Montag, 12. Oktober 2009

(K)ein Bericht zur Rosenkreuzer-Tagung in Hamburg


Eigentlich hatte ich vor, von den Vorträgen der Tagung zu berichten. So ein wichtiges Thema, so viele interessante Vortragende, so viele Gäste!
Einen längeren Beitrag wollte ich beispielsweise schreiben über Peter Selg, dessen Vortragstitel "Christian Rosenkreuz und Rudolf Steiner" lautete. Er versuchte eine werkbiografische Annäherung des Verhältnisses beider Individualitäten und er begann seine Ausführungen mit dem Hinweis wie ungeheuer anspruchsvoll das ganze Tagungsthema sei und wie über alle Maßen sensibel man mit Äußerungen über Christian Rosenkreuz umgehen müsse - als Sprecher wie als Hörer. Das leuchtete mir unmittelbar ein und dies ist auch der Grund, warum ich nicht tiefer ins Thema einsteigen möchte, schon gar nicht auf diese digitale Weise. Über eine Tagung zum Grundeinkommen ausführlich zu berichten, wäre sicher einfacher, jedoch ein Thema, das so unmittelbar alle Gesichtspunkte und die ganze geistige Historie der Anthroposophie berührt und auch die Individualität Rudolf Steiner so zentral betrifft, möchte ich es nicht.
Nur kurz erwähnt seien beispielsweise Dr. Heuschkel, ein Chemiker aus Hamburg, der ausgewählte Passagen der "Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz" liebevoll erzählte und parallel dazu kleine Experimente zum Thema "Alchemie der Metalle" zeigte. Es ging ihm darum, sich der spirituellen Qualität der Metalle durch Beobachtung im Experiment zu nähern.
Oder auch Birrethe Arden Hansen - zum Thema "Eurythmie - ein Rosenkreuzerimpuls". Die Eurythmie sei nichts weniger - sagte sie -  als der Ausdruck des Rosenkreuzertums in der menschlichen Bewegung.
Jean-Sebastian Catalan
, sprach zum Thema "Rosenkreuzer und Michaelit". Er näherte sich dem "Grundsteinspruch" und dem "Morgenruf des Michael" und betonte die Qualität des Hörens und Hören-Wollens.

Hier doch noch einiges zum Rahmen:
Vor jedem Abendvortrag wurde Musik des Grafen Saint Germain für Klavier und Cello gespielt (MenschMusik). An allen Tagen wurde der Grundsteinspruch von der Arbeitsbühne Hamburg - Kassel eurythmisch dargestellt. In der Bibliothek wurde eine Ausstellung zum Leben und Werk des Grafen Saint Germain durch Peter Schrad, Eckernförde eröffnet. Sie konnte in allen Pausen besichtigt werden. Auch eine Ausstellung "Unbekannte Lehrtafeln und  Handschriften der Rosenkreuzer" war zu sehen. Die "Dramengruppe im Rudolf Steiner Haus" brachte extra hierfür umgearbeitete Seelenbilder aus der "Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz" von 1459 an zwei Terminen zur Aufführung.


Die lieben Kollegen der Rudolf Steiner Buchhandlung Hamburg hatten an ihrem Büchertisch viel zu tun.
 

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Artikel 7 zur "Philosophie der Freiheit"

Die andere Spielart des Monismus ist der "Spiritualismus", der die Materie als eigene Seinsform vollständig leugnet, bzw. sie als Produkt des Geistes auffasst. Steiner zufolge kann der Spiritualist keinen wirklichen Weltbezug erlangen, er muss ja auch jede Sinneswahrnehmung als Idee betrachten. Der Spiritualist kommt, ganz ähnlich wie der Materialist gar nicht an die Ausgangsfragen heran: Wie ist das Verhältnis von Subjekt-Objekt, Ich-Welt befriedigend zu bearbeiten? Was für eine Spaltung liegt da vor und wie können wir sie überwinden? Er sieht dies Problem einfach nicht, bzw. er leugnet den Gegensatz von Geist und Materie, den Steiner wohl als dem menschlichen Bewußtsein "objektiv gegeben" hinstellt.

