Freitag, 2. Oktober 2009

Kürzlich gelesen: "Die Rettung der Seele" von Bernhard Lievegoed

Heute möchte ich in der Rubrik "Kürzlich gelesen" das Buch "Die Rettung der Seele" vorstellen, das ich mir in Vorbereitung auf die Rosenkreuzer-Tagung in Hamburg vornahm.
In dem Buch wird versucht, grundlegende geistige Stömungen, die im Zusammenhang mit der anthroposophischen Bewegung stehen, zu erhellen.
Sehr anrührend sind die Umstände der Entstehung dieses Buches: Jelle von der Meulen hat es als Lievegoeds letztes Werk an seinem Krankenbett "empfangen" und zu Papier gebracht. Das Buch ist schön, einfach und klar geschrieben.
Es werden drei Geistesströmungen aufgefunden: die Anthroposophie Rudolf Steiners, das Rosenkreuzertum des Christian Rosenkreuz und die Strömung des Manu. Zu jeder dieser Individualitäten werden die Inkarnationsfolgen dargestellt und die jeweiligen Umstände der Biografien so skizziert, das man Lust bekommt, sich tiefer einzuarbeiten, beispielsweise in die Gralsthematik.
Das Kapitel über die Gegenmächte, die durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch, versuchen die Arbeit dieser Strömungen zu negieren, war für mich in dieser geballten Zusammenfassung sehr bereichernd und neu.

Stutzig gemacht hat mich allerdings die Aussage des Buches, man habe diese drei Strömungen als getrennte zu sehen.
1. Die Anthroposophie stünde für die Erkenntnisbemühung, das Ringen um Weisheit, also das Denken.
2. Das Rosenkreuzertum stünde für das Handeln, die tätige Umwandlung der Erde, das kaiinitische Erbauen des Tempels, also das Wollen.
3. Der Manichäismus habe die Hingabe, die Milde, die Opferbereitschaft zur Handlungsmaxime erhoben, also das liebende Gefühl. 

Ich empfinde diese Dreiteilung als schief. Für mich ist gerade das Begeisternde an der Anthroposophie, dass sie all diese unterschiedlichen Herangehensweisen als Akzente eben EINER Strömung vereinigt!
Was wäre Weisheit ohne Liebe, und was wäre beides zusammen ohne Handlungsimpuls - lauter halbe Sachen. Die Art der Einweihung von Christian Rosenkreuz im 13. Jh. - eine Einweihung in der alle 12 historischen Weisheitsströmungen auf ihn einwirkten - deutet auf eine große Vereinigung aller Religionen und esoterischen Richtungen hin, die einen geistigen "Separatismus" ja gerade überwinden wollte. Insofern empfinde ich das Rosenkreuzertum als eine Art Vorläufer der Anthroposopie. Die Aufforderung Lievegoeds allerdings, dass "Vertreter" dieser verschiedenen Richtungen doch verstärkt und unvoreingenommen zusammenarbeiten mögen, ist natürlich über alle Maßen gerechtfertigt. Jelle van der Meulen hat 1998 eine Art Folgebuch geschrieben, das ich gestern begonnen habe zu lesen - ich werde berichten!
Hier ein Link zum Buch bei Amazon, ich habs momentan leider nicht selbst im Angebot!

8.10.09 / Hier noch ein Nachtrag zu obigem Artikel aus "Jelle van der Meulen : Und so weiter"
"In Über die Rettung der Seele ist ein entscheidender Irrtum enthalten, dem zwar eine außerordentlich treffsichere Intuition zugrunde liegt, der aber dennoch auf einen Irrweg führen kann. Lievegoed meinte nämlich, dass Mani, der Stifter des historischen Manichäismus, der im 4. Jahrhundert n. Chr. seine Hochbüte erlebte, eine Inkarnation von Manu sei, dem großen Eingeweihten der alten Atlantis. Nun, wie man es auch betrachtet, es ist jedenfalls unwahrscheinlcih, dass dies so zutrifft. Es besteht allerdings eine sehr enge Verbindung zwischen den Beiden, und gerade im Verständnis dieser Verbindung liegt der Schlüssel zur Botschaft des geistigen Testaments von Bernard Lievegoed..." (Zitat S. 10)

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