Samstag, 18. Juli 2009

So exorbitant “anthroposophisch”…

Die berühmten Epigramme des tiefreligiösen und erzkatholischen Mystikers Angelus Silesius sind in ihrer prägnanten Kürze immer wieder beeindruckend für mich.
Der radikale Gegenreformator – er betrachtete Luther als Luzifer – spricht in ihnen tiefe Wahrheiten auf den Punkt genau aus. Man kann den Eindruck bekommen, dass die beiden doch recht gegensätzlichen Stömungen Katholizismus und Anthroposophie in manchen Schichten aus ein und derselben Quelle schöpfen.
Das höhere Ich ist etwas, das sich aus sich selbst hervorbringt. In dem Augenblick dieser Geburt entsteht eine Einheit mit etwas, das man “objektiv Geistiges” nennen kann (mit Gott). Silesius findet noch Gott in sich. Heute gebiert man sich aus sich und damit auch Gott.
“Halt an, wo laufst du hin? Der Himmel ist in dir;
Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.”
“Nichts ist, das dich bewegt, du selber bist das Rad,
Das aus sich selbsten lauft und keine Ruhe hat.”
“Gott wohnt in einem Licht, zu dem die Bahn gebricht.
Wer es nicht selber wird, der sieht Ihn ewig nicht.”
“Wer lautern Herzens lebt und geht auf Christi Bahn,
Der betet wesentlich Gott in sich selber an.”
“Du darffst zu Gott nicht schreyn, der Brunnquell ist in dir:
Stopffsttu den Ausgang nicht, er flüsset für und für.”
“Gott ist so vil an mir, als mir an Ihm gelegen,
sein Wesen helff ich Ihm, wie Er das meine hegen.”
“Mensch, was du liebst, in das wirst du verwandelt werden,
Gott wirst du, liebst du Gott, und Erde, liebst du Erden.”
Den “Cherubinischen Wandersmann” gibt´s übrigens vollständig online im Projekt Gutenberg abgedruckt! Zwei Ausgaben sind auch bei Anthro-Antiquariat erhältlich!
Interessant zu diesem Thema auch folgende seltene Veröffentlichung:
Brie, Maria: Von Angelus Silesius über Fichte zu Steiner, 1922, auch bei Anthro-Antiquariat im Angebot!

Rezension von Gastautor Rainer H. über “Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart”

Bestseller-Autor Eckhart Tolle ist mit seinen Büchern "Jetzt" und "Eine neue Erde" immer noch ganz oben in den Charts. Seine spirituelle Aussage ist denkbar einfach: Vergangenheit und Zukunft können nur im JETZT erlebt werden - daher gibt es im Grunde keine Realität außerhalb vom JETZT. Zur Rezension von Rainer H.: 


Ein Lieblingsbuch von mir, welches ich kürzlich zum wiederholten Male gelesen habe: Eckhart Tolle: “Jetzt – Die Kraft der Gegenwart”. Für mich persönlich gehört dieses Buch nicht in erster Linie zu den “interessanten und anregenden” spirituellen Büchern, die ich auch kenne (und die es auch geben muss) – nein, Tolles Buch war und ist für mich lebensverändernd und existentiell wchtig.
Als ich das Buch vor einigen Jahren nach dem ersten Lesen aus der Hand lag, hatte ich ein Gefühl der Dankbarkeit: “Das ist es, darauf habe ich lange, lange gewartet…”
Er hat eigentlich keine “Lehre”, die man an dieser Stelle wiedergeben könnte; er schreibt in sowohl sehr einfachen als auch sehr tiefen Worten über die grundlegende, an keine Richtung gebundene spirituelle Übung überhaupt: Die Notwendigkeit, im jetzigen Moment zu leben, welche Erscheinung dieser Moment auch annehmen mag. Ein großer Teil des Buches handelt von den Schwierigkeiten im Jetzt zu leben, von unserem inneren subtilen Drang “mehr” haben zu wollen, oder irgendwo anders sein zu wollen, von unserem nie endenden Gedankenstrom, der fast unaufhörlich um Vergangenheit oder Zukunft kreist. So lautet ein Kapitel z.B. “Strategien des Verstandes, um die Gegenwart zu vermeiden”
An einigen Stellen erinnert Tolles Buch mich durchaus an G.Kühlewind: “Wenn du also einem Gedanken zuhörst, dann bist du dir des Gedankens bewusst, und zugleich auch deiner selbst als Zeuge dieses Gedankens. Eine neue Dimension von Bewusstheit ist entstanden. Während du dem Gedanken zuhörst, fühlst du eine bewusste Gegenwärtigkeit-dein tieferes Selbst-sozusagen hinter oder unter dem Gedanken.” (S.30)
Dies ist ein reines Übungsbuch, eine Art Gebrauchsanweisung für einen spirituellen Alltag; es ist m.E. sinnlos, in einen Diskurs über Tolle treten zu wollen “Du kannst über Gegenwärtigkeit nicht nachdenken und der Verstand kann sie nicht verstehen. Gegenwärtigkeit verstehen heißt gegenwärtig sein.” (S. 105)
Rainer H.