Nun macht Steiner erstmals eine Andeutung worauf seine eigenen Ideen hinauslaufen könnten. "So wahr es ist, daß wir uns der Natur entfremdet haben, so wahr ist es, daß wir fühlen: wir sind in ihr und gehören zu ihr. Es kann nur ihr eigenes Wirken sein, das auch in uns lebt." (S. 33) Wir haben uns zwar von der Natur losgerissen, aber wir haben etwas von ihr mit herübergenommen. "Dieses Naturwesen in uns müssen wir aufsuchen, dann werden wir den Zusammenhang auch wieder finden." (S. 34)
Kleine "Hausaufgabe" fürs nächste Treffen: Wie kann dies "Naturwesen" gefasst werden?

Und noch einmal:
In der Rudolf Steiner Buchhandlung in Hamburg findet jeden Dienstag um 19.30 ein Arbeitskreis zur „Philosophie der Freiheit“ statt, der von Steffen Hartmann eingeleitet und moderiert wird.
Ich möchte hier regelmäßig einige Gedanken dazu wiedergeben. Meine Beiträge sollen jedoch KEIN strukturiertes Protokoll sein. Ich möchte hier Gedanken äußern, die in der Runde ausgesprochen oder auch NICHT ausgesprochen wurden. Es handelt sich also um eine subjektiv-protokollähnliche Gedankensammlung ohne jeden Vollständigkeitsanspruch. Man möge also, die Sätze, in denen ich Rudolf Steiner referiere (und natürlich alle anderen), gern kommentieren und korrigieren!

"Die Philosophie der Freiheit" und natürlich jedes lieferbare Buch kann in der Rudolf Steiner Buchhandlung Hamburg unkompliziert bestellt werden und wird zugeschickt!


Sonntag, 4. Oktober 2009

Artikel 6 zur "Philosophie der Freiheit"

Steiner beschreibt im vierten Abschnitt des zweiten Kapitels, wie philosophiegeschichtlich mit der „Ich-Welt-Thematik“ umgegangen wurde. Er bezeichnet die verschiedenen Herangehensweisen als "Monismus" und "Dualismus". Der Dualismus richtet den Blick nur auf die Trennung von Ich und Welt. Er strebt eine „Wiedervereinigung“ zwar an, er kann die Brücke zwischen beiden jedoch nicht finden. Dies liegt daran, dass er in Geist und Materie oder auch Subjekt und Objekt zwei grundverschiedene Wesenheiten sieht, die sich gegenseitig vollständig fremd sind. Im Geist ist nichts, was auch in der Natur wäre, in der Natur ist nichts, was auch im Geist wäre. So haben beide auch keine Wirkungsmöglichkeit aufeinander, es besteht überhaupt keine Beziehung. Insofern ist auch eine Versöhnung nicht denkbar.
Der Monismus tritt in drei verschiedenen Spielarten auf. Erstens als Materialismus. Der Materialismus leugnet den Geist vollständig. Es existiert nur Materielles. Steiner widerlegt dies auf eine denkbar einfache Weise: In dem Moment, in dem ich anfange über Materie zu denken, denke ich bereits. Ich betätige also Geist, den es daher auch geben muss. Der Materialist könnte nun entgegnen, dass der Denkprozess über die Materie eben auch ein materieller Prozess sei. "Er glaubt, dass das Denken im Gehirne etwa so zustande kommt, wie die Verdauung in den animalischen Organen." Damit ist die Fähigkeit des Denkens aber nur an einen anderen Ort verlegt. Der Materialist dreht sich somit im Kreis, denn er ist wieder an der Ausgangsfrage angelangt. "Wie kommt die Materie dazu über ihr eigenes Wesen nachzudenken? Warum ist sie nicht einfach mit sich zufrieden und nimmt ihr Dasein hin?"
Mir bleibt bei dieser simplen Widerlegung die Frage, ob der Materialist nicht trotzdem logisch weiterargumentieren könnte: Gedanken seien eben sehr sehr feine materielle Vorgänge, die irgendwann wissenschaftlich noch vollständiger analysiert werden können als jetzt schon. Es sei daher kein qualitativer oder substantieller Unterschied zwischen Geist und Materie anzunehmen. Die Sinnfragen der Menschen seien eben ein Spiel der Natur, die das Leben vielleicht einwenig interessanter machen, aber eigentlich doch sinnlos sind und natürlich nicht auf irgendeine grundsätzlich andere Seinsform verweisen??!!

"Die Philosophie der Freiheit" und natürlich jedes lieferbare Buch kann in der Rudolf Steiner Buchhandlung Hamburg unkompliziert bestellt werden und wird zugeschickt!

