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Freitag, 4. Dezember 2009

Interview mit Ludwig Flocken, Orthopäde aus Hamburg / Bergedorf - "Die Patienten zahlen hier was sie wollen..."

Gemeinhin sagt man ja, unter den Lehrern seien die Erdkundelehrer die schlimmsten und unter den Ärzten die Orthopäden. Ich möchte heute von einem Orthopäden berichten, der eine ausgesprochen erwähnenswerte Ausnahme dieser „Regel“ darstellt.
Ludwig Flocken, Privatarzt für Orthopädie, Akupunktur, anthroposophische Medizin und einiges mehr, betreibt seine Praxis etwas anders als die andern:
- Kassenpatienten, die die Behandlungskosten ja nicht erstattet bekommen, zahlten bislang einen Betrag völlig nach eigenem Ermessen (das freie Honorar).
- Mittellose Patienten, die nichts zahlen können, werden trotzdem behandelt. Der Verein Therapeutikum Apis kommt dann für die Kosten auf. Finanzschwache Patienten werden einzig dazu aufgefordert 50 EUR zu hinterlegen – ein Pfand für die Einhaltung eines verlässlichen Termins, das dann zurückgezahlt wird, wenn der Termin auch wirklich wahrgenommen wurde.
- Patienten, die einen Termin nicht einhalten ohne rechtzeitig abzusagen, werden gebeten dem Verein einen selbst zu bestimmenden Betrag zu spenden - nicht als Ersatz für das gängige Ausfallhonorar, sondern auch als Geste der Verantwortung. Wer nichts spenden möchte, wird weiterbehandelt wie jeder andere Patient, bekommt aber seinerseits keinen verlässlichen Termin mehr, so dass er unter Umständen eine halbe Stunde warten muss.
- Flocken hat seinen Praxisbetrieb so organisiert, dass er seinen Patienten garantieren kann minutengenau zum verabredeten Termin behandelt zu werden (Das klappt wirklich – ich hab´s erlebt!).

Mit dieser ungewöhnlichen Praxis soll nun endgültig Schluss sein. Schon im Februar 09 erteilte das Berufsgericht einen Verweis, die taz berichtete. Das Berufungsverfahren fand am 18.11.09 statt und endete für Flocken leider erfolglos: Mittellose Patienten müssen zukünftig abgewiesen werden und für gesetzlich Versicherte gilt jetzt die Gebührenordnung (GOÄ), die eigentlich für Privatversicherte konzipiert ist.

RJ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, so unorthodox zu verfahren? Dass Kassenpatienten den zu zahlenden Betrag einfach selbst bestimmen können, habe ich vorher noch von keiner Arztpraxis gehört?
LF: Ich wollte gerade einen Modus finden, gegen den niemand etwas haben kann und der den Patienten die Angst nimmt, mit unkalkulierbar hohen Kosten konfrontiert zu werden. Ich habe in den letzten sechs Jahren nie mit Patienten über das freie Honorar gestritten und habe erlebt, dass das Vertrauensverhältnis dadurch gefördert wird.

RJ: Wie reagieren die Patienten denn auf diese Methoden, werden Sie nicht auch ausgenutzt?
LF: So etwas ruft natürlich zunächst Skepsis hervor, das ist normal. Aber meine Erfahrung ist, dass Skepsis und Unsicherheit sich wandeln in eine Haltung des Vertrauens und der Sicherheit über die Entscheidung bezüglich der Höhe des Honorars - das ist ein Prozess.
Ausgenutzt werde ich nur von einer verschwindend kleinen Minderheit; wenn ich dem Patienten mehr Vertrauen entgegenbringe, als er erwarten kann, dann wird dies Vertrauen fast nie enttäuscht.
Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte, ist dass sich die Skepsis bei Außenstehenden Ideologen in Ablehnung und nicht selten in Hass verwandelt.