Antiquariats-Auswahl KARL HEYER


Bücher von Karl Heyer

NEU: Viele Einzelhefte des EUROPÄER

Kürzlich bekam ich eine Menge Exemplare der Zeitschrift
“Der EUROPÄER : Symptomatisches aus Politik, Kultur und Wirtschaft. – Monatszeitschrift auf Grundlage der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners” aus dem Perseus-Verlag in Basel.
Die Inhaltsverzeichnisse findet man jeweils unter “Kurzinfo”
Hier zum Link: Der EUROPÄER

Xristus aller Erde

ANKLICKEN - und schauen, ob noch verfügbar!

“Christus aller Erde” ist eine erste Schriftenreihe der Christengemeinschaft, die in 39 kleinen Bändchen (16 x 11 cm) erschien. Der Herausgeber Friedrich Doldinger stellt diese Reihe – mit viel Pathos – folgendermaßen vor:

“Diese Schriftenreihe, deren Verfasser in freier und selbstverantwortlicher Weise sprechen, will ebenso einem Weisheit suchenden Erkenntnisbedürfnis dienen wie einer weitgespannten Andachtsstimmung; zu letzterem kann sie im besonderen vielleicht auch die bildhafte Formung der Inhalte befähigen. Sie möchte dazu mithelfen, daß das langsam aufdämmernde neue Erdegefühl klare Gestalt und konkrete Erfüllung gewinne durch die Erschließung neuer geiststarker Weihequellen zu erneuernder Tat. Sie wendet sich an jedermann, der unbefangen und mutig Christus sucht in aller Erde und für alle Erde.”
Einige dieser Bücherlein habe ich im Angebot - hier zu besichtigen!
--------------------------------

Was man in Büchern alles so findet...

…ein winziges grasendes Schaf. Besonders beachtlich finde ich die extra eingebauten Ohren!



3 Antworten zu “Was man alles in Büchern findet…” aus dem alten Blog



  1. Schöön!! und auch schön fotographiert
    herzlichen Gruß!



  2. Bönhase sagte

    Agnus Libri.
    Wie groß ist denn das kleine?


    • Ruth Jäger sagte

      3,5 x 5 cm!

      Nächstes Mal werd ich nen Streichholz dazulegen!
      Liebe Grüße!


Philosophie der Freiheit 1

In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
Ich möchte hier regelmäßig einige Gedanken dazu wiedergeben. Meine Beiträge sollen jedoch KEIN strukturiertes Protokoll sein. Ich möchte hier Gedanken äußern, die in der Runde ausgesprochen oder auch NICHT ausgesprochen wurden. Es handelt sich also um eine subjektiv-protokollähnliche Gedankensammlung ohne jeden Vollständigkeitsanspruch. Man möge also, die Sätze, in denen ich Rudolf Steiner referiere (und natürlich alle anderen), gern kommentieren und korrigieren!
Zur Vorrede
Rudolf Steiner stellt in seiner Vorrede zur Neuausgabe 1918 zwei Fragen, als Zentralfragen seines Buches dar. Die erste ist die nach einer Anschauung vom Menschen, die sich als eine Stütze erweist für alles, was ihm aus der Welt und von innen entgegenkommt. Die zweite Frage ist die Frage nach der Freiheit im Wollen.
Auf den ersten Blick erscheint die Frage nach der Stütze schwieriger zu verstehen, als die nach der Freiheit. Welche Qualität oder Substanz kann solch eine Stütze haben? Es geht um eine Anschauung vom Menschen, also um ein Bild, eine Erkenntnis vom Menschen. Ein „Menschenbild“? „Der Versuch wird gemacht, nachzuweisen, dass es eine Anschauung über die menschliche Wesenheit gibt, welche die übrige Erkenntnis stützen kann“ (S.7) Es geht also um Erkenntnis-Sicherheit.
Steiner nennt diese beiden Fragen „Wurzelfragen“ – ein merkwürdiges Wort, das erstens darauf hinweisen könnte, dass es dabei um Grundlegendes und Ursächliches geht. Man könnte assoziieren, dass…