Foto: Linzenzfreies Bild von Wikipedia
 

Freitag, 2. Oktober 2009

Kürzlich gelesen: "Die Rettung der Seele" von Bernhard Lievegoed

Heute möchte ich in der Rubrik "Kürzlich gelesen" das Buch "Die Rettung der Seele" vorstellen, das ich mir in Vorbereitung auf die Rosenkreuzer-Tagung in Hamburg vornahm.
In dem Buch wird versucht, grundlegende geistige Stömungen, die im Zusammenhang mit der anthroposophischen Bewegung stehen, zu erhellen.
Sehr anrührend sind die Umstände der Entstehung dieses Buches: Jelle von der Meulen hat es als Lievegoeds letztes Werk an seinem Krankenbett "empfangen" und zu Papier gebracht. Das Buch ist schön, einfach und klar geschrieben.
Es werden drei Geistesströmungen aufgefunden: die Anthroposophie Rudolf Steiners, das Rosenkreuzertum des Christian Rosenkreuz und die Strömung des Manu. Zu jeder dieser Individualitäten werden die Inkarnationsfolgen dargestellt und die jeweiligen Umstände der Biografien so skizziert, das man Lust bekommt, sich tiefer einzuarbeiten, beispielsweise in die Gralsthematik.
Das Kapitel über die Gegenmächte, die durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch, versuchen die Arbeit dieser Strömungen zu negieren, war für mich in dieser geballten Zusammenfassung sehr bereichernd und neu.

Stutzig gemacht hat mich allerdings die Aussage des Buches, man habe diese drei Strömungen als getrennte zu sehen.
1. Die Anthroposophie stünde für die Erkenntnisbemühung, das Ringen um Weisheit, also das Denken.
2. Das Rosenkreuzertum stünde für das Handeln, die tätige Umwandlung der Erde, das kaiinitische Erbauen des Tempels, also das Wollen.
3. Der Manichäismus habe die Hingabe, die Milde, die Opferbereitschaft zur Handlungsmaxime erhoben, also das liebende Gefühl. 

Ich empfinde diese Dreiteilung als schief. Für mich ist gerade das Begeisternde an der Anthroposophie, dass sie all diese unterschiedlichen Herangehensweisen als Akzente eben EINER Strömung vereinigt!
Was wäre Weisheit ohne Liebe, und was wäre beides zusammen ohne Handlungsimpuls - lauter halbe Sachen. Die Art der Einweihung von Christian Rosenkreuz im 13. Jh. - eine Einweihung in der alle 12 historischen Weisheitsströmungen auf ihn einwirkten - deutet auf eine große Vereinigung aller Religionen und esoterischen Richtungen hin, die einen geistigen "Separatismus" ja gerade überwinden wollte. Insofern empfinde ich das Rosenkreuzertum als eine Art Vorläufer der Anthroposopie. Die Aufforderung Lievegoeds allerdings, dass "Vertreter" dieser verschiedenen Richtungen doch verstärkt und unvoreingenommen zusammenarbeiten mögen, ist natürlich über alle Maßen gerechtfertigt. Jelle van der Meulen hat 1998 eine Art Folgebuch geschrieben, das ich gestern begonnen habe zu lesen - ich werde berichten!
Hier ein Link zum Buch bei Amazon, ich habs momentan leider nicht selbst im Angebot!

8.10.09 / Hier noch ein Nachtrag zu obigem Artikel aus "Jelle van der Meulen : Und so weiter"
"In Über die Rettung der Seele ist ein entscheidender Irrtum enthalten, dem zwar eine außerordentlich treffsichere Intuition zugrunde liegt, der aber dennoch auf einen Irrweg führen kann. Lievegoed meinte nämlich, dass Mani, der Stifter des historischen Manichäismus, der im 4. Jahrhundert n. Chr. seine Hochbüte erlebte, eine Inkarnation von Manu sei, dem großen Eingeweihten der alten Atlantis. Nun, wie man es auch betrachtet, es ist jedenfalls unwahrscheinlcih, dass dies so zutrifft. Es besteht allerdings eine sehr enge Verbindung zwischen den Beiden, und gerade im Verständnis dieser Verbindung liegt der Schlüssel zur Botschaft des geistigen Testaments von Bernard Lievegoed..." (Zitat S. 10)

Bücher von Lievegood bei uns HIER