RJ: Aber welche Gründe gibt es denn, solche Regelungen abzulehnen?
LF: Ich habe vier verschiedene Ablehnungstypen erlebt, 1. den Wirtschaftliberalen, der die Idee des freien Honorars nicht mit seinem Weltbild der egoistisch geprägten Marktwirtschaft vereinbaren kann. 2. den Alt68er, bzw. den Ökobewegten, der es nicht mag, dass etwas geschieht, wovon er geträumt hat, ohne es verwirklicht zu haben.
Der 3. Typ ist der (Sozial)Staatsgläubige, der meint, in unserem paradiesischen Wohlfahrtssystem seien solche individualistischen Sonderwege nicht nötig, sondern doch eher störend (Wenn das alle machen würden...)
Der 4. bekämpft als Rechts-Konservativer jeden, der unorthodox-kreativ eigene Wege geht und Dinge einfach umsetzt, die er selbst nicht einmal denken möchte, weil er sie als Bedrohung empfindet.
Zuletzt gibt es auch noch denjenigen, der ohne Ideologie einfach sich und seine Arbeit bedroht sieht, wenn da jemand ist, dessen Arbeit ohne jede Forderung einen Geldfluss auslöst.

RJ: Die minutengenaue Termineinhaltung, die Sie garantieren, funktioniert ja wohl nur dann, wenn die Patienten auch wirklich zuverlässig zum vereinbarten Termin erscheinen? Wie reagieren die Patienten, die sich nicht an Vereinbarungen halten und dann von Ihnen um eine Spende für den Verein gebeten werden?
LF: Die meisten sind froh, durch eine einfache Spende die Sache aus der Welt zu bekommen, die ja gegenseitiges Vertrauen und Respekt belasten kann. Die Besonderheiten meiner Praxis führen allerdings dazu, dass einige wenige Leute das Gefühl bekommen, sie seien im Schlaraffenland – dies wird mir wirklich so zurückgemeldet. Sie können dann mit einer Spendenaufforderung bei Nichteinhaltung ihres Termins nicht umgehen und fühlen sich vor den Kopf gestoßen, obwohl eine freiwillige Spende nach eigenem Ermessen ja immer geringer ausfallen kann als ein gängiges Ausfallhonorar. Dies liegt meines Erachtens daran, dass der Begriff der Verantwortung historisch noch sehr jung ist. Die Begriffe „Schuld und Sühne“ sind dagegen sehr alt, aber noch unglaublich wirksam. Wenn man Verantwortung nicht denken kann, empfindet man eine Spendenaufforderung als Sanktion, Strafe oder Vorwurf.

RJ: Ich finde es sehr schade, dass das freie Honorar, also die Bezahlung nach eignem Ermessen für Kassenpatienten, die so lange gut funktioniert hat, zukünftig passé sein soll. Gibt es eigentlich eine gesetzliche Regelung, die vorschreibt, was Sie künftig tun müssen, wenn ein Patient einen anderen Betrag zahlt, als der nach der Gebührenordnung erstellte  Rechnungsbetrag vorsieht? – müssten Sie beispielsweise Zahlungserinnerungen verschicken?
LF: Meines Wissens nicht!

Hier sei noch kurz angefügt:
Ich sah kürzlich zufällig einen Beitrag im ZDF-Auslandsjournal. Es ging um einen Arzt auf einer kleinen Karibik-Insel, der von den Reichen Geld nimmt und Arme umsonst behandelt. Solche Informationen werden von uns wohlwollend zur Kenntnis genommen und wir klopfen solch einem engagierten Arzt innerlich symbolisch auf die Schulter, machen uns aber nicht klar, dass ähnlich menschenfreundliche Aktivitäten in unserer ach so entwickelten Bundesrepublik schlichtweg gerichtlich unterbunden werden. 




Montag, 30. November 2009

Ebay-Auktion: 25 Hefte und Bücher von Rudolf Steiner aus den 30er und 40er Jahren.


Die Hefte weisen starke Gebrauchsspuren auf, aber sie wegzuwerfen bringe ich nicht übers Herz. Daher eine Auktion bei ebay. Dort findet man auch die genauen Titel, die Seitenzahl und die Anzahl der Vorträge. 1,- EUR Startpreis. Die Auktion endet am Donnerstag, den 10.12. um 19.45 Uhr.
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Samstag, 28. November 2009

Weihnachtsvorträge von Rudolf Steiner

Hier eine Reihe der bekannten Sonderveröffentlichungen der GA zum Thema Weihnachten im Antiquariats-Angebot:

Sortierung:
Autor | Titel | Eingangsdatum | Preis | Preis + Porto





Mit Bild! Et incarnatus est ... : Die Umlaufszeit geschichtlicher Ereignisse ; Vortr. ; [Nach e. vom Vortragenden nicht durchges. Nach - Steiner, Rudolf
1956, Einbandart: kartoniert.
3,70 €
Versandkosten 1,00 €
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Mit Bild! Weihnacht : Eine Betrachtung aus der Lebensweisheit (Vitaesophia). Vortrag. - Steiner, Rudolf
1967, Einbandart: kartoniert.
3,80 €
Versandkosten 1,00 €
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Mit Bild! Weihnacht : Eine Betrachtung aus d. Lebensweisheit (Vitaesophia). Vortrag [Nach vom Vortragenden nicht durchges. Nachschriften hrsg. von Ernst Weidmann] - Steiner, Rudolf
1967, Einbandart: kartoniert.
4,00 €
Versandkosten 1,00 €
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Mit Bild! Die Suche nach der neuen Isis, der göttlichen Sophia : 4 Vorträge. 1920. - Steiner, Rudolf
1961, Einbandart: kartoniert.
4,00 €
Versandkosten 1,00 €
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Mit Bild! Zeichen und Symbole des Weihnachtsfestes : 3 Vorträge. - Steiner, Rudolf
1957, Einbandart: kartoniert.
4,50 €
Versandkosten 1,00 €
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Mit Bild! Offenbarung aus den Höhen und Friede auf Erden : Weihnachten in schicksalsschwerster Zeit ; ein Vortrag, gehalten in Basel am 21 - Steiner, Rudolf
1981, Einbandart: kartoniert.
4,50 €
Versandkosten 1,00 €
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Mit Bild! Weihnachtsfeier : Das Weihnachtsfest des erneuten Christus-Verständnisses. Der kosmische Christus und die Geburt der Christus-E Goethes pädagogische Provinz aus Goethes Pädagog. Provinz: Die drei Ehrfurchten2 Vorträge, gehalten in Dornach am 26. Dezemb - Steiner, Rudolf
1977, Einbandart: kartoniert.
7,20 €
Versandkosten 1,00 €
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Mit Bild! Weihnachtspiele aus altem Volkstum : Die Oberuferer Spiele. Mehrere Blätter im Anhang. - Schröer, Karl Julius / Steiner, Rudolf / Froböse, Edwin / Lauer
1965, Verl. d. Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung., Einbandart: kartoniert.
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10,00 €
Versandkosten 1,00 €
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Samstag, 21. November 2009

Das Richtige aus Eigenem finden?


Kürzlich fand ich diesen Satz von Rudolf Steiner auf einem Zettel:
"Nicht darauf kommt es an, dass ich etwas anderes meine als der andere, sondern darauf, dass der andere, das Richtige aus Eigenem finden wird, wenn ich etwas dazu beitrage."
Das Gefühl Recht zu haben und Recht behalten zu wollen, kennt jeder. Jemanden zu überzeugen oder mit "schlagenden" Argumenten zu bedenken, gibt eine gewisse Befriedigung. Unsere ganze Kultur, die gesamte politische Sphäre ist davon aufs Peinlichste geprägt. Sie hat einen Kampfcharakter. 
Mir ist der Gedanke - obgleich zuerst sehr ungewohnt - ausgesprochen sympatisch und angenehm, andere nicht überreden, überzeugen, in mein Boot zerren zu müssen. Diese Haltung kann Gespräche so herrlich entspannen und lockern. Es fördert die Gelassenheit, wenn man sich sagt: "Ich sollte meinen Gesprächspartner gar nicht ändern WOLLEN".
Den zweiten Teil des Steinerschen Satzes finde ich etwas brisant. Es kann doch wohl nicht gemeint sein, dass A sich strategisch Dinge überlegt, die er beitragen kann um B dazu zu bringen etwas "Richtiges aus Eigenem" zu finden, das A schon kennt und nur herauskitzeln möchte !? Das geht vielleicht bei Kindern. Aber im Bezug auf Erwachsene wäre diese Haltung doch  pädagogisch und damit unstatthaft!? Welche Art des eigenen Beitragens kann gemeint sein? Doch wohl nur die, dass ich durch mein ehrliches, authentisches Sein in irgendeiner Schicht auf den anderen wirke?! 

Foto: © Havlena / PIXELIO
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