…eine persönliche Verwurzelung in diesem Frage/Antwort-Komplex möglich und gut sei. Es geht um etwas, das in einem festen Grund wurzelt. Des Weiteren verbindet sich mit dem Begriff „Wurzel“ die Idee von Ernährung und Leben. So wird auch betont, dass das Auftauchen der zweiten Frage, bei einer bestimmten Seelenverfassung „naturgemäß“ sei. Die Frage nach der Freiheit, ist also eine, die einer gesunden und modernen Seele kommen MUSS?
Wie verhalten sich die beiden Fragen zueinander? Die Seelenerlebnisse, die durch die Frage nach der Freiheit entstehen, sind abhängig von meinem „Bild des Menschen“, von meiner „Erkenntnis des Menschen“, bzw. davon, was für ein Verhältnis ich zur „Stütze“ habe, also zur ersten Frage. Vereinfacht gesagt: Meine Freiheitsfähigkeit ist abhängig von meiner Erkenntnisfähigkeit !??
Auf den folgenden Seiten verweist Steiner mehrfach auf ein „Seelengebiet“, ein „Gebiet“ das zur Behandlung der Fragen aufgefunden werden soll. Er nennt es „Erlebnisgebiet“ und auch „Geistgebiet“. „Nicht eine solch fertige, abgeschlossene Antwort wird gegeben, sondern auf ein Erlebnisgebiet der Seele wird verwiesen, auf dem sich durch die innere Seelentätigkeit selbst in jedem Augenblicke, in dem der Mensch dessen bedarf, die Frage erneut beantwortet.“ (S.8)
In diesem Satz sind zahlreiche existentielle Themen angeschnitten: Es geht sozusagen um eine geistige VerORTung, Verräumlichung, des Themas: WO findet der Frage-und-Antwort-Prozess statt – ein Gebiet. Dann geht es um „jeden Augenblick“, also um eine zeitliche Dimension. Die Frage kann sich in jedem Augenblick NEU beantworten. Es gibt also im Grunde nicht die eine Antwort im umgangssprachlichen Sinne, sondern einen „Antwort-Prozess“, der in ständiger Wandlung begriffen ist?! Außerdem ist noch eine menschlich-seelische Bedürftigkeit angesprochen.
Interessant ist, dass hier plötzlich nur noch von einer Frage die Rede ist, obgleich gerade zwei formuliert wurden. Vielleicht ist dies eine Art „Hindeutung“ darauf, dass in einer bestimmten Schicht beide Fragen zu einer einzigen werden?
Man muss feststellen, dass Rudolf Steiner mit seiner Philosophie der Freiheit einen recht weitgehenden Anspruch verbindet: Sie zielt auf Erkenntnissicherheit, die der Mensch „nicht entbehren“ kann, wenn er auch in Fragen der Naturwissenschaft und der geistigen Forschung Sicherheit erlangen möchte (S.9).
Am kommenden Dienstag, den 16.6.: Erstes Kapitel „Das bewusste menschliche Handeln“

2 Antworten zu “Philosophie der Freiheit 1” aus Kommentararchiv:


  1. Liebe Frau Jäger,

    danke für diese Idee, hier einen “Blog” einzurichten.
    Ich werde versuchen mich zu beteiligen.
    Konstantin Eulenburg (bin auch Dienstags dabei)


    • Ruth Jäger sagte


      Schön, freut mich!
      Dann werden wir uns ja heut abend kennenlernen!
      Viele Grüße
      Ruth Jäger


Exlibris Michael und der Drache


Dies schöne Exlibris stammt offenbar – wie die Bildunterschrift zu erkennen gibt – aus einem Buch von Rudolf Frieling.
“Exlibris (von lat. ex = aus und libris = Büchern) dienen zur Kennzeichnung von Büchern. Solche Bucheignerzeichen sind Ausdruck des Besitzanspruches und des Besitzerstolzes von Bücherfreunden.Vorläufer der gedruckten Exlibris waren handschriftliche Besitzvermerke, die schon in den frühmittelalterlichen Scriptorien der Klöster üblich waren. Mit der Erfindung des Buchdruckes durch Johannes Gutenberg um das Jahr 1440 gelangten Bücher preiswerter an einen weiteren Leserkreis. Die daraus resultierende Blüte der Bibliotheken ließ den Wunsch aufkommen, den eigenen Buchbesitz zu kennzeichnen. In den Einbänden klebten nun Exlibris; kleine gedruckte grafische Kunstwerke auf Papierbögen als Holzschnitt, Kupferstich, Stahlstich, Lithografie oder in einer der modernen Drucktechniken…” (Wikipedia-Eintrag)

