieder eine charakteristische Eigentümlichkeit des Denkens. Wenn wir es zum Betrachtungsobjekt machen, sehen wir uns nicht gezwungen, dies mit Hilfe eines Qualitativ-Verschiedenen zu tun, sondern wir können in demselben Element verbleiben.“
Das heißt also in der Beobachtung des Denkens wird das Beobachten ein Denken. Beides (vorher als Urgegensatz bezeichnet) fällt in eins zusammen!
- Man entschlüpft dem Denken nicht. Beim Betrachten des Denkens, komme ich aus ihm nicht heraus. 
Und als drittes ist dann noch das ICH mit im Bunde (-eine Art Dreieinigkeit):
- Das „Ich“ selbst ist es, das im Denken drinnen stehend seine Tätigkeit beobachtet. Das „Ich“ steht nicht außerhalb des Denkens.
- Das Denken ist das im „Ich“ selbst als überschaubare Tätigkeit hervorgebrachte. Dies kann man einfach beobachten.  
- Nur in der Betätigung des Denkens weiß sich das „Ich“ bis in alle Verzweigungen der Tätigkeit  mit dem Tätigen als ein Wesen. Bei keiner anderen Seelentätigkeit ist dies restlos der Fall.
- „Mein Suchen kommt erst auf einen festen Grund, wenn ich ein Objekt finde, bei dem ich den Sinn seines Daseins aus ihm selbst schöpfen kann. Das bin ich aber selbst als Denkender, denn ich gebe meinem Dasein den bestimmten, in sich beruhenden Inhalt der denkenden Tätigkeit.“
Zum Verständnis dieses Verhältnisses müssen wir die Theorie von "Subjekt und Objekt" bereits überwunden haben. 
- Wir müssen erst das Denken ganz neutral, ohne Beziehung auf ein denkendes Subjekt oder ein gedachtes Objekt betrachten. Denn in Subjekt und Objekt haben wir bereits Begriffe, die durch das Denken gebildet sind. 
.