Dienstag, 18. Oktober 2016

Rolf Speckner: Von der Theosophie zur Anthroposophie – Anthroposophie in Hamburg 1898 – 1914.

BUCHREZENSION
Das neue Buch von Rolf Speckner ist besonders - aber durchaus nicht nur - für Norddeutsche interessant. Denn hier wird eine detailgetreue Rekonstruktion der Historie des Hamburger Zweiglebens versucht, aber immer wieder werden auch Belange der theosophischen und anthroposophischen Bewegung im Allgemeinen berührt und anhand archivierter Quellen ausgewertet. In dieser Studie werden zahllose Dokumente berücksichtigt, die bislang unerschlossen in Archiven auf ihre Entdeckung warteten. Dies macht den über 350 Seiten langen Text so spannend. Es handelt sich übrigens erst um Band 1 eines voraussichtlich dreiteiligen Projektes. Die Darstellung verläuft chronologisch, so dass für jedes einzelne Jahr wichtige Ereignisse aber auch Konflikte und Streitigkeiten dokumentiert sind. Ausführlich wird über den Zyklus „Das Johannes-Evangelium“, den Rudolf Steiner in Hamburg hielt, berichtet. Und immer wieder weist R. Speckner darauf hin, dass Steiner und viele der damaligen Anthroposophen ein intensives Verhältnis zur Freimaurerei kontinuierlich über die Jahre pflegten.
Vom Zweigraum im Curio-Haus am Rothenbaum und vom rosenkreuzerisch geschmückten Saal im Patriotischen Gebäude in der Innenstadt sind bemerkenswerte Fotos erhalten. Überhaupt ist der Band mit vielen Illustrationen versehen.
Beeindruckend auch die Auswertung der Korrespondenz bezüglich der Trennung der Anthroposophischen von der Theosophischen Gesellschaft, die – wie manche Briefe belegen - gleichsam konspirativ betrieben wurde und natürlich nicht nur Hamburg betraf.
Hier gibt es weitere Information zum Thema: www.rolf-speckner.de. Zu erwerben ist das Buch, das übrigens nur in einer knappen Auflage von 100 Exemplaren erschienen ist, im Rudolf Steiner Haus Hamburg.