Wilhelm Pelikan: Lebensbegegnung mit Leonardos "Abendmahl"

“Wenn ein Geist aus dem Mars herunterkäme auf die Erde und alles sehen würde, dann würde er vielleicht kein Stück der Erde begreifen, aber er würde die eigentliche Erdenmission verstehen, wenn er das “Abendmahl” von Leonardo da Vinci auf sich wirken lassen könnte. Da würde ein solcher Marsbewohner sehen können, wie das Sonnendasein hineingeheimnißt sein muß in das Erdendasein, und alles, wovon man ihm sagen würde, daß es die Erde bedeutet, würde ihm dadurch klar werden… Wenn ich die Mittelgestalt mit den umgebenden zusammenhalte – dann fühle ich, was die Geister der Weisheit empfunden haben auf der Sonne, was uns hier wieder entgegentönt in dem Wort “Dies tut zu meinem Andenken”.(Rudolf Steiner zitiert nach: Pelikan, Wilhelm: Lebensbegegnung mit Leonados “Abendmahl”.)
Aus dem Inhalt:
Eine Kopie des “Abendmahles” in Ponte Capriasca
Eine Begegnung mit dem Original
Leonardo als Mensch und Künstler
Leonardo beim Malen des “Abendmahles”
Licht und Finsternis
Zur Gestalt des Judas und ihrer Darstellung in Leonardos Bild
Rudolf Steiner über das “Abendmahl” und dessen “Unvollkommenheit”
Die Judas-Individualität im Lichte der Geistesforschung
Rudolf Steiner über die drei Magier und die drei Totenerweckungen im Evangelium
Das Wesen der künstlerischen Inspiration…
Hier geht´s zum Angebot:

Lebensbegegnung mit Leonardos Abendmahl : Erfahrenes und Erschautes an einer Pilgerstätte der Menschheit ; Betrachtungen auf der Grundlage geisteswissenschaftlicher Ideen. - Pelikan, Wilhelm VERKAUFT
1988, Verl. am Goetheanum, Einbandart: Hardcover.

In der Gegenwart für die Zukunft

Rudolf Steiner 1915: Gemeinsamkeit über uns - Christus in uns.
“Wir begründen Menschengemeinschaften, in denen gar nichts herrschen darf von irgendeinem Autoritätsglauben, von Anerkennung einer Lehre, nur weil sie von der einen oder anderen Persönlichkeit geliefert wird. Wir begründen Menschengemeinschaften, in denen alles, alles gebaut sein muß auf die freie Zustimmung der Seele zu den Lehren. Damit bereiten wir dasjenige vor, was die Geisteswissenschaft Gedankenfreiheit nennt. Und dadurch, daß wir uns zusammenschließen, uns in brüderlichen Vereinigungen verbinden, um unsere Geisteswissenschaft zu treiben, bereiten wir dasjenige vor, was als Kultur, als Zivilisation die sechste nachatlantische Kulturperiode durchdringen soll.
(…) Daher dürfen wir uns vorstellen, daß dadurch, daß wir uns in Arbeitsgruppen brüderlich vereinigen, unsichtbar über unserer Arbeit schwebt dasjenige, was von den Wesen der höheren Hierarchien gepflegt wird, damit es dann herunterströmen kann in unsere Seelen, wenn sie wieder da sein werden in der sechsten Kulturperiode.”

Impressum

IMPRESSUM / Gesetzliche Anbieterkennung:
ANTHROPOSOPHIE-Antiquariat Ruth Jäger
Einzelunternehmer Ruth Jäger
Moorkamp 16
20357 Hamburg
Deutschland
Telefon: +49 (0) 40 4146 8860
Telefax: +49 (0) 40 6558 4246
Email: Antiquariat-Jaeger@posteo.de
USt-ID-Nr.: DE261359816

Inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 55 RStV:
Ruth Jäger
Moorkamp 16
20357 Hamburg



Anzeige

Informationen zur Online-Streitbeilegung: Die EU-Kommission wird im ersten Quartal 2016 eine Internetplattform zur Online-Beilegung von Streitigkeiten (sog. "OS-Plattform") bereitstellen. Die OS-Plattform soll als Anlaufstelle zur außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten betreffend vertragliche Verpflichtungen, die aus Online-Kaufverträgen erwachsen, dienen. Die OS-Plattform wird unter folgendem Link erreichbar sein: http://ec.europa.eu/consumers/odr